30.10.2014

Sparmotivation

Wie spart Deutschland?

Spare in der Zeit, dann hast du in der Not: Lust am wirtschaftlichen Umgang mit Geld ist ein Klischee, das wie Bier und Oktoberfest immer wieder gern mit Deutschen in Verbindung gebracht wird. Ganz in diesem Sinne machen sich am heutigen Weltspartag wieder viele Kinder mit ihren Spardosen auf den Weg zur Bank.

Um darauf aufmerksam zu machen, dass man nur mit einem sorgsamen Umgang mit Geld eine ordentliche Summe für persönliche Investitionen ansparen kann, wurde 1925 – zwischen Hyperinflation und Weltwirtschaftskrise – der erste International Saving Day vom Sparkassenverband ausgerufen. Insbesondere bei Kindern erfreut sich der Weltspartag bis heute großer Beliebtheit. Sie bringen nicht nur ihr Erspartes auf ihr Sparkonto, sondern bekommen häufig kleine Geschenke und Aufmerksamkeiten.

Der niedrige Zins drückt auf die Sparquote

Ab einer gewissen Altersgrenze lassen sich Menschen allerdings nicht mehr von Plüschtieren und Spiele-Incentives überzeugen. Die Sparquote, die den Anteil des Einkommens bezeichnet, der auf die hohe Kante gelegt wird, sinkt seit der Wirtschaftskrise im Jahr 2008 kontinuierlich. Lag sie damals entsprechend der Erhebungen des statistischen Bundesamtes noch bei 11,5 Prozent, beträgt der heutige Wert nur noch knapp 10 Prozent. Dabei schwankt der Wert in Deutschland entsprechend der Einkommensverteilung erheblich. Während der Durchschnittsdeutsche 2.000 € jährlich zur Seite legt, sparen Haushalte mit einem Nettohaushaltseinkommen zwischen 1.500 und 2.000 € monatlich 2,4 Prozent pro Jahr. Immerhin – das Klischee des sparsamen Deutschen bestätigt die Sparquote trotz der negativen Tendenz: Sie ist doppelt so hoch wie die Sparquote in den USA. Der Grund für den Abwärtstrend hängt mit der niedrigen Rentabilität klassischer Sparprodukte zusammen, nachdem die EZB ihren Leitzins auf einen historischen Tiefstand von 0,05 Prozent gesenkt hat. Für Sparer bedeutet das nicht nur eine geringe Rendite auf Sparbücher, Tagesgeld und ähnlichen beliebten Sparprodukte, sondern auch die Gefahr des Wertverlustes ihres Gelds durch die Inflation.

Junge Menschen sparen eher nicht fürs Alter

Aus welchen Gründen das hart erwirtschaftete Vermögen zurückgelegt wird, ist so individuell wie abhängig von der aktuellen Lebensphase, in der ein Sparer gerade steckt. Das „Panel on Household Finances“, eine regelmäßige Studie der Bundesbank, gibt an, dass insbesondere junge Menschen unter 34 vor allem darum bemüht sind, einen Notgroschen beiseite zu legen oder für geplante Anschaffungen zu sparen. Spätestens mit dem Eintritt ins Berufsleben beginnen rund 30 Prozent der Sparer, Geld für ihre Altersvorsorge zurückzulegen. Im Gegensatz dazu nimmt der Wunsch nach einer eigenen Immobilie erstaunlich wenig Gewicht im Sparverhalten ein. Nur jeweils 10 Prozent der Personen in den Altersgruppen der unter 25-jährigen sowie der 25- bis 34-jährigen sparen für die eigenen vier Wände. Mit dem Eintritt ins Rentenalter verändern sich die Spargründe: Ab dem 65. Lebensjahr sparen die Deutschen für Kinder und Enkelkinder oder ihren Nachlass.

Weniger Geld auf dem Sparbuch bedeutet mehr Geld für Investitionen

Das Geld, das nicht auf der hohen Kante landete, wurde in Deutschland in den letzten Jahren fleißig ausgegeben. Auch wenn internationale Krisenherde einen negativen Einfluss auf den Konsumklimaindex haben, bewegt er sich noch immer auf rekordverdächtigem Niveau. Einzelhändler beschweren sich dabei allerdings, dass das Geld nicht bei ihnen landet, sondern für größere Investitionen in die Hand genommen wird – eine große Reise, ein neues Auto oder die eigene Immobilie. Die Ersparnisse werden also nicht nur in kurzfristigen Konsumprodukten angelegt, sondern teilweise auch in Wertanlagen, die eine Inflation überdauern können.

Trotz aller Konsumfreude gehen viele Deutsche weiterhin vorsichtig mit ihrem Vermögen um. Der Weltspartag ist dabei eine Gelegenheit für Eltern, ihren Kindern einen achtsamen Umgang mit Geld zu vermitteln und ihnen zu zeigen, dass es neben den Kuscheltieren weitere positive Effekte haben kann, wenn sie einen Teil ihres Taschengeldes sparen.

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