Historische Geldstücke

21.02.2013

Das prägt - was Münzen erzählen

Münzen sind mehr als nur ein Zahlungsmittel: Sie haben spannende Geschichten zu erzählen. Deshalb liegt ihr Marktwert teilweise deutlich über dem Materialwert. Gerade in wirtschaftlich turbulenten Zeiten rücken Geldstücke in den Fokus von Anlegern.

Von Gastautor Richard Pfadenhauer

Schon seit mehreren tausend Jahren sind Menschen von Münzen fasziniert. So soll zum Beispiel bereits Gaius Julius Cäsar Münzen gesammelt haben. Auch Johann Wolfgang von Goethe und der flämische Maler Peter Paul Rubens waren Freunde der Numismatik. Heute ist Münzensammeln keineswegs ein Altherrenhobby. Auch junge Menschen sind fasziniert. Im sozialen Netzwerk Facebook interessieren sich mehr als 67.000 User für alte Taler, Gulden und Dukaten. Münzexperte Dr. Hubert Ruß ist geschäftsführender Vorstand der Künker Numismatik AG in München. Er beobachtet, dass bei vielen Sammlern der Investmentaspekt immer mehr in den Fokus rückt.

Anlage- oder Sammlermünze?

Grundsätzlich unterscheiden Experten zwei Arten von Münzen: Zum einen gibt es die reinen Goldanlagemünzen, zu denen zum Beispiel der südafrikanische Krügerrand oder das kanadische Maple Leaf zählen. Bei diesen Stücken geht es weniger um Faszination und Historie, sondern eher um den reinen Materialwert. Bei Sammlermünzen – der zweiten Sammelart – übersteigt hingegen der ideelle Wert deutlich den Materialwert. Dadurch sind langfristig viel höhere Wertsteigerungen möglich.

Professionelle Schatzsuche

Welche Münze bei einer Auktion welchen Betrag erzielt, hängt wie bei jedem Gut von Angebot und Nachfrage ab. Derzeit seien vor allem historische Münzen aus Russland und China beliebt, verrät Insider Ruß. In diesen Ländern sei Vermögenden daran gelegen, die Geschichte ihres Landes quasi “zurückzukaufen”. So erzielte das Auktionshaus Künker 2011 für eine Probeprägung des chinesischen Kaisers Hsuan Tung 460.000 Euro. Bei solchen Summen ist es natürlich äußerst lukrativ, einen alten Münzschatz zu finden. Tatsächlich gibt es Firmen, die sich auf die Schatzsuche spezialisiert haben. Einige durchkämmen die Weltmeere nach versunkenen Schiffen mit wertvoller Ladung. Andere Schatzsucher hoffen auf Funde zum Beispiel am Ort historischer Schlachten.

“Münzflut” und Blasenbildung

Wird tatsächlich ein größerer Schatz gefunden, könnten viele Münzen auf einmal auf den Markt kommen. Das hätte für Sammler nicht nur Vorteile. Denn der Preis einer Münze wird von zwei Faktoren bestimmt: Zum einen, in welchem Zustand sie sich befindet, und zum anderen, wie selten sie ist. Durch eine “Münzflut” kann es somit zu Preisstürzen kommen, wenn die Münze vor dem neuen Fund nur selten vorkam. Aber nicht nur Münzfunde können zu Preisverfällen führen. Experte Ruß kann außerdem von zahlreichen Blasenbildungen berichten. So war die erste 5-Deutsche-Mark-Gedenkprägung aus dem Jahr 1952 zeitweise über 3.000 D-Mark wert. Heute ist das Interesse an ihr deutlich abgeflaut – Sammler können sie in guter Qualität bereits ab 400 Euro erwerben.

Vor Einstieg informieren

Wer selbst sammeln möchte, hat zahlreiche Möglichkeiten, Münzen zu erwerben. Selbst ein Discounter hat in seinem Onlineshop Münzen im Angebot. Münzfachmann Ruß warnt allerdings davor, sich uninformiert von solchen verlockenden Angeboten blenden zu lassen. “Wichtig ist zuerst, dass man sich eine Meinung über den Markt bildet, sich im Münzfachhandel über die aktuellen Preise informiert und Auktionen verfolgt.” Gerade am Anfang sei es ratsam, sich auf ein Gebiet zu spezialisieren. Sonst könne es passieren, dass Sammler auf einen vermeintlichen Trend hereinfallen und für ihre Stücke zu viel bezahlen.

Händler garantieren Echtheit

Interessierte Laien können sich zunächst an einen Münzhändler wenden. Allerdings sollten sie darauf achten, dass der Händler entweder beim Verband der deutschen Münzhändler oder beim Berufsverband des Deutschen Münzfachhandels Mitglied ist, um sich vor einem möglichen Betrug zu schützen. Diese Händler garantieren die Echtheit ihrer Münzen. Das heißt: Sollten die Münzkäufer einer Fälschung aufgesessen sein, erhalten sie ihr Geld zurück. Wer es klug anstellt, kann recht günstig eine Sammlung beginnen. Ruß’ Tipp: Deutsche Münzen sind für den Einstieg ein spannendes Feld und im europäischen Vergleich seien sie günstig zu bekommen. Allerdings rät er: “Wer seine Professionalität mit den Jahren steigern möchte, muss die entsprechenden finanziellen Mittel haben.” Teilweise gäben Sammler pro Monat 2.000 bis 3.000 Euro aus. Doch die Investition kann sich lohnen, schließlich vereinen Münzen auf kleinstem Raum unterschiedliche Facetten: Sie sind Zeitzeugnisse, Kunstobjekte und Wertanlage in einem.

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Zum Gastautor

Richard Pfadenhauer ist Chefredakteur des onemarkets Magazins im Bereich Corporate & Investment Banking der HVB. Darüber hinaus ist er Autor des onemarkets Wochenkommentars, eines wöchentlichen Rück- und Ausblicks auf die Märkte. Als ausgewiesener DVFA-Aktienanalyst beschäftigt sich Pfadenhauer seit vielen Jahren mit den Finanzmärkten. Er gilt als ausgesprochener Derivate-Experte.

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