26.06.2013

Schallplatte

Schwarze Rille mit knisternder Rendite

Immer mehr Menschen hören Musik wieder auf Vinyl – die Schallplatte erlebt ein Revival. Gut erhaltene Exemplare verzeichnen hohe Wertsteigerungen. Und mit ein bisschen Glück kann sich eine alte Plattensammlung als wahrer Schatz erweisen.

Sie ist rund, flach, 46 Jahre alt und handsigniert. Keine Geringeren als George Harrison, John Lennon, Paul McCartney und Ringo Starr persönlich haben auf ihrem Cover unterschrieben. Die Rede ist – nach Angaben des Lifestylemagazins Hollywood Reporter – von der teuersten je verkauften Schallplatte der Beatles. Es handelt sich um ein Exemplar des Albums “Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band” aus dem Jahr 1967, welches jüngst für umgerechnet 226.280 Euro bei einer Auktion in den USA den Besitzer wechselte. Einen so hohen Preis erzielen zwar nur die wenigsten Scheiben, aber in gutem Zustand können alte Platten von populären Künstlern schon einige hundert oder tausend Euro wert sein.

251.000 Euro geschätzter Verkaufswert

Die Schallplatte ist wieder im Kommen und es hat sich mittlerweile ein richtiger Markt für Vinylplatten entwickelt: In ganz Deutschland gibt es Plattenbörsen und Flohmärkte, auf denen Sammler und Liebhaber nach besonderen Schmuckstücken suchen oder ihre Platten weiterverkaufen können. Doch was ist an ihnen so besonders? Auf diese Frage hat wohl jeder Liebhaber seine ganz individuelle Antwort. Aber dass von der schwarzen Scheibe aus Vinyl bis heute eine Faszination ausgeht, wird kein Plattenfan bestreiten. So ist es auch kein Wunder, dass ein unverkäufliches Exemplar der Band The Quarrymen von 1958, einer Vor-Formation der Beatles, Vinyl-Liebhaber begeistert. Ihr geschätzter Verkaufswert übertrifft mit 251.000 Euro sogar den Wert der in den USA versteigerten Beatles-Rarität. Da sich die Platte jedoch in Paul McCartneys Privatbesitz befindet und unverkäuflich ist, bleibt ihr Preis ein reiner Schätzwert. Das vor der Beatles-Ära entstandene Werk steht aber auf Platz eins der Liste der seltensten Schallplatten der Welt, dem sogenannten “Rare Record Price Index”.

Gefragte Erstpressung: “Die Mensch-Maschine”

Der Index wird von dem britischen Record Collector Magazine alle zwei Jahre veröffentlicht. In den Top Ten sind, bis auf zwei Ausnahmen, auch die restlichen Plätze von den Beatles belegt. Nur die Sex Pistols und Queen schafften es neben den Pilzköpfen unter die seltensten zehn. Auch deutsche Schallplatten aus den 1960er- und 1970er-Jahren sind unter Sammlern gefragt. So sind beispielsweise Exemplare der deutschen Band Kraftwerk mittlerweile einiges wert. Die erste Pressung des Albums Die Mensch-Maschine” aus dem Jahr 1978 wechselte 2009 zu einem Preis von 584 Euro den Besitzer. Und das sogar trotz einer kleinen Beschädigung des Covers.

Seltenheit und Zustand zählen

Es gibt nämlich zwei Hauptaspekte, die den Wert einer gebrauchten Schallplatte ausmachen, ihre Seltenheit und ihr Zustand. Gerade professionelle Schallplattenhändler achten auf einen gute bis sehr gute Qualität der Platte und des dazugehörigen Covers. “Um den Wert einer Schallplatte zu ermitteln, rate ich zu einer intensiven Recherche im Internet oder zum direkten Kontakt mit Fachverkäufern im Plattenladen”, empfiehlt Musikexperte Jörg Hottas von Aktiv Musik Marketing (amm) in Hamburg. Auf popsike.com etwa können Sie den Namen der Platte im Suchfeld eingeben – der Filter liefert anschließend verschiedene Ausführungen mit Preisen sowie Grafiken zur Distribution. Eine weitere Möglichkeit ist, sich bei Experten im Plattenladen vor Ort schlauzumachen. Auf der Website des Magazins Plattenladenwoche erhalten Sie Kontaktinformationen.

Also: Bevor Ihre alte Plattensammlung also ungehört in einer dunklen Ecke verstaubt, lohnt es sich, den Wert einzelner Platten zu überprüfen. Falls dort kein kleiner Schatz dabei sein sollte, gibt es immer noch den Flohmarkt. Und wer weiß – vielleicht finden Sie schon nächsten Sonntag beim Trödel auf dem Marktplatz eine begehrte Vinylrarität?

Lesen Sie weitere interessante Beiträge zu Märkten und Trends im onemarkets Magazin.

Zum Gastautor

Richard Pfadenhauer ist Chefredakteur des onemarkets Magazins im Bereich Corporate & Investment Banking der HVB. Darüber hinaus ist er Autor des onemarkets Wochenkommentars, eines wöchentlichen Rück- und Ausblicks auf die Märkte. Als ausgewiesener DVFA-Aktienanalyst beschäftigt sich Pfadenhauer seit vielen Jahren mit den Finanzmärkten. Er gilt als ausgesprochener Derivate-Experte.

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