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17.10.2012

Ausstellung

Schöner Schein: Von Banknoten und Blüten

Seit es Geld gibt, ist nicht genug davon vorhanden. “Die Phönizier haben das Geld erfunden – warum bloß so wenig?!” Das fragte sich nicht nur der österreichische Dichter Johann Nepomuk Nestroy, sondern auch Menschen unterschiedlichster Länder und Epochen. Deshalb machten sich einige daran, das fehlende Geld kurzerhand selbst herzustellen – mal mehr, mal weniger erfolgreich. Die Ergebnisse dieser Versuche sind aktuell in Leipzig zu bewundern.

Von Gastautorin Sibylle Merkel

Vom 14. Oktober bis zum 7. Dezember 2012 zeigt das Museum für Druckkunst Leipzig in Kooperation mit der HVB Stiftung Geldscheinsammlung “Echt oder falsch? Eine Ausstellung um Geld und seine Fälschungen”. Rund 150 Banknoten und ihre Nachahmungen aus 33 Ländern und mehr als zwei Jahrhunderten sind zu sehen und zu vergleichen. Besonders spannend: Als Besucher der Ausstellung kann man sein Gespür und seine Beobachtungsgabe auf die Probe stellen. Originalschein und die dazugehörige Fälschung sind jeweils untereinander zu sehen. Die fehlerhaften Merkmale werden getrennt davon aufgezeigt. Besucher können sich so selbst auf die Suche nach dem feinen Unterschied begeben. Auch den Inhalt des eigenen Portemonnaies kann man vor Ort von Fachpersonal maschinell prüfen lassen. Jeden Sonntag 12 Uhr findet zudem eine öffentliche Führung statt.

Hüterin des gedruckten Schatzes

Wer hat nun all die Scheine zusammengetragen und wie kommt das Falschgeld ins Museum?
Die  Antwort weiß Dr. Franziska Jungmann-Stadler: “Nahezu alle Ausstellungsstücke stammen aus unserer Sammlung.” Jungmann-Stadler ist Kuratorin der Schau und seit 2003 Vorstand der HVB Stiftung Geldscheinsammlung. Die Geldexpertin war unter anderem als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Kommission für Landesgeschichte tätig. Von 1982 bis 2003 übernahm sie die Leitung des Historischen Archivs der HypoVereinsbank.

In der Stiftung (2003 von der damaligen Bayerischen Hypo- und Vereinsbank AG gegründet), kümmert sich Jungmann-Stadler nun um die Erweiterung und Pflege der Sammlung. Damit ist sie Hüterin eines wahrhaften Schatzes: “Unsere Sammlung umfasst derzeit 300.000 Objekte, hauptsächlich Banknotenserien“. Erscheinen neue Reihen, werden diese angekauft, unter anderem durch Zuwendungen der HVB. Auch historische Fälschungen finden sich im Bestand der Stiftung. Die “druckfrischen” Fälschungen wurden zur Ergänzung der Ausstellung von den Landeskriminalämtern Bayern und Sachsen zur Verfügung gestellt.

“Kunstwerke mit der größten Auflage”

Die beeindruckende Vielfalt der Sammlung soll nicht nur in gut gesicherten Tresoren liegen, sondern auch in Ausstellungen zu sehen sein. Die Idee, diese Schau nach Leipzig zu bringen, entstand über das Unternehmen Giesecke & Devrient, das bis heute bedeutender Hersteller von Banknoten ist. “Mit Geld sind wir alle tagtäglich in Berührung, doch wir schauen nicht genauer hin. Im Vergleich mit Fälschungen wird uns bewusst, welche Kunstwerke diese Geldscheine sind”, erklärt Ludwig Devrient. Der Nachfahre des Firmengründers ist stellvertretender Vorstand der HVB Stiftung Geldscheinsammlung und zudem im Vorstand der Fördervereins des Museums für Druckkunst tätig.

Gerade hier, im Museum für Druckkunst, lassen sich neben dem künstlerischen Ergebnis auch die Besonderheiten des Banknotendrucks nachverfolgen. “Banknoten sind wohl die Kunstwerke mit der größten Auflage und jeder Druck muss haargenau so aussehen, wie das Original. Hier treffen verschiedene kunsthandwerkliche Techniken mit faszinierendem Ergebnis aufeinander”, stellt die Direktorin des Museums für Druckkunst, Dr. Susanne Richter, die besondere Verbindung zwischen Ort und Inhalt der Schau heraus.

“Superdollars” und falsche Fünfziger

Die Ausstellung macht es erfahrbar: Zwischen Original und Fälschung liegt manchmal nur ein Hauch. Es ist ein ewiges Wettrennen. Fälscher und Banknotenhersteller lassen sich stets ausgefallenere Methoden einfallen, um einander zuvor zu kommen. “Seit es Geld gibt, wird es gefälscht. Sogar die Kaurischnecken, die als Zahlungsmittel benutzt wurden, bevor es Geld gab, wurden aus Porzellan nachgemacht. Auch die ersten Münzen um 600 vor Christus wurden kopiert”, zeigt Frau Dr. Jungmann-Stadler auf.

An Sicherheitsmerkmalen mangelt es mittlerweile nicht mehr. Wasserzeichen, Hologramme, Mikroschrift und Sonderfarben sollen den Fälschern ein Schnippchen schlagen. Trotz allem sind in der Ausstellung zahlreiche Fälschungen zu sehen, die tatsächlich erfolgreich in Umlauf gebracht wurden. Die Spanne reicht von perfekt gedruckten Dollarscheinen organisierter Fälscher, den Superdollars, bis zu Nachzeichnungen von Hand, mit denen sich Günter Hopfinger als Blüten-Rembrandt in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts einen Namen machte. Und da auch Fälschungen wertvoll sind, hat das Museum einen Wachdienst beauftragt.

Werke von Beuys bis Baumgärtel

Geld lässt sich nicht nur verdienen, ausgeben und fälschen, es ist auch ein wunderbarer Werkstoff und Vorlage für große Kunst. Die Ausstellung im Museum für Druckkunst wird ergänzt durch Werke zeitgenössischer Kunst (z.B. Thomas Baumgärtel und Joseph Beuys) zum Thema Geld aus der Sammlung Haupt, Berlin.

Wer vom Gelddruck inspiriert etwas über verwandte und fast vergessene Techniken erfahren möchte, kann dazu im Museum für Druckkunst und seinen Werkstätten direkt weiter stöbern. In seiner Dauerausstellung präsentiert das Haus Druckmaschinen und beinhaltet darüber hinaus eine Handbuchbinderei, eine Werkstatt für Holzstich und eine Schriftgießerei.

Weitere Informationen zu “Echt oder falsch? Eine Ausstellung um Geld und seine Fälschungen” erhalten Sie unter www.druckkunst-museum.de.

Über die Gastautorin

Sibylle Merkel, gelernte Bankkauffrau und Kulturwissenschaftlerin M.A., ist freischaffend in der Kulturkommunikation und -organisation tätig. Seit 2008 ist sie für das Jugend-kulturell-Engagement der HypoVereinsbank aktiv.

  1. 19. Oktober 2012, 12:36

    Danke für den Reise-Tipp.

    😉

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