Naturschutz in Deutschland
28.08.2015

Naturschutz Deutschland

Clever gegründet: Wirtschaftlicher Erfolg im Naturschutz

Gut dreißig Jahre nach der Wende erschafft Christina Grätz mit ihrer Geschäftsidee im Osten der Republik die so oft zitierten „blühenden Landschaften“ im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. Ihr Unternehmen heißt Nagola Re und renaturiert Flächen nach regionalen Prinzipien. Und das mit Erfolg! Hinter der aussichtsreichen Gründungsgeschichte steckt nicht nur die richtige Idee zur rechten Zeit, sondern auch eine überzeugende Unternehmerpersönlichkeit, eine gut durchdachte Planung und eine solide Finanzierung.

Christina Grätz ist Biologin mit Leib und Seele. „Der Naturschutz liegt mir persönlich sehr am Herzen“, sagt die vierzigjährige Mutter von drei Kindern. Und das merkt man sofort, wenn man mit der Brandenburgerin spricht. In verständlichen Worten erklärt sie schnell und präzise, worum es bei ihrer Geschäftsidee geht: die naturnahe Renaturierung nach regionalen Prinzipien. Sie erzählt von ihrer Heimat Brandenburg, dem Tagebau und der Ödnis, der sie durch Nagola neues Leben einhaucht. Die Botanikerin ist stolz auf die Lebensräume, die sie und ihr Team geschaffen haben. „Mein Traum ist es, dass überall in der Lausitz und in Brandenburg wieder bunt blühende Flächen stehen, auf denen sich Hummeln und Wildbienen tummeln.“ Trotz aller Ideale muss die Gründerin dennoch in erster Linie unternehmerisch denken und handeln. „Nagola Re ist für mich Leidenschaft und Geschäft in einem. Ich habe das Glück, beides miteinander verbinden zu können. Wahrscheinlich wäre unser Unternehmen gar nicht so erfolgreich, wären nicht alle unsere elf Mitarbeiter mit Herzblut bei der Sache.“

Der Weg zum eigenen Unternehmen

Schon vor ihrer Gründung 2011 sammelte Christina Grätz viel Erfahrung als Biologin in einem Ingenieurbüro. Sie erfasste Pflanzen, Biotope und geschützte Arten, bewertete Lebensräume und führte Planungen nach naturschutzfachlichen Aspekten durch. Doch ein Projekt ließ sie nicht mehr los: Renaturierungsmaßnahmen im ehemaligen Tagebaugebiet ihrer brandenburgischen Heimat konzipieren und durchführen. „Aus diesem Projekt heraus habe ich dann die Idee entwickelt, eine eigene Firma zu gründen“, sagt die Biologin rückblickend. „Und das habe ich dann auch getan!“

Heute teilt sich Nagola Re in zwei Geschäftsbereiche, die Theorie und Praxis eng miteinander verzahnen. Da ist auf der einen Seite die biologische Beratung im Ingenieurbereich, in der Christina Grätz auch schon vor ihrer Gründung tätig war. Auf der anderen Seite steht der Garten- und Landschaftsbau, für den Nagola Re eigene Regio-Saatgutmischungen entwickelt und produziert. Durch das spezielle Saatgut entstehen Lebensräume für Arten, die in Brandenburg und Umgebung heimisch sind. „Unsere Dienstleistung ist sehr komplex“, erklärt die Biologin. „Denn das Besondere an Nagola Re ist, dass wir sowohl den planerischen Teil als auch die praktische Umsetzung anbieten.“

Gestartet ist Christina Grätz zunächst mit der Beratung im Ingenieurbereich. Durch die langjährige Erfahrung in diesem Gebiet konnte die Botanikerin aus ihren Netzwerken gut Kunden akquirieren und verfügte von Anfang an über Kontakte zu wichtigen Entscheidungsträgern. Auch die Familie stand hinter der Gründerin. „Vor meiner eigenen Gründung war ich in meiner Familie die Einzige in einem Angestelltenverhältnis“, sagt sie. „Deshalb wusste ich genau, was auf mich zu kommt und hatte keine Angst vor der Selbstständigkeit.“ Herausfordernd war für die Diplom-Biologin in der Anfangszeit vor allem das Betriebswirtschaftliche. Doch mit einem Coaching, Fleiß und Ehrgeiz meisterte Christina Grätz auch diese Hürde.

Die Idee beim Schopfe packen

Ein neues Naturschutzgesetz wurde dann zum Motor für den Ausbau des zweiten Geschäftsbereichs. Seit 2010 muss bei allen Begrünungen außerhalb des besiedelten Raums bevorzugt Saatgut verwendet werden, das in diesem Gebiet heimisch ist. „Seitdem muss Regio-Saatgut überall eingesetzt werden, wo etwas begrünt wird: im Straßenbau, im Bergbau oder im Deichbau“, erklärt Christina Grätz. „In Ostdeutschland gab es vor fünf Jahren aber noch keinen Betrieb, der solch ein regionales Saatgut herstellte. Ich wusste einfach: Das ist ein Zukunftsmarkt!“

Mitten in ihrer Gründungsphase plante die junge Unternehmerin also bereits den ersten großen Geschäftsausbau. Konnte sie den Beratungsbereich noch gut mit Eigen- und Fördermitteln finanzieren, so hatte sie für die Regio-Saatgutproduktion einen hohen Finanzierungsbedarf: Es mussten Maschinen angeschafft, der vorhandene Hof ausgebaut, die Gebäude saniert werden. Diese Mittel konnte die Existenzgründerin nicht mehr aus eigener Kraft stemmen. Ihre Hausbank erkannte das Potenzial der Idee nicht und lehnte den Kreditantrag ab. Getrieben von der Aussicht, auf einem im Entstehen begriffenen Markt „First Mover“ zu sein, suchte Christina Grätz, unterstützt durch einen Kreditvermittler, weiter nach der passenden Bank. „Ich musste einfach schnell handeln, um mit der Idee wirklich Geld verdienen zu können. Das war meine Motivation, als Mutter von drei Kindern das Risiko eines Kredits auf mich zu nehmen“, erinnert sich die Botanikerin. „Verschiedene Banken machten mir ein Angebot. Aber bei der HypoVereinsbank hat mir das Gesamtpaket am besten gefallen.“ Und auch Jan Wolkenhaar, Leiter des bundesweiten Expertenteams für Gründung und Nachfolge bei der HypoVereinsbank, findet: „Im Rahmen unserer Nachhaltigkeitsstrategie freuen wir uns immer, wenn wir Gründungsideen aus dem Bereich des Naturschutzes finanziell begleiten können.“

Frau Linke von der HypoVereinsbank

„Als ich Christina Grätz kennengelernt habe, war ich von ihrer Person sofort überzeugt“, erzählt Ingrid Linke, seit den Wendejahren Kundenberaterin bei der HypoVereinsbank in Cottbus. Die studierte Betriebswirtin begleitet Gründer und Unternehmer in der Region, teilweise schon seit 25 Jahren. Bereits der Kreditvermittler hatte bei Ingrid Linke mit seiner sauberen Recherche und seinem Engagement einen guten Eindruck hinterlassen. Doch die HVB-Mitarbeiterin betont, dass sie keine Kreditzusage erteilt, ohne den Unternehmer persönlich kennengelernt zu haben. „Als nächstes bin ich dann auf den Hof von Christina Grätz gefahren, um mir selbst ein Bild von der Baustelle zu machen. Da herrschte das Chaos, denn die vorhandenen Häuser waren schon arg verfallen! Und ich bekam Zweifel, ob sich Frau Grätz nicht doch übernimmt.“ Doch nachdem Ingrid Linke nicht nur weitere Gespräche mit der Gründerin, sondern auch mit ihren Mitarbeitern und ihrer Familie geführt hatte, merkte sie schnell: Christina Grätz weiß ganz genau, worauf sie sich einlässt. Konzept und Geschäftsidee waren von vorne bis hinten durchdacht und die Gründerin konnte auf alle Fragen – auch betriebswirtschaftliche – verlässliche Antworten geben. „Die Zahlen eines Businessplans kann ich sachlich und analytisch bewerten“, sagt Ingrid Linke. „Letztendlich gibt bei mir aber die Unternehmerpersönlichkeit den Ausschlag. Frau Grätz lebt ihre Geschäftsidee und wird auch ein Stück weit von ihren Idealen getragen. Sie sprudelt nur so vor Ideen und da dachte ich mir: Das kann was werden!“ In der weiteren Zusammenarbeit merkte Ingrid Linke dann schnell, dass die Planungen von Nagola Re Substanz haben. Vor jeder Investition prüfte die Unternehmerin genau, wie sie ihr Geld einsetzte. „Jedes Mal, wenn ich auf den Hof gefahren bin, war es mir eine Freude zu sehen, wie schön und effizient Christina Grätz die Arbeiten am Hof umsetzt. Und genau das ist meine Motivation: Ich will die Unternehmen meiner Kunden wachsen sehen!“

Wohin die Reise geht

Trotz des erfolgreichen und mittlerweile mehrfach preisgekrönten Unternehmens kommen die Ideale nicht zu kurz. So mähen die Brandenburger beispielsweise zweimal im Jahr eine Wiese und erhalten so die seltenen Orchideen und andere Arten, die dort heimisch sind. „Für dieses Projekt arbeite ich gerade mal kostendeckend. Jemand, der nur vom unternehmerischen Standpunkt aus handelt, würde sich so eines Projektes wohl nicht annehmen. Das ist bei mir anders!“, betont Christina Grätz. „Aber natürlich möchte ich auch in Zukunft wirtschaftlich arbeiten, um meine Kredite schnell abzulösen. Mein Ziel ist es, dass man in 15 Jahren sieht, dass Nagola Re in Brandenburg zu Hause ist und vieles bewegt hat.“

Drei Tipps für Existenzgründer von Ingrid Linke

  1. Sich über seine finanzielle Situation klar werden: Wieviel habe ich bisher für meinen Lebensunterhalt ausgegeben? Wieviel brauche ich in Zukunft tatsächlich? Was kann ich auf die Seite legen? Wie finanziere ich Steuern, Kredite und Investitionen?
  2. Investitionen prüfen, abwägen und auch mal „Nein“ sagen können.
  3. Einen Kreis aus Vertrauenspersonen um sich aufbauen: Steuer-, Bank- und Unternehmensberater gehören auf jeden Fall dazu. Bei Schwierigkeiten oder grundsätzlichen Entscheidungen sollten alle gemeinsam beraten.
  1. beno
    14. September 2015, 16:52

    Ganz toll

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