19.12.2014

Münchner Rokoko

Mit Leib und Seele: Ausstellung in der Kunsthalle München

Rund 160 Werke des Münchner Rokoko sind aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht. Viele von ihnen verlassen zum ersten Mal seit 250 Jahren ihre angestammten Plätze in Kirchen und Klöstern und finden sich nun in den Räumen der Münchner Kunsthalle wieder.

Gemeinsam mit dem Diözesanmuseum Freising wagte sich die Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung an die große Herausforderung, eine umfassende Schau zum Rokoko zu schaffen. Dabei rausgekommen ist die beeindruckende Ausstellung mit dem Titel „Mit Leib und Seele – Münchner Rokoko von Asam bis Günther“.

Das Ornament der Rocaille

Dr. Ariane Mensger, Kuratorin der Münchner Kunsthalle, ist sich sicher: „Die Zeit ist reif, um sich dieser wichtigen und einzigartigen Epoche zu widmen.“

Mit dem Münchner Rokoko entwickelte sich im 18. Jahrhundert eine einmalige Blütezeit bayerischer Kunst, die auch heute noch beeindruckt. „Heiliger“ Ernst trifft dabei auf irdische, spielerische Leichtigkeit. Die außergewöhnliche Erscheinung der Kunstwerke spiegelt eine bis dahin nicht dagewesene Lebensnähe, gepaart mit raffinierter Eleganz und höchster handwerklicher Qualität wider. „Die Skulpturen sind elegant bewegt, dabei erscheinen sie jedoch auch innerlich beseelt“, schwärmt Mensger. Besonders bei der Ausstattung von Kirchen und Klöstern sei das Rokoko eine beliebte Ausdrucksform. „Das muschelförmige Ornament der Rocaille spielt dabei eine wichtige, quasi alles dominierende Rolle.“

„Solch eine Ausstellung organisiert man nicht alle Tage.“

Und so finden wir noch heute die Werke von Künstlern wie den Brüdern Cosmas Damian Asam und Egid Quirin Asam, Johann Baptist Straub, Franz Anton Bustelli und Ignanz Günther in beeindruckenden Kirchen wie der Pfarrkirche St. Michael in München.

Das machte die Aufgabe für Ariane Mensger und ihr Team allerdings alles andere als einfach. Denn die zahlreichen Skulpturen aus Kirchenbesitz mussten von ihren angestammten Plätzen demontiert und in der Ausstellung wieder aufgestellt werden. In den meisten Fällen erforderten die vielen verschiedenen Kunstgattungen und Materialien eigene restauratorische Bedingungen. „Um das stämmen zu können, brauchte es ein gut eingespieltes Team von Fachleuten“, so die Kuratorin.

Eine unbekannte Heilige aus Starnberg

Nun stehen bzw. hängen die rund 160 Werke alle an ihren Plätzen und können von den Besuchern aus der Nähe bestaunt und begutachtet werden. Vor allem Holzskulpturen und andere plastische Bildwerke aus Stuck, Ton, Porzellan und Silber prägen die Ausstellung. Es gibt viele neue interessante Dinge über die Werke zu erfahren und auch zu entdecken, weiß Mensger: „In der Ausstellung sind zahlreiche Werke, die als absolute Highlights gelten und die in dieser Kombination wohl nie wieder zusammen präsentiert werden.“ Ganz besonders hat es ihr die sogenannte Starnberger Heilige von Ignaz Günter angetan. „Man weiß nicht, aus welcher Kirche die Skulptur ursprünglich stammt oder welche Heilige sie konkret darstellt. Umso beeindruckender ist die Skulptur selbst, die in einer expressiven, höfisch eleganten Bewegung wiedergegeben ist. Gleichzeitig wirkt ihr Gesichtsausdruck verschlossen, fast verträumt. Ihre ganze Erscheinung mutet überraschend modern an.“ Für die Besucher besonders spannend: Die schöne Unbekannte wird gemeinsam mit dem dazugehörigen Holzmodell präsentiert, welches der Bildhauer für seine Vorbereitungen verwendete. So können Entwurf und Ausführung direkt miteinander verglichen werden.

Die Ausstellung bietet also etwas für jeden Geschmack. Dr. Arian Mensger empfiehlt, sich von der heiteren Verspieltheit mitreißen zu lassen: „Tauchen Sie ein in die Münchner Rokoko-Zeit und genießen Sie die raffinierte Ästhetik der Werke“. Und wer einen Blick ins Innere der schönsten Rokoko-Kirchen werfen möchte: Der virtuelle Rundgang der Kunsthalle München ermöglicht es.

 

Die Ausstellung „Mit Leib und Seele. Münchner Rokoko von Asam bis Günther.“ ist vom 12. Dezember 2014 bis 12. April 2015 in der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung (Theatinerstraße 8, 80333 München) zu sehen. Für Sparfüchse gibt es den Blauen Montag: An jedem Montag, der nicht auf einem Feiertag fällt, reduzieren sich alle Eintrittspreise um die Hälfte.

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