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04.03.2016
Tipp

Sorolla München

Mit dem Pinselstrich im Augenblick

Den Augenblick auf Leinwand gebannt: Die Ausstellung „Spaniens Meister des Lichts“ in der Kunsthalle München ist die erste große Retrospektive des spanischen Malers Joaquín Sorolla in Deutschland. Vom 4. März bis zum 3. Juli nimmt die Ausstellung ihre Besucher mit auf eine Reise durch die lichtdurchflutete Welt seines Schaffens.

Während sich die vergangenen Ausstellungen der Kunsthalle München der provokativen Mode-Inszenierung Gaultiers oder den politischen Statements von Keith Haring widmeten, werden in der neuen Ausstellung sanftere, aber umso bildgewaltigere Töne angeschlagen. Die Werke Joaquín Sorollas lassen ihre Betrachter in Momentaufnahmen seiner spanischen Heimat, ihres Sonnenlichts und des Meeres versinken. Die Kuratoren der Ausstellung sind María Lopez und die Großenkelin des Malers, Blanca Pons-Sorolla. Sie erzählen uns, wie sie das Vermächtnis Sorollas in die Gegenwart transportiert.

 

Rund 120 Werke von Joaquín Sorolla werden in der Münchener Kunsthalle zu sehen sein. Welches Konzept steckt hinter der Ausstellung?

Die Ausstellung nimmt ihre Besucher mit auf Sorollas Weg zum internationalen künstlerischen Erfolg. Während seiner ersten Reisen nach Paris begegnete er den inspirierenden Strömungen der Stadt, die in ihm eine unglaubliche Begeisterung für den Naturalismus und den Impressionismus weckten. Die Ausstellung erzählt die Geschichte der Meilensteine seiner Karriere.

 

Als besonderes Merkmal von Sorollas Werken gilt die Wiedergabe von Sonnenlicht oder die Darstellung von Wasseroberflächen. Werden diese Besonderheiten in der Kunsthalle München speziell in Szene gesetzt?

Ohne Zweifel gehörte es zu Sorollas herausragenden Merkmalen, das Sonnenlicht und die spiegelnde, wechselhafte Oberfläche des Wassers zu reproduzieren. Sonnenlicht ist Bestandteil in den meisten Werken dieser Ausstellung – von den beeindruckenden Werken, die er im Freien malte, bis zu den kleinen Zeichnungen. Mit diesem Stil fasziniert Sorolla die Betrachter seiner Werke und macht für sie die Besonderheiten im Licht eines Augenblicks sichtbar.

 

Seine spanische Herkunft, die Küste und das Meer stehen häufig im Mittelpunkt von Sorollas Werken. Was hat ihn dazu inspiriert, diese Motive in immer neuen Facetten darzustellen?

Sorolla wollte das abbilden, was er am besten kannte und liebte – seine Heimat. Im Grunde genommen malte er sie jedes Mal wieder mit Erstaunen über ihre Schönheit. Der Fleiß, den er in die Malerei steckte, ließ ihn eine unglaubliche Leichtigkeit für seine Malerei entwickeln. Das erlaubte ihm, seine enorme Sensibilität und Hingabe fast ohne Anstrengung in seiner Arbeit sichtbar zu machen.

Joaquín Sorolla war wie Claude Monet auch ein impressionistischer Maler – wenn auch ein später Vertreter dieser Epoche. Worin unterscheidet sich sein Stil von anderen impressionistischen Malern und wie haben sie ihn beeinflusst?

Das Werk von Sorolla ist eine geschickte und ganz eigene Kombination aus naturalistischer Malerei und dem Glanz und der Leuchtkraft des Impressionismus. Der Impressionismus erreichte ungefähr 20 Jahre vor der ersten Ausstellung Sorollas in Paris seine Blütezeit und blieb auch nach 1900 der populärste Kunststil. Sorolla kannte und verehrte einige seiner bedeutendsten Vertreter, allen voran Claude Monet und Edgar Degas. Die Schnelligkeit seines Pinselstrichs und der hohe Stellenwert von Wasser und Reflexionen in seinen Werken zeigen den Einfluss Monets, der Fokus auf den Augenblick und seine fotografische Abbildungsweise ist inspiriert durch Degas.

 

Diese umfassende Ausstellung von Sorollas Werken ist die erste dieser Art in Deutschland. Welche Bedeutung hat dabei München als Ausstellungsort?

In Deutschland zeigte Sorolla seine Werke 1907 in Berlin, Düsseldorf und Köln. Sein künstlerischer Erfolg wurde nicht in Zweifel gestellt, aber vom finanziellen Standpunkt her waren diese Ausstellungen ein Desaster. Heute ist Sorolla in Deutschland ein Unbekannter, folglich auch in München. Dank Roger Diederen, Direktor der Kunsthalle München, ist diese Ausstellung möglich geworden. Er wusste die Qualität und die Kraft der Werke dieses Künstlers zu erkennen und hat auf ihn gesetzt. Und ich bin sicher, dass eine Stadt wie München eine so schöne und mächtige Ausstellung ebenso zu schätzen weiß und genießen wird.

 

Welches Werk dürfen sich die Besucher der Kunsthalle in der Ausstellung auf keinen Fall entgehen lassen?

Es ist mir unmöglich, auf diese Frage zu antworten. Es sind zu viele! Ich denke, wenn Sie die Ausstellung besuchen, werden Sie auch meiner Meinung sein. Aber ich möchte Sie einladen, die Freude in Cosiendo la vela (Das Nähen des Segels), die Intimität in Madre (Mutter) und die Liebe, mit der er Desnudo de Mujer (Weibliche Frau) malte, zu genießen.

 

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