22.03.2013

Prognose

Oliver Postler: “USA sind Impulsgeber für Weltwirtschaft 2013″

“Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.” Ob dieses Bonmot von Karl Valentin, Winston Churchill oder Mark Twain stammt, ist unklar. Fakt ist: Die Kunst der Wirtschaftsprognosen hat etwas gelitten in den vergangenen Jahren. Zeit, das zu ändern.

Oliver Postler, Chief Investment Officer Private Banking der HypoVereinsbank, prognostiziert für 2013 ein moderates Wachstum der Weltwirtschaft. Warum seine Vorhersagen eintreten könnten, erläutert mir Oliver Postler im Interview.

Herr Postler, auf dem HVB ExpertenTalk im Januar prognostizierten Sie für 2013 ein “moderates, aber vernünftiges” Wirtschaftswachstum. Was bedeutet das?

Das bedeutet, dass wir unter Berücksichtigung der derzeitigen wirtschaftlichen Lage für 2013 mit etwa drei Prozent globalem Wachstum rechnen können. Dazu tragen China, die übrigen Schwellenländer sowie die Industrienationen zu je etwa einem Drittel bei. Da  wir erwarten, dass Europas Wirtschaftswachstum in diesem Jahr stagnieren wird, wird der größte Impuls wahrscheinlich aus den USA kommen.

Stichwort deutsche Wirtschaft 2013: Wie fällt Ihre Prognose aus?

Wir sehen den leichten Rückgang im Bruttoinlandsprodukt im letzten Quartal 2012 lediglich als vorübergehende Schwäche. Ein robuster Binnenkonsum und die starken Exporte, insbesondere in Richtung USA und Schwellenländer, könnten Deutschland, wenn man die aktuelle wirtschaftliche Lage berücksichtigt, in diesem Jahr zu einem vergleichbaren Wachstum wie 2012 verhelfen.

Was kann die Politik tun, damit es weiter aufwärts geht – ohne dabei Schulden zu machen?

Vorweg muss man sagen, dass die Neuverschuldung bereits 2012 gering ausgefallen ist. Deshalb gehen wir davon aus, dass sich diese positive Entwicklung auch in diesem Jahr fortsetzen wird. Das aktuell sehr niedrige Zinsniveau und die vergleichsweise robuste Konjunktur mit hohen Steuereinnahmen helfen dabei.

Wachstumsfördernde Maßnahmen könnten beispielsweise Reformen in den Bereichen Bildung, Steuern und Beschäftigung sein. Mit Blick auf die demografischen Entwicklung muss es ein Ziel sein, Frauen stärker in den Arbeitsmarkt zu integrieren. In Frankreich beispielsweise ist der Anteil von Frauen in der Beschäftigung deutlich höher, auch weil die Erwerbstätigkeit von Müttern gezielt gefördert wird. Vor den Bundestagswahlen im Herbst erscheinen hier jedoch große Veränderungen wenig realistisch.

Schauen wir nach Italien: Was bedeuten die unklaren politischen Machtverhältnisse für die drittgrößte Euro-Volkswirtschaft?

Zunächst einmal sorgt die Pattsituation in Italien für neue Unsicherheit und das ist nicht förderlich. Eine tragfähige Regierungsbildung erscheint derzeit schwierig und könnte in Neuwahlen in einigen Monaten münden. Alternativ wäre auch eine große Koalition vorstellbar, die sich aber als brüchig herausstellen könnte. Wir bekräftigen unsere Auffassung, dass politisch gesehen das einzig wirkliche Risiko in einer weitgehenden Rücknahme der bereits beschlossenen fiskalpolitischen und strukturellen Maßnahmen besteht – was wir für unwahrscheinlich halten. In jedem Fall wird einige Zeit vergehen, bis sich eines der oben dargestellten Resultat herauskristallisiert. Und dies bedeutet, dass die Unsicherheit noch einige Wochen anhalten dürfte.

Wann wird Europas Wirtschaft wieder wachsen?

Nach unserer Einschätzung nimmt das Momentum derzeit schon wieder zu. Die Frühindikatoren zeigen in der Tendenz nach oben. Von Quartal zu Quartal sollte sich die Situation in Europa stabilisieren. Auch die rezessionsgeplagten Staaten wie Spanien und Italien könnten schon in diesem Jahr wieder positive Quartale verzeichnen. Die Impulse dafür kommen insbesondere aus dem Konjunkturaufschwung in den USA und den Schwellenländern. Ein spürbares Wachstum erwarten wir aber erst in 2014, wenn die Reformen konsequent umgesetzt werden. Voraussetzung für unser konstruktives Bild ist eine Einigung in der Diskussion um die Schuldenobergrenze in den USA genauso wie eine konstruktive Entwicklung der Schuldenkrise in der Eurozone und die Fortsetzung der wirtschaftlichen Erholung in den Schwellenländern.

Über den Interview-Partner

Oliver Postler ist Chief Investment Officer Private Banking der HypoVereinsbank. In dieser Funktion verantwortet er die Bereiche Anlagestrategie, Investmentkommunikation und Vermögensverwaltung.

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