Fondsmanager

23.06.2014

Schatzsucher aus Leidenschaft

Stratege, Querdenker und Netzwerker zugleich: Der Job eines Fondsmanagers erfordert neben fachlicher Expertise und beständiger Präsenz auch allerhand psychologisches Geschick und zwischenmenschliche Kompetenz.

“Eigentlich”, sagt Karl Huber, “habe ich einen Job wie jeder andere auch.” Mit dem Unterschied, dass er in seinem Berufsalltag als Fondsmanager die Entwicklungen von morgen schon heute für sich erwartbar machen muss. “Der Kern meiner Arbeit ist ein permanenter Analyse- und Entscheidungsprozess. Das bedeutet, dass ich ständig präsent sein und meine Ideen kritisch hinterfragen muss. Das ist einerseits zwar sehr anstrengend, macht andererseits aber auch ziemlich viel Spaß macht”, erklärt der bodenständige Bajuware, der seit 1999 für die Investmentfondsgesellschaft Pioneer arbeitet.

Das Potenzial von Aktien entdecken

Letztlich ginge es darum, den theoretischen Wert eines Unternehmens abzuschätzen, der im Idealfall höher als der aktuelle Aktienkurs ist, so Huber. Weil er aber “nicht in die Zukunft schauen kann”, braucht der Finanzexperte beim “Stock Picking”, also dem Aufspüren von aussichtsreichen Wertpapieren, von denen er sich langfristig eine gute Rendite verspricht, vor allem eines: Information. “Eine Entscheidung unter Unsicherheit birgt immer ein gewisses Risiko. Deshalb kann ich nur versuchen, alle Stolpersteine auszuräumen und auf Basis meines Wissens eine Prognose stellen”, so der 46-Jährige. Um interessante Investments auf dem deutschen und europäischen Aktienmarkt zu finden und, um auf dem neuesten Stand zu sein, trifft sich der Stratege deshalb zu Beginn eines jeden Arbeitstags im Münchener Büro mit seinen Team zur Konferenz. Dabei bespricht er aktuelle Marktbewegungen sowie den bevorstehenden Handelstag. “Es gibt unglaublich viele Informationen, die es auszuwerten gilt. Das ist alleine gar nicht zu schaffen. Bei meiner Arbeit bin ich vor allem auf unsere Analysten und Fondsmanager-Kollegen angewiesen, die mir helfen, Unternehmen und ihre Entwicklung bestmöglich einzuschätzen”, betont Huber.

People Business und Face-to-Face-Kommunikation

Wer nun aber glaubt, dass der Aktienspezialist den ganzen Tag am Schreibtisch vor unzähligen Bildschirmen sitzt und beständig auf die aktuellen DAX-Werte schielt, fehlt weit. Denn auch jenseits seines eigenen Teams beschreibt der Fondsmanager das Investment-Geschäft als ein vor allem auf Authentizität und Respekt basierendes “People Business”. Schließlich habe gute Arbeit auch viel mit persönlichen Kontakten und Face-to-Face Kommunikation zu tun, erklärt Huber. “Mein Job ist extrem informationsgebunden, deshalb ist es das A und O mit interessanten Menschen im Gespräch zu bleiben. Ich bin viel auf Messen, Vorträgen und Branchentreffen unterwegs. Dabei unterhalte ich mich mit Fachleuten, stelle Fragen oder gucke mir Produkte an. So sehe ich Unternehmen aus verschiedenen Perspektiven, die mir helfen, ein umfassenderes Bild von deren Potenzial zu erlangen. Vor ein paar Wochen habe ich zum Beispiel an einem Gruppen-Meeting mit Adidas-Chef Herbert Hainer teilgenommen. Da geht man dann “in media res”, um ein Unternehmen, seine Strukturen und Märkte besser kennenzulernen.“

Neugierde, Entscheidungsfähigkeit und Lernbereitschaft

Auf die Frage, welche Eigenschaften ein guter Fondsmanager neben fachlicher Expertise noch braucht, antwortet Huber knapp: “Neugier, analytische Kompetenz, eine schnelle Auffassungsgabe und vor allem Entscheidungsfähigkeit.” Expertenwissen alleine reiche nicht aus, denn am Ende einer sorgfältigen Analyse müsse eine Entscheidung stehen. Außerdem sollte ein Fondsmanager flexibel sein, gerne recherchieren und keine Angst vor Niederlagen haben. Dafür aber die Bereitschaft, aus Fehlern zu lernen und sich mit dem Status quo zu konfrontieren. “Man darf den Kopf nicht in den Sand stecken, auch wenn es einmal nicht so gut läuft.” Wie im richtigen Leben, gehe es auch an der Börse eben nicht immer nur steil bergauf. “Was man aber abkönnen muss, ist, permanent “getrackt”, also ständig beobachtet zu werden”, ergänzt der Aktienspezialist.

Baustein-Lieferant für eine Kapitalanlage

Auch angesichts schwindelerregender Beträge, die er in seinem Fonds zu verantworten hat, behält der Münchner einen kühlen Kopf: “Für meine Arbeit macht es keinen Unterschied, ob ein Fonds hunderttausend, fünfhunderttausend oder eine Milliarde Euro hat. Wichtig ist, dass am Ende das Ergebnis stimmt. Von großen Summen darf man sich da nicht beeindrucken lassen.” Die Entscheidung, welches Risiko ein Investor für sein Vermögen eingehen will, könne ihm ein Fondsmanager übrigens nicht abnehmen, ergänzt der Experte: “Der Anleger muss seine Bedürfnisse und vor allem sein Risikoprofil selber kennen. Mein Job ist nicht die Beratung, sondern die Bereitstellung eines Produktbausteins, der die Risikovorgaben des Investors erfüllt.” Allerdings machten manche den Fehler, das Verhältnis aus Wagnis und Ertrag nicht richtig zu sehen, so Huber.

Ausgeglichene Work-Life-Balance für einen klaren Kopf

Seine Strategie, um vom Stress im Berufsalltag auch einmal abzuschalten, bezeichnet Huber als eine allabendliche Kopfübung: “Ich schaue in Computer oder Blackberry ab einer gewissen Uhrzeit einfach nicht mehr rein. Irgendwann muss man es auch mal gut sein lassen, muss akzeptieren, dass man nicht ständig alles wissen und überwachen kann.” Für eine ausgeglichene Work-Life-Balance setzt der umtriebige Finanzexperte zudem auf ausreichend Bewegung und frische Luft: “Ich gehe gerne in die Berge und wenn möglich zweimal die Woche ins Fitnessstudio. Körperliche und mentale Fitness gingen schließlich Hand in Hand. Und: “Ausdauer und ein klarer Kopf sind wichtige Voraussetzungen für einen guten Job“, weiß der Mittvierziger und ergänzt mit einem Schmunzeln: “Ähnlich wie beim Fußball lebe ich in einem ständigen Kreislauf in dem gilt: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel! Ich tue also gut daran, mich auf allen Ebenen fitzuhalten.”

  1. Andrea Kantioler
    15. September 2014, 9:32

    Hallo Herr Paulson,
    herzlichen Dank für Ihren Kommentar! Es freut uns, wenn wir Ihnen einen guten Einblick in den Arbeitsalltag eines Börsen-Sepzialisten geben konnten!
    Viele Grüße,
    Andrea Kantioler

  2. 14. September 2014, 20:39

    Ein sehr interesanter Einblick in den Alltag eines Fondsmanagers. Früher musste man das alles selber machen, wenn man an der Börse investieren wollte, heute gibt es Spezialisten dafür. Ist doch super!

  3. Lisa Engelhardt
    23. Juni 2014, 18:55

    Wenn er seinen Job wirklich so gewissenhaft macht, wie er verspricht… achwas rede ich da, Bankern kann man nicht vertrauen, und vor allem kein Wort glauben.

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