19.10.2016
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Start-up Europa

Hat der Brexit Einfluss auf Europas Start-ups?

Berlin, Dublin, Paris, Frankfurt, Luxemburg oder Stockholm – an attraktiven Business-Standorten mangelt es dem Alten Kontinent nicht. Bislang galt London als das Mekka für FinTechs, Start-ups und internationale Tech-Unternehmen. Könnte der Brexit die Attraktivität des Standorts London schwächen? Welchen Einfluss hätte das auf die europäische Gründer-Landkarte? Diese und weitere Fragen diskutieren Insider der europäischen Start-up-Szene auf der Podiumsdiskussion der diesjährigen #TechNightBerlin. Und wie schätzen Studien, Medien und Politik die Situation ein? Eine Bestandsaufnahme.

London ist Europas Start-up-Hochburg. Die britische Metropole galt lange als der ideale Brückenkopf zwischen Europa und dem Rest der Welt. Hier konzentriert sich die europäische Szene aus internationalen Talenten, Unternehmern, Business-Angels, Risikokapitalgebern und Inkubatoren. Nicht nur europäische Gründer haben London als Startpunkt für ihr Wachstum gewählt, sondern auch nicht-europäische Unternehmen fanden in der Stadt an der Themse ideale Voraussetzungen, um den europäischen Markt zu erobern, wie Alexander Styles (CNC Senior Consultant in London) herausstellt.

Es ist vor allem Unsicherheit, die insbesondere britische FinTechs nach dem Votum der Briten für den EU-Ausstieg über ihren ganz persönlichen Brexit – den Umzug nach Berlin, Paris oder Dublin – nachdenken lässt, berichtet die Wirtschaftswoche auf ihrem Gründer-Portal. Handelsverträge, der Zugang zum europäischen Binnenmarkt und die Freizügigkeit der Arbeitnehmer sind nur einige der Fragen, die es zwischen der EU und Großbritannien neu zu verhandeln gilt. Florian Nöll, Vorsitzender des Bundesverbands Deutsche Startups e.V., geht in einem Namensbeitrag auf manager-magazin.de davon aus, dass Londoner Start-ups nach dem vollständigen Brexit nicht so einfach in die EU internationalisieren können wie beispielsweise Berliner Unternehmen.

Berlin, Paris, Frankfurt: The next big … City!

Eine Reihe von europäischen Metropolen werben aktuell um umzugswillige wie neuzugründende Unternehmen. Paris punktet mit dem Sitz der OECD, Luxemburg bringt niedrige Steuern auf das Tapet, in Dublin erleichtert die englische Sprache das internationale Arbeiten. Auch die politisch wie wirtschaftlich stabile Bundesrepublik schickt mehrere attraktive Standorte für Start-ups und private Kapitalgeber ins Rennen: Beispielsweise hat Berlin prompt reagiert und nur drei Monate nach dem Referendum eine eigene Wirtschaftsrepräsentanz in London eröffnet, um Unternehmen von der britischen Hauptstadt in die Spree-Metropole zu locken. Cornelia Yzer, Senatorin für Wirtschaft, Technologie und Forschung des Landes Berlin: „Der Brexit hat Unsicherheit erzeugt. Viele Unternehmen denken darüber nach, ihre Geschäfte in Berlin zu erweitern oder dorthin zu verlagern. Mit dem neuen Büro wollen wir diese Unternehmen vor Ort in London über Berlin und unsere Wirtschaftsfördermöglichkeiten informieren. Die Unternehmen sind an Deutschlands stärkstem Technologiestandort herzlich willkommen.“

Unter den europäischen Finanzstandorten wird nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Frankfurt am meisten vom Brexit profitieren. In der Main-Metropole schlägt das Finanzherz der größten Volkswirtschaft Europas, die Europäische Zentralbank ist dort beheimatet, ebenso wie der größte Flughafen des Landes. Die Lebensqualität ist in der hessischen Landeshauptstadt ebenso hoch, wie die Immobilienpreise niedrig sind. „In Paris sind die Büromieten für hochwertige Immobilien fast 50 Prozent höher als in Frankfurt“, sagt IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer.

Von Katzenjammer keine Spur

Blickt man auf die Zahlen für das erste Halbjahr 2016, kann von einem Exodus britischer Unternehmen nicht die Rede sein. Nach dem Start-up-Barometer der Wirtschaftsprüfergesellschaft Ernst & Young verdrängte London im ersten Halbjahr 2016 Berlin vom zweiten Platz im Wettrennen um die Anzahl der abgeschlossenen Deals bei Risikokapitalinvestitionen. Nur Paris liegt unangefochten vorne. Auch das Volumen der Start-up-Finanzierungen sank in der deutschen Hauptstadt im Vergleich zum ersten Halbjahr 2015 um über 50 Prozent auf knapp eine Milliarde Euro. Noch kann über die Ergebnisse der anstehenden Brexit-Verhandlungen nur spekuliert werden. Ein Umzug ist für Unternehmen ressourcenintensiv und ein Schritt von großer Tragweite, der gut durchdacht sein will. Wir dürfen also gespannt sein, ob und wie sich die europäische Gründer-Landkarte durch den Brexit tatsächlich ändern wird!

Mehr zum Thema: Experten-Talk auf Facebook

Auf der diesjährigen HVB #TechNightBerlin diskutierten Shawn Atkinson aus London und Dr. Sven Greulich aus Düsseldorf (beide Partner bei Orrick, Herrington & Sutcliffe) gemeinsam mit Emmanuel Thomassin, CFO des deutschen Unicorns Delivery Hero, die möglichen Konsequenzen des Brexits für Venture Capital-Finanzierungen in Europa. Sehen Sie sich die Diskussion hier an: facebook.com/hypovereinsbank/?business_id=1050102721670392

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