Peter-Lindbergh-Ausstellung
01.06.2017
Interview

Peter Lindbergh Ausstellung

Peter Lindbergh: Macher der Supermodels

Cindy Crawford, Naomi Campbell und Linda Evangelista: Die Topmodels der 90er Jahre und viele weitere Superstars standen vor der Linse des Fotografen Peter Lindbergh. Mit zeitlosen Schwarz-Weiß-Aufnahme inszenierte er Modefotografie auf seine ganz eigene Art und Weise. Noch bis zum 27. August sind Aufnahmen und „Behind the Scenes“-Material aus vier Jahrzehnten in der Kunsthalle München zu sehen. Wir haben mit Thierry-Maxime Loriot, dem Kurator der Ausstellung, über die Werke und die Zusammenarbeit mit Lindbergh gesprochen.

Herr Loriot, nach dem großen Erfolg Ihrer der Jean-Paul Gaultier-Ausstellung „From the Sidewalk to the Catwalk“ ist nun eine Ausstellung mit den Fotografien von Peter Lindbergh entstanden. Was hat Sie an seinen Werken inspiriert?

Peter Lindbergh hat einen ganz einzigartigen Zugang zur Fotografie, einen sehr menschlichen Ansatz, den nicht viele Fotografen haben. Er schätzt die Persönlichkeit vor seiner Kamera mehr als ihren Status. Tatsächlich sind seine Bilder vielleicht sogar normal, trockenes Material, aber genau dieser Ansatz ist notwendig. In der heutigen Zeit von Jugend und Perfektion, von übermäßiger Retouche und der Angst, alt oder falsch auszusehen, ist es sehr erfrischend jemanden zu sehen, der an natürliche Schönheit glaubt – sowohl für die Modeindustrie als auch für unser gesellschaftlich angepasstes Auge.

Für die Konzeption hatten Sie exklusiven Einblick in Peter Lindberghs Archiv. Welche Entdeckung hat Sie dabei am meisten fasziniert?

Das waren unbeschreiblich viele Dinge! Er hat ein unglaubliches Archiv: Für jeden Auftrag hat er eine eigene Box mit Kontaktformularen, Polaroids, Call Sheets und den finalen Bildern, aber auch persönliche Notizen. Es war faszinierend, Zugang zu ungefähr 40 Jahren seiner Arbeit zu haben. Seine Arbeitsweise gleicht der eines Regisseurs, er arbeitet mit Storyboards und Screenplays. Und tatsächlich war diese Ordnung, diese Organisation, das, was mich am meisten fasziniert hat – ich denke, das haben nicht viele!

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Sie haben 250 Fotografien, aber auch Filme und Skizzen für die Ausstellung ausgewählt. Welches Konzept steckt dahinter?

Ich wollte eine Ausstellung kreieren, die sich lebendig anfühlt. Es gibt so viele Fotografie-Ausstellungen, in denen einfach nur gerahmte Bilder an die Wand gehängt werden. Es ist langweilig, aber leider noch immer die Regel. Ich wollte einfach mehr Menschlichkeit einbringen und den Prozess hinter den Bildern zeigen. Viele Menschen, besonders junge Leute, haben keine Idee davon, was hinter diesen Bildern steckt. Sie sehen Fotos als Teil ihres Smartphones. Ich möchte auch die starke Vision zeigen, die dahinter steckt, und gleichzeitig einen Blick hinter die Kulissen der Modeindustrie zeigen.

Die Fotografien von Peter Lindbergh zeigen meist Models, schöne Menschen. Was macht seine Portraits so speziell?

Man sieht die Tiefe in seinen Bildern, wie er die Persönlichkeit seiner Motive aufnimmt. Es spielt keine Rolle, ob man ein Oscar-Gewinner ist oder ein Normalo, in seinen Bildern zeigt sich etwas, das andere Fotografen nicht in den Fokus nehmen. Es ist so einfach glamouröse Bilder zu machen, viel Make-up, schöne Designer-Roben und aufwendige Frisuren einzusetzen, aber Lindbergh geht an die Basis. Er benötigt kaum Make-up, keine spektakuläre Garderobe, wählt dafür aber unglaubliche Sets.

Ist es etwas Besonderes für Sie nach der Gaultier-Ausstellung “From the Sidewalk to the Catwalk” wieder in München und in der Kunsthalle zu sein?

Oh, natürlich! Jeder ist so freundlich hier – ich tippe darauf, dass es an meinem Nachnamen “Loriot” liegt, den mögen so viele Menschen. Die Kunsthalle ist ein toller Ort um auszustellen, das Team ist nicht nur sehr professionell, sondern auch für jeden Spaß zu haben. Daher bin ich gern wieder hier!

Es gibt so viele Highlights in der Ausstellung, was ist Ihr persönlicher Favorit?

Wahrscheinlich sind es die Notizen und die Polaroids von David Bowie, als Lindbergh das Filmplakat für „Begierde“ fotografiert hat. Es ist ein Kultfilm und ich liebe David Bowie. Ich hatte keine Ahnung, dass Lindbergh dieses Bild gemacht hat, es ist wie ein kleiner Schatz, den ich während meiner Arbeit an der Ausstellung entdeckt habe. Und außerdem die Kontaktformulare zum Martha-Graham-Tribut-Fotoshooting mit Madonna. Alle Fotos sind wundervoll, aber bisher hat sie kaum jemand gesehen.

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