17.12.2015
Serie

Modedesignerin

Weiche Wolle, fester Wille: Die Modemacherin Andrea Karg

Es sind die frühen neunziger Jahre. Internet und Mobiltelefone bestimmen noch nicht den Alltag. Deutschlands Wirtschaft erlebt den Boom der Nach-Wendejahre. In dieser Zeit startet in München eine Gründerin durch, die mit ihrer Geschäftsidee bis heute erfolgreich ist: die Modedesignerin Andrea Karg. Die Unternehmerin führt mit dem Kaschmirlabel Allude heute eine internationale Luxusmarke, die in über 700 Premium-Verkaufsprodukten weltweit vertreten ist und derzeit rund 40 Prozent des Umsatzes im Ausland macht.

Damals in den Anfängen ist es für Andrea Karg keineswegs selbstverständlich, mit ihrer Geschäftsidee Karriere zu machen – vor allem nicht als junge Mutter. Doch ihr ist von Anfang an klar, wo sie hinwill. Sie sitzt in ihrem Büro im fünften Stock eines Hauses im Münchner Stadtteil Lehel und erinnert sich. Die große Glasfront gibt den Blick frei auf die Stadtkulisse – von Frauenkirche bis Olympiaturm. „Ich habe Jura studiert, wollte aber immer in der Modebranche Fuß fassen“, sagt sie. Sie habe immer gewusst, dass dort ihre wahre Leidenschaft liegt. „Was ich gebraucht habe, war eine Initialzündung“, so die Unternehmerin, die als Mitglied des HVB Frauenbeirates seit 2012 im HVB Gründerinnen-Mentoring Frauen auf dem Weg in die Selbständigkeit begleitet. So auch in diesem Jahr. Welchen Support die kommende Mentee von der Mentorin Andrea Karg erwarten darf? „Strukturelle Unterstützung, inhaltliche Überprüfung, Austausch des Erfahrungsschatzes und mentales Back-up“, sagt Andrea Karg.

Eine Idee, die nicht mehr loslässt

Zurück ins Jahr 1993: Beim Einkaufen fragt sie sich, warum es eigentlich keine taillierten und femininen Pullover aus Kaschmir zu kaufen gibt. Hier entdeckt Andrea Karg ihre Nische. „Kaschmirpullover bedeutete damals immer Kastenschnitt, Rippbündchen und eine Auswahl von vier Farben: schwarz, marine, grau und beige-melange“, erklärt die Münchnerin. Bei so einem wunderbaren Material wie Kaschmir dürfe das nicht sein, denkt sie und beschließt, das zu ändern. „Das ging nicht von heute auf morgen. Man setzt sich ja nicht einfach hin und strickt einen Pullover. Aber die Idee hat mich nicht mehr losgelassen.“ Nur logisch, dass Andrea Karg auf die Frage, welche Fähigkeiten eine Gründerin immer benötigen wird, keine Sekunde überlegen muss: „Durchhaltevermögen und Konzentration auf den Kern der Idee.“

Fester Wille und weiche Wolle

Gemeinsam mit ihrem Mann Christian legt die gebürtige Düsseldorferin los und gründet 1993 das Label Allude. „Dadurch, dass ich schon immer Kontakte zur Modebranche hatte, wusste ich bereits einiges über Produktionsprozesse“, so die Geschäftsfrau heute. Die Finanzierung kann sie unbürokratisch über private Investoren sichern, dann beginnt die Suche nach der optimalen Produktion. „Das war nicht einfach. Ich hatte ja keine Modeschule besucht und wollte damals unbedingt diese Idee realisieren.“ Ob Deutschland heute gründerfreundlicher ist als 1993? „Besser als früher ist sicherlich, dass sich Gründerinnen in Mentoring-Programmen wie dem der HypoVereinsbank zielgerichtet Unterstützung holen können“, sagt Andrea Karg.

„Die Kunden wollten mehr, das war unbeschreiblich“

Der Erfolg von Allude zeichnet sich ab, noch bevor der erste Artikel hergestellt ist: Der Einzelhandel, alles Top-Häuser, wie Karg sagt, ist auf Anhieb begeistert, das Ordervolumen wächst schnell an. Dass ihre Idee wirklich trägt, spürt die frischgebackene Unternehmerin, als die fertige Ware angeliefert war und auch sofort verkauft war. „Damit nicht genug, die Handschrift gefiel und die Kunden wollten mehr, das war ein unbeschreibliches Gefühl.“ Schnell erweitern Mäntel, Jacken, Cardigans und Co. die Kollektion.

Zur Person

Andrea Karg kommt ursprünglich aus Düsseldorf, studierte Jura in München. Dort gründete sie 1993 das Modelabel Allude, das seitdem ausschließlich Kaschmir-Kollektionen fertigt. Die Marke ist weltweit in Showrooms zu sehen und wird in über 700 Premium-Shops verkauft. Andrea Karg unterstützt als Mitglied des Frauenbeirates bei der Hypovereinsbank Unternehmensgründerinnen auf dem Weg in die Selbständigkeit. Die Modemacherin lebt mit ihrem Mann in München; das Paar hat zwei erwachsene Söhne.

„Der Kopf hört nie auf zu arbeiten“

Doch ein gutes Team darf sich auf dem Erreichten nicht ausruhen, davon ist Andrea Karg überzeugt. Denn auch in der Modebranche hat der Wettbewerb seit den Neunzigern stark zugenommen. Entsprechend groß ist der Druck, immer wieder mit neuen Ideen auf den Markt zu kommen. Eine Herausforderung, auch wenn bei Allude der Originalpullover mit dem V-Ausschnitt immer noch zu den meistverkauften Klassikern gehört. Aber stehenbleiben ist verboten. „Der Kopf hört nicht auf zu arbeiten, wenn Sie ein kreativer Mensch sind.“

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