22.10.2014
Interview

Entscheidungen

Sicher entscheiden: Das Leben ist ein Doppelpass

Dr. Markus Merk ist ein Grenzgänger, der sich in gegensätzlichen Welten bewegt. 20 Jahre pfiff er als Schiedsrichter für die FIFA, heute ist der promovierte Zahnarzt als Unternehmensberater und Entwicklungshelfer aktiv. Im Vortrag „Sicher entscheiden“ überträgt er seine vielfältigen Erfahrungen auf den Berufsalltag. Seine Devise: Wer sich mit den Basiswerten des Lebens befasst, kann in vielen Bereichen erfolgreich sein.

Mit Spannung erwarteten rund 100 Vertreter der Gesundheitsbranche den Auftritt von Dr. Markus Merk. Das HeilberufeForum der HypoVereinsbank hatte ins Bucerius Kunst Forum in Hamburg geladen, um mit dem dreifachen Weltschiedsrichter des Jahres den Umgang mit Entscheidungen im Praxisalltag zu diskutieren. „Das Thema Entscheidungsfindung ist für uns als Banker, für Heilberufler und für Partner in der Gesundheitsbranche gleichermaßen von immens wichtiger Bedeutung. So hat die HypoVereinsbank bereits vor mehr als 20 Jahren eine gleichermaßen erfolgreiche wie folgenreiche Entscheidung getroffen: Wir haben das Gesundheitswesen, insbesondere den Bereich der Heilberufe, zu einer unserer wenigen ausgewiesenen Fokusbranchen und zum Spezialistenthema, erklärt. Insofern freuen wir uns, dass wir mit Dr. Merk einen Experten in zweifacher Hinsicht begrüßen dürfen“, eröffnet Sven Stipkovic, Niederlassungsleiter in Hamburg, die Veranstaltung und übergibt das Wort an den Spielleiter aus Kaiserslautern, der seinen Vortrag mit Einblicken in seinen Werdegang als fußballbegeistertes Kind in der Pfalz beginnt. „Als junger Mensch gab es für mich nichts Bedeutenderes, als Fußballer zu sein“, erzählt Merk. „Trotzdem hat mich bei den Bundesligaspielen eines noch mehr fasziniert, als die Dribbelkünste und die Schussgewalt der Fußballstars: der Schiedsrichter und seine Linienrichter. Drei Menschen, die dem Druck der Massen standhalten und den Mut haben, Verantwortung zu übernehmen. Damals wusste ich allerdings noch nicht, was die Begriffe Mut und Verantwortung in allen Lebens- und Entscheidungsbereichen bedeuten sollten.“

Gelebte Basiswerte machen den Unterschied

Als Schiedsrichter im Profi-Fußball lebte Merk in einer harten Entscheidungswelt. Sein Urteil bestimmte nicht nur über Sieg oder Niederlage, Ehre und Ruhm; es konnte im Extremfall die Stimmung einer ganzen Nation beeinflussen. Oft musste er ein unbequemes Machtwort sprechen, auch dann, wenn er Spieler, Trainer, Fans oder Funktionäre damit verärgerte. „Bei solchen Entscheidungen hieß meine einzige Option nach Spielende dann oft: LH 6842 – also möglichst schnell und ungesehen den Flieger nach Hause zu erwischen“, erzählt der Referee mit einem Schmunzeln. Für sicheres und richtiges Entscheiden hat auch der Pfälzer weder Faustregeln noch ein Patentrezept parat. Durch seine vielseitigen Aktivitäten als Schiedsrichter, Zahnarzt, Extremsportler und Entwicklungshelfer lernte er jedoch sehr gegensätzliche Welten kennen, in denen er in puncto Entscheidungen auf erstaunlich viele Parallelen getroffen ist. Diese „Doppelpässe des Lebens“ haben ihn gelehrt, dass Faktoren wie Gelassenheit, Glaubwürdigkeit und Akzeptanz den Wert einer Entscheidung bestimmen und damit letztlich auch ihren Erfolg. „Das Leben ist keine Wissenschaft. Um als souveräner Entscheider wahrgenommen zu werden, muss man Entscheidungen nicht nur präsentieren, sondern man muss sie leben können“, erklärt der 52-Jährige. „Basiswerte wie Mut und Verantwortung, aber auch Begeisterung, Identifikation und Wille sind die treibenden Kräfte, ohne die es nicht funktioniert. Diese Grundprinzipien spielen nicht nur im Unternehmen oder im Fußballstadion, sondern auch im täglichen Leben eine wichtige Rolle.“

Entscheiden bedeutet kommunizieren

In seinem Entscheidungsalltag als Unparteiischer konnte der Kaiserslauterer nicht immer auf Regeln zurückgreifen, nur die wenigsten Spielsituationen waren eindeutig. Das bedeutet: Auch sein Urteil als Schiedsrichter war oft diskutierbar. Denn wie in allen Lebenswelten fallen auch im Fußballstadion die meisten Entscheidungen in einem Graubereich. „Entscheidungen sind Kausalketten, bei denen immer ein Mensch im Mittelpunkt steht. Sie prallen also stets auf Emotionen und Subjektivität. Gerade in Grenzbereichen ist es deshalb wichtig, auf die Argumente seines Gegenübers einzugehen, aber auch, im richtigen Moment die Gesprächsführung zu übernehmen“, so Merk. Zuhören sei die Basis einer erfolgreichen Kommunikation. „Entscheidungen sind immer nur so gut, wie sie unser Gegenüber aufnimmt.“ Auch gäbe es im Fußballstadion oft unübersichtliche Spielsituationen, die ein Schiedsrichter aus seinem Blickwinkel gar nicht erkennen kann, ergänzt Merk. Ebenso wie im Unternehmen sei es auch für Entscheider im Spitzensport unmöglich, immer alle Informationen zur Verfügung zu haben. „Die Fernsehkommentatoren sagen dann oft: ‚Das hat er gut gesehen‘. Dabei geht es in solchen Fällen vielmehr darum, die Umgebung zu beobachten und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen.“

Entscheiden bedeutet kommunizieren

In seinem Entscheidungsalltag als Unparteiischer konnte der Kaiserslauterer nicht immer auf Regeln zurückgreifen, nur die wenigsten Spielsituationen waren eindeutig. Das bedeutet: Auch sein Urteil als Schiedsrichter war oft diskutierbar. Denn wie in allen Lebenswelten fallen auch im Fußballstadion die meisten Entscheidungen in einem Graubereich. “Entscheidungen sind Kausalketten, bei denen immer ein Mensch im Mittelpunkt steht. Sie prallen also stets auf Emotionen und Subjektivität. Gerade in Grenzbereichen ist es deshalb wichtig, auf die Argumente seines Gegenübers einzugehen, aber auch, im richtigen Moment die Gesprächsführung zu übernehmen”, so Merk. Zuhören sei die Basis einer erfolgreichen Kommunikation. “Entscheidungen sind immer nur so gut, wie sie unser Gegenüber aufnimmt.” Auch gäbe es im Fußballstadion oft unübersichtliche Spielsituationen, die ein Schiedsrichter aus seinem Blickwinkel gar nicht erkennen kann, ergänzt Merk. Ebenso wie im Unternehmen sei es auch für Entscheider im Spitzensport unmöglich, immer alle Informationen zur Verfügung zu haben. “Die Fernsehkommentatoren sagen dann oft: ‘Das hat er gut gesehen’. Dabei geht es in solchen Fällen vielmehr darum, die Umgebung zu beobachten und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen.”

Fehler als Chance begreifen

Das Leben begreift der Pfälzer als einen beständigen Entwicklungsprozess. Erfahrung war für ihn als Schiedsrichter oft der beste Ratgeber. Trotz Routine birgt jede Entscheidung aber auch immer ein gewisses Risiko. Die Gefahr einer Fehlentscheidung sieht Merk dennoch gelassen und hält es mit einem Zitat von Winston Churchill: ‘Es kann geschehen, dass man hinfällt. Unverzeihlich ist nur, wenn man liegen bleibt.’ Denn: Wo Menschen entscheiden, da passieren auch Fehler. “Wer sie allerdings als gegeben akzeptiert, der befindet sich im ‘Steady State’. Auch wenn es auf dem Spielfeld nicht immer sichtbar war: Ich war immer derjenige, der sich über seine Fehlentscheidungen am meisten geärgert hat”, so der Referee. “Wer es aber schafft, Fehler positiv aufzufassen und selbstkritisch damit umzugehen, für den sind sie zwar schmerzhafte, aber dennoch sehr wichtige Lernprozesse. Denn sie bieten die Chance, sich weiter zu entwickeln, sich immer wieder aufs Neue zu steigern. Man erarbeitet sich also Kompetenz, die auch dabei hilft, Fehler besser verarbeiten.”

Am Ende seines Vortrags berichtete Merk noch über sein ehrenamtliches Engagement als Entwicklungshelfer. Seit vielen Jahren unterstützt er ein Projekt in Südindien, wo er der örtlichen Bevölkerung beim Aufbau von Schulen, Waisenhäusern und Krankenstationen hilft. Anschließend gab der Schiedsrichter noch eine gut 15 minütige Nachspielzeit, um Fragen aus dem Publikum zu beantworten. Diesem gab er zum Abschluss noch sein Motto mit auf den Weg: “Das Leben findet heute statt!”

In unserem Interview spricht Dr. Markus Merk über den Charakter eines sicheren Entscheiders und zieht Parallelen zwischen dem Berufenalltag eines Arztes und dem eines Schiedsrichters:

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