Nicola Brüning
09.06.2017
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Nicola Brüning

Mentorin Nicola Brüning: „Female Empowerment ist harte Arbeit“

Nicola Brüning hat viel zu tun in diesen Tagen: Sie leitet die Deutschland-Repräsentanz der BMW Group in Berlin, ist nebenbei Mitglied im HVB Frauenbeirat der Hauptstadt – und in diesem Jahr erstmals Mentorin beim Gründerinnen-Mentoring der HypoVereinsbank. Uns hat Nicola Brüning erzählt, weshalb sich Existenzgründerinnen bei der fünften Runde des Programms bewerben sollten und warum Female Empowerment harte Arbeit ist.

 

Frau Brüning, Sie leiten die Berliner Repräsentanz des bayerischen Autoherstellers BMW. Was genau sind Ihre Aufgaben?

Ich bin unter anderem dafür zuständig, die Interessen der BMW Group in Berlin zu vertreten. Wichtig ist dabei der Austausch zwischen Unternehmen und Politik aber auch mit anderen Interessengruppen, zum Beispiel Start-ups. Gerade die Digitalisierung stellt unsere Unternehmen vor neue Herausforderungen. Die digitale Welt greift immer tiefer in unsere Prozesse und stellt eine große Chance dar, junge und gute Start-ups mit der „Grown-up-Economy“ zu verbinden.

2017 begleiten Sie als Mentorin im HVB Mentoring-Programm eine Gründerin auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Brauchen angehende Unternehmerinnen noch weibliche Führungskräfte als Vorbilder?

Unbedingt. Die Zahl der Frauen in den Vorständen aber auch in den neuen Unternehmen der digitalen Welt ist zu gering. Darüber hinaus brauchen Existenzgründerinnen nicht nur Vorbilder, sondern auch Gesprächspartnerinnen. Ein guter Rat von Frauen, die in Führungspositionen Verantwortung tragen, ist manchmal wichtiger als ein Durchgang im Assessment Center.

Bei welchen Themen können Sie besonders gut unterstützen?

Große Unternehmen arbeiten mit festen Strukturen. Wenn man diese nicht kennt, kann man mit der besten Idee und dem tollsten Lebenslauf schnell scheitern. Netzwerke aufbauen, die richtigen Ansprechpartner finden, kreativ sein in der Strategie, ungewöhnliche Sparring-Partner finden – das ist wichtig, dabei kann ich helfen.

Waren Sie selbst schon einmal in der Rolle der Mentee?

Nein, leider nicht. Ich hätte mir das sehr gewünscht, denn dadurch hätte ich einige Fehler vermeiden können in meiner Karriere. Vor allem haben mir die offenen, vielleicht auch kritischen Gespräche gefehlt, die man mit einem Mentor führen kann. Jemand der hilft, einen aber auch auf den Punkt zurückbringt.

HVB Gründerinnen-Mentoring 2017/18 Jetzt bewerben!

Sie sind Gründerin? Dann bewerben Sie sich bis 19. Juli 2017 für einen von insgesamt sechs Mentoring-Plätzen im HVB Gründerinnen-Mentoring 2017/18. Voraussetzungen: Sie sollten innerhalb eines Jahres gründen wollen oder innerhalb der letzten beiden Jahre gegründet haben. Entscheidend sind die Qualität des Businessplans/Konzeptes und die Gründungsidee. Interesse? Dann bewerben Sie sich hier! 

Karrierebücher gibt es tonnenweise, und bei wichtigen Entscheidungen sucht man doch eher Rat bei engen Freunden oder der Familie als bei einem Fremden. Warum kann das HVB Gründerinnen-Mentoring dennoch ein Schlüssel zum gelungenen Start als Existenzgründerin sein?

Eine Mentorin ist eine „neutrale“ Ratgeberin. Ratschläge von Freunden und der Familie sind allesamt gut gemeint, aber immer geprägt durch das Verhältnis, das man zueinander hat. Eine gute Mentorin hingegen versucht nicht, zu drängen, zu überreden, sondern mit ihrer Mentee eine klare Strategie zu erarbeiten und nur dort zu unterstützen, wo der Weg nicht alleine gegangen werden kann.

Stichwort Leadership und Female Empowerment: Welche grundsätzlichen Herausforderungen konnten Sie hier in den vergangenen Jahren beobachten?

Herausforderungen sind Chancen, und diese sind für Frauen gestiegen. Auch wenn sich dies noch nicht umfänglich in Vorstandsjobs niederschlägt: Frauen sind heutzutage stärker, besser und selbstbewusster als jemals zuvor. Allerdings wird jetzt auch erwartet, dass sie Mut haben und die Herausforderungen annehmen.

Welchen Rat können Sie Existenzgründerinnen geben, um sie insbesondere in diesen beiden Themen zu stärken? Gibt es Quick Wins, die jede Gründerin umsetzen kann?

Quick Wins vielleicht, wenn ein bisschen Glück dabei ist. Aber eigentlich ist es harte Arbeit. Gute Führung besteht aus dem Zusammenspiel von innerer Haltung und erlernten Fähigkeiten. Hierfür gibt es gute Coaches, die einem die Verantwortung und auch die Regeln von Führung beibringen. Auf diese professionelle Unterstützung sollten angehende Unternehmerinnen keineswegs verzichten.

Welche Themen werden Ihrer Ansicht nach in Zukunft noch relevanter werden?

An erster Stelle steht die Digitalisierung. Alle unsere Lebensbereiche werden sich in den kommenden Jahren rasant verändern. Hier entstehen enorme Chancen für Gründerinnen, weil sich die Märkte öffnen. Wer schnell ist und wer gut ist, wird gewinnen. Es kommt nicht mehr auf Größe und Historie an. Zweites wichtiges Thema: die Politik. Gerade junge Unternehmen übersehen bisweilen, dass die Regulatorik über Erfolg und Misserfolg einer Geschäftsidee entscheiden kann. Die Beobachtung der politischen Entwicklung in Deutschland aber vor allem auch Europa ist enorm wichtig, um die richtige Strategie eines Unternehmens festzulegen. Wo ist mein Markt? Wie wird er sich verändern? Was sind die Herausforderungen der Zukunft? Über diese Fragen entscheidet nicht nur der Kunde. Das entscheidet oft die politische Realität.

Ihre drei Tipps für Frauen, die gründen wollen!

Erstens: Hart arbeiten und niemals den Mut verlieren.

Zweitens: Netzwerke knüpfen, sich dort Hilfe suchen.

Und Drittens: Freunde nicht vergessen. Ein Erfolg den man gemeinsam feiern kann, ist der schönste. Und wenn es mal nicht so läuft, tut Freundschaft einfach gut.

Zur Person

Nicola BrüningNicola Brüning leitet seit 2008 die Repräsentanz Deutschland der BMW Group in Berlin und ist zugleich politische Sprecherin des Automobilherstellers. Nicola Brüning war vor ihrem Wechsel in die Wirtschaft 15 Jahre lang politische Korrespondentin des Nachrichtemagazins „Focus“ in Bonn und Berlin und davor freie TV-Journalistin für MDR und SWR. Als ausgebildete Journalistin ist sie u.a. Mentorin an der Quadriga Hochschule Berlin.

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