Start-up Gründung
12.06.2015

Start-up Gründung

Mobile Wasserkraft: Von der fixen Idee zum Geschäftskonzept

„Für jeden Strom, der Wasser hat“, lautet das Motto des Fürther Start-ups Aquakin. Mit dem portablen Mini-Wasserkraftwerk „Blue Freedom“ hat das fränkische Gründerteam nicht nur die Jury des Businessplan Wettbewerbs Nordbayern, sondern auch eine ganze Crowdfunding-Community überzeugt. Im Gespräch mit der Blog-Redaktion erzählt CEO Benedikt Schröder, wie das vierköpfige Entwicklerteam den Weg seiner Start-up-Gründung vom ersten Prototyp bis zum marktfertigen Produkt gegangen ist.

Wasserkraft ist die älteste Form der Energiegewinnung und hochmodern zugleich. Mit einer ganzen Armada an Kleinkraftwerken möchte das Fürther Start-up Aquakin den Markt der regenerativen Energien um clevere Komponenten erweitern. Mit seiner portablen Microturbine “Blue Freedom” konnte das vierköpfige Entwicklerteam im Rahmen des Businessplan Wettbewerbs Nordbayern (Phase 2) eine hochkarätige Jury aus HVB Gründungsspezialisten, Unternehmern, Managern, Fachexperten und Kapitalgebern überzeugen. Zusammen mit neun weiteren Siegerideen aus den Bereichen Life Sciences, High-Tech und IT wurde Aquakin unlängst auf der Prämierungsfeier des von der Gründerinitiative BayStartUP in Kooperation mit der HypoVereinsbank initiierten Start-up Wettbewerbs in Nürnberg ausgezeichnet. „Das Gründerteam von Aquakin hat mit seinem transportablen Mini-Wasserkraftwerk ein innovatives Produkt entwickelt und fokussiert mit verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten einen sehr breiten Markt“, erläutert BayStartUP Geschäftsführer Carsten Rudolph die Entscheidung der Jury. „Die Wirtschaft braucht Unternehmensgründer wie Aquakin, die sie herausfordern und den Erneuerungs- und Effizienzdruck erhöhen“, betont auch Michaela Pulkert, Leiterin der Region Bayern Nord bei der HypoVereinsbank, in ihrer Eröffnungsrede.

Portables Mini-Kraftwerk: Blauer Strom für unterwegs

Die Idee hinter Blue Freedom ist ebenso vielseitig wie originell: Mit dem gut 20 Zentimeter großen und 400 Gramm schweren Rucksack-Kraftwerk können sich zum Beispiel Wanderer unterwegs mit Strom versorgen. Dazu müssen sie die Turbine nur in einen kleinen Bachlauf setzen und können damit kleine Elektrogeräte wie Lampen oder Handys aufladen. Gerade entwickelt das Team bereits erste Ergänzungsmodule, darunter ein Windrad und ein Solarpanel, um aus Blue Freedom einen charmanten Allrounder in Sachen regenerativer Energie zu machen. Bei seiner Gründung im Jahr 2013 ist Aquakin zunächst mit einer anderen Idee an den Start gegangen. „Ursprünglich wollten wir umweltverträgliche Wasserkraftwerke für die dezentrale Energieversorgung entwickeln, die sich mit geringen baulichen und finanziellen Aufwendungen umsetzen lassen“, erinnert sich CEO Benedikt Schröder. „Unser Augenmerk lag schon damals auf dem Ansatz, Flora und Fauna vor einer starken Methanisierung der Gewässer und einer hohen Fischmortalität zu schützen – zwei zurecht vorgebrachte Argumente gegen Wasserkraft.“ Die Idee zu Blue Freedom lieferte ein Freund erst im vergangenen Jahr. Dieser fragte eher bleiläufig, ob das Team nicht auch ein Wasserkraftwerk für Wanderer bauen könnte. „Zunächst waren wir über den Vorschlag perplex“, erzählt Schröder mit einem Schmunzeln. „Schnell wurde uns jedoch bewusst, dass sich mobile Energie aus Wasserkraft nicht nur im Outdoor-Segment, sondern auch in Schwellen- und Entwicklungsländer ohne zentrale Stromversorgung einsetzen lässt.“

Entwicklungsprozess: Vom ersten Prototyp zur Serienreife

Kurzerhand beschloss das Start-up, die Idee in sein Entwicklungsportfolio mit aufzunehmen. Bis dahin tüftelte das Team (siehe Foto) ausschließlich an stationären Modellen, darunter ein Linear- sowie ein Wirbelwasserkraftwerk, zu deren Potenzial bereits vielversprechende Marktanalysen vorlagen. Nach gut einem Monat war der erste Prototyp von Blue Freedom umgesetzt. „Um daraus ein marktreifes Produkt zu kreieren, haben wir dann unzählige Gespräche mit Experten geführt – über den Bau der Elektronik, des Generators, des Getriebes etc. Wir waren also gleich mittendrin in der Komplexität eines Entwicklungsprozesses“, erinnert sich der 51-Jährige Wirtschaftsingenieur, der neben seiner Funktion als Ideengeber die kaufmännischen Geschicke des Fürther Start-ups leitet. „Trotz serienreifem Prototyp fehlte es uns zur finalen Markteinführung allerdings an Geld“, so Schröder (Teamfoto links). „Auch eine Internetseite sowie funktionierende Marketing- und Vertriebsstrukturen hatten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht.“ Mittlerweile hat Aquakin nicht nur Entwicklungs- und Produktionsspezialisten, sondern auch Marketing- und Vertriebsexperten im Team. „Am Anfang sind wir mit einer anderen Team-Konstellation gestartet. Vor unserer heutigen Formation sind bereits drei Altgesellschafter ausgestiegen, da ihnen die Umsetzung des Vorhabens zu langwierig erschien“, sagt Schröder, der neben dem Gespür für ein innovatives Produkt das „unternehmerische Drumherum“ als die größte Herausforderung für Start-ups sieht.

Finanzierung via Crowdfunding

Auch die Finanzierung von Blue Freedom hatten sich die Tüftler im „Gründerland Deutschland“ einfacher vorgestellt. Da Banken für die Bereitstellung von Krediten Sicherheiten verlangten, entschied sich das Team Anfang des Jahres, die Finanzierung via Crowdfunding auf den Weg zu bringen. „Unsere Kampagne auf der amerikanischen Plattform ‘Kickstarter‘ war ein voller Erfolg“, freut sich Schröder. „Knapp 1.000 Unterstützer aus über 60 Ländern haben unser Projekt mit rund 200.000 Dollar unterstützt. Damit rangieren wir unter den Top 7 der aus Deutschland in den USA gestarteten Crowdfunding-Kampagnen. Darauf sind wir natürlich sehr stolz.“ Außerdem ermögliche diese Form der Finanzierung, weitere Synergieeffekte zu nutzen, ergänzt der CEO: „Crowdfunding bietet eine wunderbare Möglichkeit, die Marktakzeptanz einer Produktidee zu testen. Zudem konnten wir mit geringem Budget ein breites Medienecho schaffen.“ Allein durch die Kickstarter-Kampagne hat Blue Freedom weltweit über 250 Presseveröffentlichungen erhalten und darüber hinaus unzählige Fernsehbeiträge von Malaysia bis Peru. „Auch die deutsche Öffentlichkeit konnten wir so in beeindruckender Weise erreichen. Darunter auch öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten wie BR, RBB, MDR und NDR.“

Wichtige Gründungszutaten: Mut, Zeit, Geld, Netzwerke

Parallel zum Markteintritt von Blue Freedom arbeiten die fränkischen Energie-Pioniere schon am nächsten Projekt. In ihrer Heimatstadt Fürth sind sie gerade mit Hochdruck dabei, die erste Pilotanlage ihres Wirbelwasserkraftwerks zu installieren. Neben Begeisterung für die Sache und hoher Leistungsbereitschaft sieht Schröder mitunter den Mut zum Risiko als wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Unternehmensgründung: „Start-ups brauchen außerdem Zeit, Geld, Realisierungs- und Vermarktungskompetenz und eine gute Gründer-Infrastruktur, wie etwa hier in der Metropolregion Nürnberg. Hinzu kommt ein funktionierendes Netzwerk an Förderern, wie wir es in BayStartUP gefunden haben“, betont der Aquakin-Geschäftsführer. Seit gut 15 Jahren unterstützt die nordbayerische Förderinitiative Gründer dabei, Schlüsselqualifikationen für den Aufbau eines Unternehmens zu entwickeln. „Unsere Hilfe geht von der Konzept-Entwicklung über die Finanzierung bis hin zu nützlichen Kontakten in die Industrie“, erklärt Carsten Rudolph die Arbeit von BayStartUP. „Wir bieten zum Beispiel Workshops zu Fachthemen wie Steuern, Recht, Patentschutz etc. an. Außerdem können Gründerteams ein individuelles Coaching in Anspruch nehmen und unser Handbuch zur Businessplan-Erstellung oder den Gründungsplaner der HypoVereinsbank als Hilfstool nutzen.“ Bei den Businessplan Wettbewerben ginge es darum, Hilfestellung beim Erstellen eines professionellen Geschäftskonzepts zu geben, ergänzt Rudolph. Schließlich sei ein Businessplan nicht nur die Grundlage eines jeden Unternehmens, sondern auch für Investoren und Banken zur Potenzialanalyse relevant. Mittelfristig möchte sich auch Aquakin nach Banken-Partnern umsehen. „Wir brauchen Partner, die uns bei der Inanspruchnahme öffentlicher Fördergelder, bei der Internationalisierung oder auch mit ihrem Netzwerk zu Business Angeln unter die Arme greifen“, so Schröder. „Als Finanzdienstleister und Kooperationspartner von BayStartUP möchten wir die Rahmenbedingungen für die deutsche Start-up-Szene verbessern“, betont Michaela Pulkert von der HypoVereinsbank. „Deshalb ist es uns sehr wichtig, mit Gründern wie Aquakin früh ins Gespräch zu kommen. Je besser wir das Geschäftsmodell junger Unternehmen verstehen, desto effektiver können wir sie mit unserem Spezialisten-Netzwerk im Inland aber auch im Ausland aktiv unterstützen und langfristig begleiten.“

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