Banking für Start-ups bei der HypoVereinsbank
26.02.2016
Trend

Start-up Banking

Unkonventionell, schnell, international: Banking für Tech-Unternehmen

CEOs in T-Shirts und kurzen Hosen, milliardenschwere Bewertungen binnen der ersten Monate, 70 bis 80 Stunden Vollgas pro Woche – junge Tech-Unternehmen sind nur schwer mit etablierten Firmen vergleichbar. Nicht nur, dass hinter ihren Geschäftsideen hochtechnologische Prozesse stecken, die von Laien nicht einfach zu bewerten sind, auch ihre Arbeitskultur unterscheidet sich stark vom 9-to-5-Büroalltag in Schlips und Kragen. Berlin hat sich in den vergangenen Jahren zu einem internationalen Hotspot für Internet-Start-ups entwickelt und wird längst in einem Atemzug mit London oder Tel Aviv genannt. Die Tech-Szene an der Spree ist laut und bunt, hat ähnlich einer Sub-Kultur ihre eigenen Codes. Klassische Banking-Angebote treffen oft nicht den Nerv der jungen Unternehmer. Das hat die HypoVereinsbank früh erkannt und gründete in der Hauptstadt ihr eigenes Team für Start-up Banking. Die Spezialisten agieren seit 2014 im Berliner Ökosystem. Ihren Kunden bieten sie nicht nur passgenaue finanzielle Lösungen, sondern einen weiteren echten Mehrwert: Die Berliner Unit spricht die Sprache ihrer Zielgruppe, lebt authentisch den Spirit der kreativen Techies – im Denken, im Handeln, im Tagesgeschäft. Einer von den neuen Bankern ist Frank Nicolaisen. Im Interview verrät der HVB-Mitarbeiter, was das Besondere an seinem Team ist, mit welchen typischen Anfangsproblemen junge Tech-Unternehmen im Banking kämpfen und warum er den Begriff  „Start-up“ nicht mag.

 

Frank, Ihr seid seit 2014 in Berlin ansässig, betreut von dort aus aber auch Start-ups in anderen deutschen Städten. Aus welchen Branchen kommen Eure Kunden und wie viele betreut Ihr aktuell?

Unser Portfolio ist ziemlich bunt gemischt. Aktuell betreuen wir rund 140 Kunden, die sich im Grunde auf drei Säulen verteilen. Die größte machen Internetplattformen aus. Daneben sehen wir aber auch eine sehr gute Entwicklung im Bereich Online-Marketing und E-Commerce. Wir reden aber lieber von Tech-Unternehmen als von Start-ups.

 

Warum?

Für uns ist das digitale Geschäftsmodell entscheidend, nicht ob es sich bei unseren Kunden um ein Start-up handelt oder nicht. Außerdem ist für unsere Arbeit der Begriff „Start-up“ wenig aussagekräftig. Ein Unternehmen, das binnen weniger Monate nach Gründung über 200 Mitarbeiter beschäftigt, auf einen Umsatz im zweistelligen Millionenbereich kommt, kurz vor dem IPO steht oder eine Unicorn-Bewertung hat, ist schwer noch als Start-up zu behandeln. Im internationalen Kontext hat sich der Begriff „Tech-Company“ durchgesetzt. Ich finde auch, dass der Begriff „Start-up“ in den letzten Jahren ein wenig überstrapaziert wurde.

 

Was ist Euer USP als Tech-Team und was unterscheidet Euch von klassischen Unternehmenskunden-Beratern?

Wir sprechen dieselbe Sprache wie die Techies. Das ist unser größter Vorteil. Wir haben gelernt, wie wichtig es ist, nicht als klassischer Banker in Anzug und Krawatte aufzutreten. Im Sommer tragen unsere Kunden schon mal kurze Hosen und T-Shirt. Wir haben großen Respekt vor den Visionen und der vielen harten Arbeit der Techies. 15- bis 16-Stunden-Tage an sieben Arbeitstagen in der Woche sind in der Szene die Regel. Wir begegnen unseren Kunden auf Augenhöhe. Wir wollen der Ansprechpartner sein, der im richtigen Zeitpunkt verfügbar ist. Und der wenn er verfügbar ist, eine pragmatische Lösung findet und diese auch schnell umsetzt. Außerdem können wir aus der Erfahrung heraus aufkommende Schwierigkeit der einzelnen Entwicklungsphasen von Tech-Unternehmen gut antizipieren. Der Gründer muss nicht erst Anforderungen artikulieren, die er vielleicht noch gar nicht sieht. Von unseren Kunden bekommen wir zurückgespiegelt, dass das ein echter Mehrwert für sie ist. In der Szene wird unser Ansatz gut angenommen und mit hohen Weiterempfehlungsraten honoriert.

 

Heißt das, dass Ihr auch am Abend Kundentermine wahrnehmt?

Wir müssen eben da sein, wo unsere Kunden sind. Aber das ist bei einer klassischen Unternehmenskunden-Beratung nicht anders. Wenn der Buchhalter morgens um sieben ins Büro kommt und Probleme mit seinen Kontoauszügen hat, dann möchte er eben morgens früh mit seinem Bankberater sprechen. Bei uns verschiebt sich die Beratungszeit in die Abendstunden. Zum Glück, ich bin auch kein Frühaufsteher (lacht)!

Wobei haben Tech-Unternehmen Eurer Erfahrung nach den größten Beratungsbedarf?

Zu Anfang sind es vor allem Prozesse wie Zahlungsverkehr, Außenhandelslösungen, Devisen- oder Anlagemanagement. Solche Themen sind für die Gründer zu Beginn nicht unbedingt sexy, weil sie erst einmal nicht kriegsentscheidend sind. Ab einer bestimmten Größe des Geschäftsmodells können Tech-Companies diese Prozesse aber auf die Füße fallen. Wenn zehn Praktikanten mit 20 Tan-Listen in Onlinebanking-Tools verschiedener Banken den Zahlungsverkehr steuern, dann kann es irgendwann zu ernsten Problemen kommen. Sei es, weil Fristen nicht eingehalten werden oder weil bei der manuellen Eingabe Fehler passieren. Mit unseren Tools aus dem klassischen Corporate-Banking können wir professionelle, skalierbare Strukturen reinbringen, die zukunftsfähig sind.

 

Wie sieht die Zusammenarbeit mit Euren Kunden konkret aus?

Wir sehen uns eher als Partner denn als Dienstleister. Mit unserem Beratungskonzept versuchen wir unseren Kunden die größtmögliche Effizienz zu ermöglichen. Wir gehen für Meetings zum Beispiel fast immer zu den Kunden. Denn die Techies haben oft keine Zeit, zwei Stunden durch halb Berlin zu tingeln um hier bei uns einen Kaffee zu trinken. Und andererseits bekommen wir ein Gefühl für Geschäftsmodell und Management. Wie sind die Räumlichkeiten? Wie arbeiten die Leute? Trotz des enormen Drucks ist die Stimmung bei den Techies positiv und ausgelassen. Vor allem am Anfang treffen wir uns persönlich mit den Kunden, denn es muss ein großer Stapel Papiere unterschrieben werden. Wir sind eben immer noch eine Bank (lacht). Aber danach versuchen wir viel per Telefon und Videoberatung zu erledigen. So können wir dann selbst sehen, wie dick die Augenringe schon sind (lacht). Außerdem verabreden wir bei großen, komplexen Projekten einen wöchentlichen Jour Fixe. Da geht es dann meist ohne viel Small Talk zu den Fakten.

 

Welche Rolle spielt die Internationalisierung in der Zusammenarbeit mit Euren Kunden?

Die Internationalisierung von Tech-Companies geht in der Regel viel schneller als bei klassischen Unternehmen. Unser Kunde „Delivery Hero“ hat zum Beispiel eine unglaublich schnelle Wachstumskurve hingelegt und ist nun in 34 Märkten aktiv. Bei der Internationalisierung sind wir schneller und besser als viele unserer Mitbewerber. Durch die UniCredit Group haben wir ein gutes Netzwerk in Europa, nach Asien und in die USA. Ein wahnsinniger Katalysator bei der Geschwindigkeit von Internationalisierungen ist der „International Expert“, den es in jeder Region gibt. Unserer Expertin kann ich alle Fragen rund um Kontoeröffnung, Konditionen usw. in internationalen Kontexten stellen. Bei ihr sammelt sich ein unglaubliches Wissen an, auf das wir bei Bedarf schnell zurückgreifen können. So eine Struktur hat meines Wissens keine andere Bank.

 

Deine 3 Tipps an aufstrebende Tech-Unternehmen?

Sales, sales, sales! Zu Anfang sollte man sich mit Vollgas in den Vertrieb stürzen und sich für das Aufsetzen von Prozessen geeignete Partner suchen: eine gute Bank, einen vernünftigen Legal-Partner und einen Wirtschaftsprüfer. Wenn man diese drei im Hintergrund hat, kann man sich voll auf das Kerngeschäft konzentrieren, um die Kennzahlen zu erreichen, die die Investoren sehen wollen.

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