Reiseland Deutschland
20.06.2015
Tipp

Reiseland Deutschland

Urlaub daheim: Wo Deutschland am schönsten ist

Von Nordsee bis Bodensee: Urlaub im eigenen Land war noch nie so angesagt. Die Bundesbürger schwärmen wieder für ihre Küsten, Gebirge und Landschaften. Wir auch. Deshalb verraten sechs Blog-Redakteure ihre persönlichen Lieblingsorte für eine Auszeit im Reiseland Deutschland.

Kann es sein, dass der Dschungel Panamas etwas überschätzt wird? Grandiose Flora und Fauna dort, zugegeben. Aber ohne Schutz-Impfungen leider nicht zu erleben. Oder der heilige Ganges im Norden Indiens. Gewiss kann man dort in die spirituelle Selbstfindung abtauchen. Doch was ist das alles gegen Weisheiten wie „Bai Hunger un Duaschd, e Biir un e Wuaschd“? Solche literarischen Perlen finden sich in urigen Berghütten in der Rhön, ganze 30 Kilometer östlich von Fulda.

1. Runterkommen in der Rhön

Wenn wir auf unserer 800 Meter hoch gelegenen Hütte ankommen, rinnt uns der Schweiß den Rücken hinab. Doch jedes Mal können wir es kaum erwarten, sie zu betreten. Warum? Je hektischer unser Berufsalltag geworden ist, desto mehr haben wir die Abgeschiedenheit auf der Hütte schätzen gelernt. Willkommen in der Rhön, dieser rauen Gegend zwischen Bayern, Hessen und Thüringen. Bis 1989 geteilt von der innerdeutschen Grenze, ist sie seit 1991 UNESCO Biosphärenreservat.

Einmal im Jahr fahre ich mit drei Freunden aus Uni-Zeiten auf die Hütte. Für ein langes Wochenende im Spätsommer, ohne Freundin, Strom und WLAN. Dafür mit knarzenden Holzdielen und einer Tonne voll kaltem Regenwasser. Alles andere tragen wir hoch, in großen Rucksäcken den schmalen Weg hinauf, wo rechts das Tal sanft abfällt. Durchs Fenster in der Küche sind die runden Gipfel von Wasserkuppe und Pferdskopf als Schattenrisse zu sehen. Von dort oben hat man einen überwältigenden Blick auf das weite Hügelland mit seinen Feldern und Weiden, nur unterbrochen von den Kirchtürmen kleiner Dörfer. 1958 wurde die Hütte am oberen Ende einer Streuobstwiese gebaut: dicke Holzbalken, windschiefe Fensterläden, zwei spartanische Zimmer. Oben der Schlafboden, unten der Küchenraum mit Kachelofen und Sitzecke. Unsere Auszeit dauert nur ein Wochenende, hält aber länger vor. Und wenn uns jemand fragt, erzählen wir gerne von unserer Erfahrung oben zu stehen, um wieder runterzukommen.

Infos: www.rhoen.de

Carsten Schmidt

2. Auf Fehmarn der Sonne entgegen

Rund 2.200 Stunden lang verwöhnt die Sonne jedes Jahr die Fehmaraner, die Einwohner der drittgrößten Insel Deutschlands. Schade also für meinen Vitamin D-Haushalt, dass ich mittlerweile nicht mehr auf meiner Heimatinsel lebe. Für einen Besuch komme ich allerdings immer wieder gern nach Fehmarn – und empfehle dies jedem, der bei frischer Seeluft so richtig durchatmen möchte. Die spürt man besonders gut, wenn man die Insel auf dem Fahrrad erkundet. Festländer seien gewarnt – das 300 Kilometer lange Radwegenetz ist zwar weitestgehend flach, es weht aber meist eine steife Brise oder wie der Norddeutsche sagt: „een büschen Wünd“. Wer sich davon nicht entmutigen lässt, kann mit dem Drahtesel viele reizvolle Gebiete erkunden: Fährt man von Wulfens Steilküste in Richtung Fehmarnsund, blickt man direkt auf das Wahrzeichen der Insel, die Fehmarnsundbrücke.

Mögen Sie es eher gemütlich, dann besuchen Sie eines der zahlreichen Hofcafés in den Dörfern der Insel und stärken Sie sich mit hausgebackenen Torten oder der Fehmaraner Spezialität „Kröpel“, einem Fettgebäck aus Hefe. Wer ein Mitbringsel sucht, der findet hier auch den unwiderstehlich leckeren für die Insel bekannten Rapshonig. Apropos: Besonders lecker ist auch das Softeis von Radden’s Eis, einem kleinen Fensterverkauf zwischen der „Inselhauptstadt“ Burg und Burgstaaken – zu erkennen an der langen Schlange, die häufig weit um die nächste Straßenecke reicht. Mein Tipp: Wer in den Abendstunden vorbeikommt, wartet nicht mehr ganz so lang – und somit bildet der Besuch bei Radden’s den perfekten Abschluss für eine Fahrradtour und einen wunderschönen Tag auf Fehmarn.

Infos: www.fehmarn.de

Lisa Severin

3. Rosenschnuppern auf der Insel Mainau

Palmen, Rosen, Tulpen, Dahlien – und ein Hauch Südsee-Flair: Die Insel Mainau ist die wohl farbenprächtigste Attraktion am Bodensee und für mich als Naturfan ein absolutes Juwel. Rund 1,6 Millionen Besucher zieht es jedes Jahr auf die Blumeninsel, die mit einer überwältigenden Pflanzenvielfalt und vielen Ausflugsmöglichkeiten für die ganze Familie besticht. Besonders in den Sommermonaten entfalten die liebevoll angelegten Blumengärten und Parkanlagen ihre volle Pracht und laden zum Staunen ein.

Ein Highlight ist die Straße der Wild- und Strauchrosen, wo über 400 Rosensorten, darunter auch viele historische und wilde Gattungen, im Juni in der Hochblüte stehen. Im Mainau-Kinderland kommen auch die kleinen Besucher auf ihre Kosten: Dort können sie auf einem Wasserspielplatz toben und einen Bauernhof mit Streichelzoo entdecken. Den architektonischen Mittelpunkt der Insel bildet die majestätische Kulisse des Deutschordensschlosses. Dort lädt das Schlosscafé zu Kaffee und Kuchen ein. Zudem können Gäste im Schloss noch bis zum 23. August die Kunstaustellung „Sommerseefarben im Herzen Europas“ oder die vom Europäischen KulturForum Mainau e.V. veranstalteten Open-Air-Konzerte oder- Filmnächte besuchen.

Infos: www.mainau.de

Ramona Brünkers

4. Mit dem Rad durchs Münsterland

Für viele ein Trend, für mich ein Lebensgefühl: Radfahren. Kein Wunder also, dass es mich in den Ferien ins Münsterland zieht. Mit seinen idyllischen Radwegen an Wiesen und Feldern vorbei, an Flüssen entlang und durch Wälder hindurch ist die Region ein wahres Radfahrparadies. Noch einmal Luft aufpumpen, etwas Proviant in den Fahrradkorb und schon kann’s losgehen. Egal, ob auf einer der 200 Rundrouten oder querfeldein, sobald ich in der flachen Landschaft in die Pedale trete und den warmen Sommerwind im Gesicht spüre, fühle ich mich im Urlaub angekommen.

Während sich über einem der weite Himmel spannt, gibt es rechts und links der kleinen Pättkes, den Radwegen quer durch die Natur, vieles zu entdecken: große Vogelscharen in geschützten Brutgebieten, sich einsam im Wind drehende Windmühlen oder Schlösser, die an längst vergangene Epochen erinnern. Wer irgendwann schwere Beine im Sattel bekommt, der kann im Hofcafé alter Bauernhöfe eine Pause einlegen, auf einer Wiese seine Picknickdecke ausbreiten oder zur Stärkung eine der umliegenden Innenstädte mit ihren alten Fachwerkhäusern ansteuern. Zum Abschluss empfehle ich noch einen Abstecher nach Münster – Deutschlands Fahrradstadt Nummer eins. Wenn Sie dort über das Kopfsteinpflaster des historischen Prinzipalmarkts rattern, sind Sie im Herzen des Münsterlandes angekommen.

Infos: www.muensterland-tourismus.de

Christoph Budde

5. Detox für Sinne auf Langeneß

Ich liebe das Leben in der Großstadt und würde nie darauf verzichten wollen. Doch an Wochenenden oder im Urlaub fahre ich gerne raus aufs Land. Und dann mag ich es einsam. Richtig einsam! Eine der besten Adressen für unberührte, menschenleere Natur sind die Halligen in der Nordsee. Die kleinen Inseln liegen nur einen Meter über dem Meeresspiegel. Acht bis zwölf Mal pro Jahr, wenn die Nordsee über die Ufer tritt, heißt es für die Halligbewohner „Land unter“. Daher bauen die Insulaner ihre Häuser seit jeher auf Warften genannten Hügeln. Wer beim ersten Stopp der Fähre die Scharen an Tagesgästen auf die wohl bekannteste Hallig Hooge ziehen lässt, wird beim nächsten Halt mit dem ursprünglichen Hallig-Feeling von Langeneß belohnt. Am besten erkundet man das zehn Kilometer lange und 100 Hektar große Eiland mit dem Fahrrad. Auf den schnurgeraden Straßen lasse ich mir den kräftigen Wind um die Ohren wehen, schmecke die salzige Luft, lausche den Vögeln und entspanne Augen wie Seele beim grenzenlosen Blick über die Salzwiesen. Einfach herrlich! Denn nur wenig lädt meine Akkus so gründlich auf wie dieses Detox der Sinne.

Infos: www.langeness.de

Sarah Nitschke

6. Panoramatour an der Saarschleife

Malerische Panoramen und Bewegung an der frischen Luft: Um der Hektik des Alltags für einige Zeit zu entfliehen, zieht es mich immer wieder in die idyllische Natur des Saarlandes. Immer mit dabei ist mein liebstes Hobby – meine Foto-Kamera. Im Herzen des Dreiländerecks, nur einen Steinwurf von Frankreich und Luxemburg entfernt, finde ich immer wieder unzählige tolle Motive – reichlich Bewegung gibt’s obendrein! Obwohl kein Geheimtipp mehr, ist die Saarschleife in Mettlach mein absolutes Highlight in der Region. Es fasziniert mich jedes Mal aufs Neue, welch filigranes Naturerlebnis die Saar über Jahrmillionen in die Landschaft gegraben hat.

Einen besonders schönen Ausblick bzw. Schnappschuss bekommt man im Scheitel der Saarschleife, auf dem 180 Meter über dem Fluss gelegenen Aussichtspunkt Cloef im Ortsteil Orscholz. Dort findet sich auch der Ausgangspunkt für eine panoramenreiche Wanderroute: der Traumschleife Cloefpfad. Der Wanderweg führt über einen Abstieg in das schluchtartige Steinbachtal auf eine Route entlang der Saar. Anschließend geht es über steile Serpentinen wieder zurück hinauf auf die Cloef. Aber nicht nur Fotofans und Wanderer können in der Region auf ihre Kosten kommen. Auf unzähligen Radrouten lässt sich das Wahrzeichen des Saarlands auch mit dem Drahtesel erkunden.

Infos: www.tourismus.saarland.de

Andrea Kantioler

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