Pathologischer Befund
29.11.2016

Pathologischer Befund

Krebsdiagnose: Start-up revolutioniert Probenhandling für Pathologie

„Nahezu jede Krebsdiagnose in Deutschland stellt der Pathologe“, sagt Maria Driesel, Gründerin des MedTech-Start-ups inveox. Im Rahmen von Voruntersuchungen oder bei Verdacht auf eine Krebserkrankung entnehmen Ärzte dem Patienten winzige Gewebeproben und schicken diese an ein entsprechendes Labor. Dieser Prozess wird bisher manuell durchgeführt und ist somit nicht nur zeitintensiv, sondern auch fehleranfällig. Die 27-Jährige hat deshalb eine Technologie entwickelt, die das Handling von Gewebeproben für pathologische Befunde automatisiert. „Das entlastet die Mitarbeiter und hilft, Fehler zu vermeiden“, sagt die Jungunternehmerin, die in diesem Jahr eine von sechs Gewinnerinnen des HVB Gründerinnen Mentorings ist.

Die Diagnose Krebs ist für Betroffene und ihr persönliches Umfeld oft ein Schock. Umso wichtiger ist es, dass die gestellte Diagnose hundertprozentig stimmt. Doch noch immer kommt es zu gravierenden Fehlern, beispielsweise durch falsches Beschriften oder Vertauschen von Gewebeproben zweier Patienten – und genau hier setzt die Business-Idee der Wirtschaftsingenieurin an: „Wir haben eine Maschine und einen smarten Container für den Transport und das Handling von Gewebeproben entwickelt. Dadurch lässt sich zum ersten Mal überhaupt dieser Prozess in der Pathologie automatisieren.“

Ein Quantensprung in der pathologischen Krebsdiagnose

Die Vision von inveox ist es, die Prozesse zur Vorbereitung und zum Handling von menschlichen Gewebeproben zu revolutionieren, um den Befund für die Patienten zuverlässiger und schneller und für die Pathologie wirtschaftlicher zu gestalten. Durch das Design des Containers müssen Proben nicht mehr, wie bisher üblich, von einem Behälter in einen anderen umgeladen werden, sondern können im Ursprungsbehälter bleiben, wo sie anschließend direkt von der Maschine bearbeitet werden. Maria Driesel und ihr Team wollen damit den Workflow in der Krebsdiagnose umkrempeln: „Wir wollen die Prozesse in der Pathologie evolutionieren und damit die Infrastruktur für das Internet-of-Things in medizinischen Laboren schaffen.“ So kann die smarte Inveox-Maschine der Probe wichtige Daten entnehmen, die dem Pathologen als zusätzliche Information für die Diagnosestellung zur Verfügung stehen.

Von der Wirtschaftsingenieurin zur Medizintechnikerin

Ursprünglich hat Maria Driesel Wirtschaftsingenieurwesen an der Technischen Universität in München studiert, jetzt ist sie in der Medizinbranche tätig. Wie passt das zusammen? „Sehr gut“, sagt sie. „Ich war schon immer an industrieübergreifenden Projekten interessiert, um voneinander zu lernen, etwas Neues zu schaffen und damit einen Impact zu generieren. Ich finde es extrem gewinnbringend, Ideen verschiedener Fachrichtungen miteinander zu verknüpfen und High Tech-Themen auf den Markt zu bringen, um damit bestehende Probleme zu lösen.“ Ihr Interesse an Start-ups entdeckte die gebürtige Thüringerin als Stipendiatin des „Manage & More-Programms“. Rückblickend erscheint deshalb nicht nur die Gründung von inveox absolut logisch, sondern auch die Tätigkeitsfelder, in denen sich das Start-up bewegt: „Bei inveox arbeiten wir eng verzahnt an Themen aus der Medizin, Biotechnologie, der Ingenieurswissenschaft, IT und BWL. Damit bringen wir ein tolles Produkt zu unseren Kunden, das ohne diese Verknüpfung nicht entstanden wäre.“

Von der Idee zur GmbH

Maria Driesels Interesse an einer schnelleren und zuverlässigeren Diagnose von Krebs wurde bei ihr einerseits durch den intensiven Austausch mit einem Pathologen geweckt, andererseits aber auch durch ihren Co-Founder Dominik Sievert: „Er hat das Warten auf einen Befund und die Folgen einer Krebsdiagnose im eigenen familiären Umfeld hautnah miterlebt. Durch die Auseinandersetzung mit dem Thema haben wir nicht nur das medizinische sondern auch das wirtschaftliche Potential unserer Idee erkannt.“ Mittlerweile arbeiten die beiden Gründer seit über einem Jahr intensiv an ihrem Produkt und der Unternehmensgründung, mit Erfolg: „Noch dieses Jahr werden wir die GmbH  gründen und unsere erste Finanzierungsrunde durchführen.“ Im Anschluss wollen sich die beiden intensiv der Produktentwicklung und dem Vertrieb widmen. „Unser Ziel ist es, unsere Produkte bis Juni 2017 zur Marktreife zu bringen, um sie auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pathologie in Erlangen zu präsentieren und sie noch im gleichen Jahr in ersten Laboren zu etablieren.“

Von Gründerin zu Mentorin

Bei all den anstehenden Meilensteinen ist der persönliche Austausch mit anderen Gründerinnen wegen des Zeitdrucks eher die Ausnahme. Doch wenn Maria Driesel mal Zeit dafür findet, dann bildet das Mentoring-Programm der HypoVereinsbank den perfekten Rahmen. „Unabhängig von der Branche kann ich mich mit den anderen Mentees zu Höhen und Tiefen des Gründens austauschen und so für meine eigene Gründung dazu lernen.“ Unterstützung erhalten die Mentees dabei nicht nur durch ein tolles Netzwerk und einzigartige Workshops, sondern auch durch ihre jeweilige Mentorin aus dem HVB Frauenbeirat. Im Fall der inveox-Gründerin ist das die Mode-Macherin Andrea Karg, mit der sich Maria Driesel regelmäßig trifft und austauscht: „Mit ihrer Erfahrung unterstützt sie uns  und stellt die richtigen Fragen, um bei uns neue Ideen anzuregen.“

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  1. Lisa Severin
    1. Dezember 2016, 17:30

    Lieber Herr Kaul,
    im Zuge der zunehmenden Digitalisierung werden in allen Branchen Prozesse digitalisiert und zu einem gewissen Teil auch automatisiert. Der Gedanke an die Reduzierung von Arbeitsplätzen wird bei der Gründung von inveox kaum eine Rolle gespielt haben, begründet sich die Idee von Maria Driesel und ihrem Partner doch auf persönlichen Erfahrungen mit der pathologischen Krebsdiagnostik – einem Prozess, der bis heute manuell durchgeführt wird und somit zeitintensiv und fehleranfällig ist. Nur eine Zahl, dies das verdeutlicht: Allein in den USA gibt es jedes Jahr eine Million fehlerhafte Diagnosen resultierend aus vertauschten Gewebeproben. Was das für die Patienten bedeutet, die durch die Verwechselung einen Gesundheitsschaden erlitten haben, können Sie sich denken. Einzig aus dieser Feststellung resultierte bei den Gründern die Idee, diesen Vorgang schneller und zuverlässiger zu gestalten und auf diese Art und Weise (menschliche) Fehler zu vermeiden und wertvolle Zeit zu gewinnen, die für die Behandlung der Patienten überlebenswichtig ist – eine tolle Sache, wie wir finden!
    Viele Grüße,
    Lisa Severin

  2. Dietmar Kaul
    30. November 2016, 16:37

    Ihre im Artikel aufgeführte Überschrift „Ein Quantensprung in der pathologischen Krebsdiagnose“ lässt hoffen. Sie schreiben, dass man die „Prozesse zur Vorbereitung und zum Handling“ revolutioniere. Die Einführung einer Maschine in die Prozesskette zwischen dem „Beschriften und der Untersuchung der Gewebeprobe“ soll ein Quantensprung sein? Man könnte auch herauslesen, daß Prozessabläufe einfach noch nicht besser organisiert wurden? Jede Automatisierung ist (leidergleich zu setzen mit einem Verlust von Arbeitstätigkeiten und in der Spitze gar von ganzen Arbeitsplätzen. Leider habe ich auch bei der Darstellung ihres Automatisierungsprozesses eher den Eindruck das es sich vielmehr um das Umgehen der Zahlung von Löhnen und Sozialleistungen handelt als um die Einführung einer innovative Lösung. Vermittelt wird dies dann unter dem Etikett „Quantensprung“. Vielleicht liege ich damit falsch, aber da Sie außer dem Begriff „Handling“ keine eindeutigere Beschreibung finden bleibt erheblich Spielraum zum Interpretieren.

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