13.10.2015

Sachwerte Geldanlage

Private Equity: Investition jenseits des Börsen-Parketts

Eine außerbörsliche Geldanlage in Sachwerte ist die Kernidee eines Private-Equity-Investments. Durch die private Kapitalunterstützung auf Zeit haben Anleger die Chance, von der Wertentwicklung eines Unternehmens zu profitieren. Denn: Durch die Bereitstellung von privaten Geldern können Firmen ihre Marktposition stärken, indem sie zum Beispiel in Innovationen investieren. Gerade in Zeiten niedriger Zinsen und volatiler Märkte kann ein Private-Equity-Fonds eine interessante Beimischung im Portfolio sein.

Die Zinsen sind historisch niedrig, die Börsen fahren Achterbahn. Die Suche nach einem geeigneten Investment scheint derzeit wie die Wahl zwischen Pest und Cholera. Die Kapitalmärkte sind von Unsicherheit geprägt, die Renditen auf Bankeinlagen gleichen einem Nullsummenspiel. Aus Mangel an greifbaren Alternativen stecken viele Anleger den Kopf in den Sand und nehmen sogar den Wertverlust ihres Vermögens in Kauf. Dabei lassen sich auch in unruhigen Zeiten durchaus Anlageklassen finden, die gute Renditechancen versprechen. Private-Equity-Engagements zum Beispiel bieten Investoren die Möglichkeit zu einer langfristig orientierten Sachwertanlage. Als private Eigenkapitalbeteiligungen leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Finanzierung und Entwicklung gerade mittelständischer Unternehmen – und das ganz unabhängig vom Börsengeschehen.

Außerbörsliche Beteiligung: Private Finanzspritze für Unternehmen

Der Begriff Private Equity bezeichnet eine außerbörsliche, also „private“ Bereitstellung von Eigenkapital (Equity) für Wirtschaftsunternehmen, die nicht in DAX & Co gelistet sind. Damit lässt sich diese Finanzierungsart auch vom Bereich der öffentlich über Börsen zugänglichen Aktien – im Englischen Public Equity” genannt – abgrenzen. „Anders als an der Börse erfolgt die Unternehmensbeteiligung nicht über einen öffentlichen Aktienkauf, sondern über die zeitlich begrenzte Einbringung von Eigenkapital in einen geschlossenen Sachwertefonds“, erklärt Gabriele Volz, Geschäftsführerin der WealthCap Kapitalanlagegesellschaft in München. „Aktien unterliegen den Schwankungen von Angebot und Nachfrage an der Börse. Bei einem Private-Equity-Investment hingegen steht nicht die tägliche Bewegung des Aktienkurses, sondern die langfristige strategische Entwicklung eines Unternehmens im Vordergrund“, so Volz. „Ein weiterer großer Unterschied besteht im Umfang der Beteiligung“, betont auch Christian Kümmerling, Private-Equity-Fondsmanager bei WealthCap. „Ein klassisches Aktien- oder Aktienfondsinvestment umfasst meist nur wenige Prozent der Unternehmensanteile. Ein Private-Equity-Fonds hingegen erwirbt die Kontrollmehrheit und hat als Mehrheitseigner weitreichende unternehmerische Entscheidungsgewalt“, so Kümmerling.

Historische Wurzeln: Finanzierung einer leistungsfähigen Volkswirtschaft

Trotz neudeutscher Begrifflichkeit ist Private Equity keine Erfindung unserer Zeit. Schon die Amerikafahrt von Christoph Columbus verdankte ihren Erfolg privaten Geldgebern. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde vor allem in den Vereinigten Staaten der Grundstein für ein modernes Verständnis der Eigenkapitalbeteiligung als Anlageklasse gelegt. Damals finanzierten reiche Bürger und private Bankhäuser viele Unternehmensgründungen und Innovationen der Industrialisierung – auch namhafte europäische Konzerne wie Philips, AEG oder Mannesmann entstammen dieser Ära. Heute ist Private Equity ein wichtiger Bestandteil einer leistungsfähigen Volkswirtschaft geworden, weltbekannte Marken wie Maredo, Hugo Boss, Jack Wolfskin oder Tom Tailor liefern prominente Beispiele. Nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BKV) war allein im vergangenen Jahr ein verwaltetes Beteiligungskapital von über 40 Milliarden Euro in 1.335 deutsche Unternehmen investiert. Knapp eine Million Beschäftigte in Deutschland erwirtschafteten 2014 über diese Finanzierungsart Umsätze von rund 178,2 Milliarden Euro. „Für Unternehmen, die ihr Kapital nicht an den Börsen beschaffen können oder wollen, ist Private Equity eine wichtige Finanzierungsquelle“, weiß Kümmerling. Und nicht nur das: „Durch eine aktive Begleitung ihres Managements bekommen sie außerdem professionelle Unterstützung, um strategische Weichenstellungen einzuleiten und ungenutzte Potenziale auszuschöpfen.“

Mittelständler vs. Start-ups: Möglichkeiten zur Beteiligung

Grundsätzlich lassen sich zwei Zielmärkte für Private-Equity-Beteiligungen unterscheiden: etablierte Unternehmen und Start-ups. „Klassischerweise investieren Private-Equity-Fonds in Mittelständler fortgeschrittener Lebenszyklusstadien, die sich in einer soliden Markposition befinden. Das eingebrachte Kapital nutzen diese Unternehmen dann zum Beispiel zur Finanzierung größerer Innovationen, um ihre Marktchancen und Wettbewerbsfähigkeit zu stärken“, erläutert Volz. Das zweite große Segment fokussiert junge Internet-Firmen, die im Zuge der Digitalisierung an Bedeutung gewinnen. Ihr Problem: In der Anfangsphase stecken sie häufig in einer finanziellen Klemme. Trotz hohem Wachstums- und Internationalisierungspotenzial erhalten sie aufgrund fehlender Sicherheiten nämlich häufig keinen Bankkredit. „Über sogenanntes Venture Capital, also Wagniskapital privater Investoren, bekommen Start-ups dann die Chance, ihre Gründerphase auch ohne klassische Kreditlinie erfolgreich zu bewältigen“, weiß Volz. Allerdings: „Venture-Capital-Beteiligungen sind sehr riskant. Das Risiko-Rendite-Profil solcher Investments liegt noch einmal deutlich höher als bei klassischen Private-Equity-Engagements.“

Zielfonds: Bündelung von Investorengeldern

Die privaten Eigenkapitalbeteiligungen werden in der Regel über sogenannte Zielfonds realisiert. Nach der Auflage beginnen die Zielfondsmanager zunächst damit, Anlagegelder überwiegend institutioneller Investoren, vor allem Versicherungen, Pensionskassen, Vermögensverwalter oder Stiftungen, einzusammeln. Nach dieser „Fundraising“ genannten Platzierungsphase wird der Fonds geschlossen, das heißt, es werden keine weiteren Investoren mehr aufgenommen. „Über einen Zeitraum von meist mehreren Jahren werden dann sukzessive verschiedene Unternehmen über das Fondskapital erworben“, so Kümmerling. „Die Wertentwicklung eines Private-Equity-Fonds erfolgt vorwiegend durch das organische Wachstum der Zielunternehmen. Die vergleichsweise lange Investitionsphase bietet dem Zielfondsmanager die notwendige Flexibilität zur Potenzialanalyse (Due Diligence) und hilft, den Erwerb auf Marktphasen abzustimmen.“ Dem Kauf folgt die Entwicklungsphase, in der die strategische Ausrichtung des Unternehmens überprüft und neu positioniert wird. Ein Business-Plan schreibt die Neuausrichtung fest und befindet über mögliche Zukäufe oder Fusionen. Aus dem strategischen Investitions- und Entwicklungsprozess ergeben sich allerdings auch Nachteile für den Anleger, im Fachjargon „Blind Pool“ genannt: Er hat keinen Einfluss auf die Entscheidungen des Zielfondsmanagers und kennt zum Zeitpunkt seiner Investition die Zielunternehmen nicht.

Unternehmerische Beteiligung: Renditen vs. Risiken

Neben institutionellen Investoren können seit einigen Jahren auch Privatanleger in Private-Equity-Fonds investieren. Prinzipiell eignen sie sich als langfristige Kapitalanlage, die Laufzeiten betragen in der Regel sieben bis zehn Jahre. Die Beteiligung an einem Zielfonds setzt meistens eine Mindestsumme von 10.000 bis 20.000 Euro voraus. Als unternehmerische Beteiligung birgt ein solches Investment neben guten Renditechancen allerdings auch ganz erhebliche Risiken. „Vor einem Engagement sollten sich Anleger nicht nur über ihre finanziellen Kapazitäten, sondern auch über ihr Risikoprofil im Klaren sein“, mahnt Volz. „Sind die Beteiligungs-Unternehmen profitabler als zum Zeitpunkt des Einstiegs, partizipieren die Kapitalgeber am Erfolg. Gelingt eine positive Weichenstellung hingegen nicht oder geht ein Unternehmen insolvent, trägt der Investor dafür das volle unternehmerische Risiko – bis hin zum Totalverlust.“ Zudem seien die eingebrachten Gelder an feste Laufzeiten gebunden, sodass ein vorzeitiger Verkauf der Fondsanteile oftmals gar nicht oder nur mit erheblichen Verlusten möglich sei. „Wie für die Investitionsphase hat der Zielfondsmanager meist auch im Hinblick auf den Verkauf (Exit) eine gewisse zeitliche Flexibilität von zwei bis drei Jahren, um ungünstige Marktphasen zu überbrücken“, ergänzt Kümmerling. „Für den Anleger kann das bedeuten, dass sein Geld länger als erwartet gebunden bleibt und der prognostizierte Preis trotz Verlängerung nicht erzielt werden kann.“ Wie bei jedem Fondsinvestment kommt auch eine menschliche Risiko-Komponente hinzu: „Der Erfolg oder Misserfolg hängt auch maßgeblich von den Kompetenzen des Zielfondsmanagers ab“, weiß Volz und betont: „Aufgrund der vielfältigen Risiken sollten Anleger ein Private-Equity-Engagement nur als angemessene Beimischung im Gesamtvermögen tätigen und vor dem Investment ein ausführliches Beratungsgespräch in Anspruch nehmen.“

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