Kostbare Pflanzen

26.03.2013

Grün ist wertvoll – Schätze der Botanik

Was bevorzugt auf der Fensterbank oder im Gartenbeet gedeiht, ändert sich jedes Jahr. Doch manche Pflanzentrends wachsen sich regelrecht aus: Dann sind kleine Knollen schon mal ein kleines Vermögen wert. Derzeit lassen Schneeglöckchen Sammlerherzen höherschlagen.

Von Gastautor Richard Pfadenhauer

Pflanzen sind wahre Kostbarkeiten und viel mehr wert, als manch einer beim Anblick grüner Blätter vermuten würde. Egal ob Nutzpflanze, Zierblume oder Exot: In allen Bereichen gibt es botanische Raritäten, die kürzeren oder längerfristigen Trends unterliegen. “Pflanzen können aus verschiedensten Gründen wertvoll sein oder werden”, erklärt Lüder Nobbmann vom Netzwerk Pflanzensammlungen. “Die Rarität, der aktuelle Trend, das derzeitige Modebewusstsein, der ökonomische Nutzen, die Welternährung oder auch ein historischer Wert können eine Rolle spielen und sowohl den Preis als auch den ideellen Wert einer Pflanze erheblich beeinflussen.”

Ansteckend: Galanthomanie

In Sachen Preissteigerungen sorgt derzeit unter Pflanzenkennern und -liebhabern ein ganz bestimmtes Pflänzlein für Furore: Das Schneeglöckchen, lateinisch Galanthus. Bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts wird von Sammlern berichtet, die “suchtmäßig” nach den seltensten Schneeglöckchenarten suchen. Heutzutage gibt es immer mehr sogenannte Galanthophile. Insbesondere England lockt mit unzähligen Schneeglöckchen-Festivals und -Events. Dabei ist Schneeglöckchen natürlich nicht gleich Schneeglöckchen. Kennern geht es um ausgefallene Arten: Eine unterschiedliche Anzahl von Blütenblättern, verschiedene Färbungen und Muster sind gefragt. Schneeweiße Blüten wie bei der Sorte “E.A. Bowles” oder solche mit Strichelungen wie bei der gelb gefleckten “Ecusson d’Or” liegen weit vorn.

875 Euro für eine Zwiebel

Galanthus-Gala in England umgerechnet 171 Euro für eine Blumenzwiebel der E.A. Bowles gezahlt. Im Jahr 2011 wurde dieselbe Sorte schon für mehr als das Doppelte versteigert. Und der Markt wird heißer und unübersichtlicher: Im vergangenen Jahr erzielte ein Exemplar der gelb gemusterten Sorte “Elizabeth Harrison” 875 Euro bei einer Onlineauktion. Angesichts dieser Preisentwicklung sprechen Fachleute wie Nobbmann von einer Galanthomanie. “Diese hat fast schon Anklänge der Tulpenmanie im 16. und 17. Jahrhundert in Holland”, sagt der Pflanzenexperte, der selbst einer Sammelleidenschaft für Alpenveilchen anhängt.

Tulpenfieber war vorgestern

Tatsächlich haben auch damals Liebhaber für krasse Preissteigerungen bei Blumenzwiebeln einzelner Tulpensorten gesorgt. Die Nachfrage wuchs vor allem in den Niederlanden zunächst stetig, dann immer rasanter. Im Rückblick zeigt sich ein Paradebeispiel einer Spekulationsblase an der Handelsware Tulpenzwiebel. Anfang 1637 gipfelte die Tulpenmanie in Höchstsummen für die Sorte “Semper Augustus”. Eine Zwiebel wechselte für 10.000 Gulden den Besitzer, das war mehr als der Wert eines Stadthauses in bester Lage von Amsterdam. Kurz darauf kam allerdings der Crash. Die Preise für Tulpen brachen im Februar 1637 innerhalb kürzester Zeit um 90 bis 95 Prozent ein. Das historische Beispiel der Tulpen und das aktuelle der Schneeglöckchen zeigen, welche Preissteigerungen ein Modetrend bei einer seltenen Sorte auslösen kann.

Teuer ist, was trendy ist

Doch was wird zum Trend? Wie in anderen Lebensbereichen spielen Zeitgeist, Farben und Medien eine große Rolle. Als echte Wertanlage sieht Nobbman Pflanzensammlungen trotzdem nicht: “Sicher gibt es auch Sammler, die ihre Sammlung als finanziell wertvoll betrachten, aber das ist für Pflanzenliebhaber eher ein Nebenaspekt. Die meisten sehen den Wert eher in der Schönheit und in der Pflanze selbst begründet.”

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Über den Gastautor

Richard Pfadenhauer ist Chefredakteur des onemarkets Magazins im Bereich Corporate & Investment Banking der HVB. Darüber hinaus ist er Autor des onemarkets Wochenkommentars, eines wöchentlichen Rück- und Ausblicks auf die Märkte. Als ausgewiesener DVFA-Aktienanalyst beschäftigt sich Pfadenhauer seit vielen Jahren mit den Finanzmärkten. Er gilt als ausgesprochener Derivate-Experte.

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