Ein Schreibtisch Laptop und einer Hand, die einen Stift hält
17.11.2016

Start-up Investments

„Wir registrieren ein steigendes Interesse an Investments in Start-ups“

Mit einer genialen Idee die Welt verändern, die Lust, sich selbst zu verwirklichen oder die Absicht, ein Unternehmen zu führen: Die Motive, warum Menschen ein Start-up gründen, sind so unterschiedlich wie ihre Erfolgschancen. Bei manchen scheitert es am Geschäftsplan, bei anderen am erforderlichen Kapital. Zum Glück gibt es in Deutschland zahlreiche Geldquellen, die Gründer anzapfen können, zum Beispiel die von Carsten Rudolph, Geschäftsführer von BayStartup, einem der größten Business-Angel-Netzwerke Europas. Im ersten Teil des Interviews erzählt der gebürtige Berliner, was es mit seinem Finanzierungsnetzwerk auf sich hat, was die bayerische Gründerszene so einzigartig macht und welche Zielsetzungen die Zusammenarbeit mit der HypoVereinsbank verfolgt.

Herr Rudolph, Sie sind Geschäftsführer von BayStartup. Was verbirgt sich dahinter?

BayStartup ist, ganz kurz zusammengefasst, die Organisation an der Schnittstelle von Gründern, Investoren und Industrie in Bayern. Wir sind als GmbH aufgestellt, hinter uns stehen als Gesellschafter zwei Fördervereine sowie für unsere Finanzierung private Sponsoring-Partner, die durch eine Förderung des Bayerischen Wirtschaftsministeriums ergänzt werden. BayStartup unterstützt Start-ups in der Zeitspanne von unter einem bis mehr als fünf Jahren aus allen innovativen Branchen. Bei der Finanzierungssuche unterstützen wir junge Unternehmen von Pre-Seed bis zur Series-A-Runde. Entsprechend liegt der Fokus der bei uns gelisteten Business Angels und Venture-Capital-Investoren. Als Vorbereitung für junge Unternehmen dienen unsere Businessplanwettbewerbe in München und in Nordbayern sowie unser breites Ausbildungs- und Coachingprogramm.

BayStartup – da klingt im Namen Bayern an. Wie bedeutend ist ihr Finanzierungsnetzwerk für die Gründerszene im Freistaat, gerade im Gegensatz zur selbstorganisierten Netzwerkbildung in Metropolen wie Berlin oder Hamburg?

Im Finanzierungsnetzwerk halten wir einen sehr hohen Qualitätsstandard und konzentrieren uns ausschließlich auf sehr gut vorbereitete, passgenaue Matchings. Das ist ein einzigartiges Angebot sowohl für Start-ups als auch Investoren, wie uns von beiden Seiten zurückgespielt wird. Ich denke, dieser Personalisierungsgrad und diese effiziente Struktur können nicht in Netzwerken geleistet werden, die eher zufällig entstehen. Darüber hinaus ist es im Flächenland Bayern über unser Netzwerk auch möglich, ein Start-up aus Buxheim im Allgäu mit einem Investor aus Gunzenhausen im Fränkischen Seenland zusammenzubringen. Gerade auf Seiten der Privatinvestoren sehen wir ein kontiniuerlich steigendes Interesse an Investments in Start-ups. Es spricht sich herum, dass diese Beteiligungen sehr, sehr spannend sind, trotz des damit verbundenen Risikos.

Wo sehen Sie Ihre Aufgabe, bevor Sie Gründer mit Investoren zusammenbringen?

Wir wenden einen relativ strengen Auswahlprozess für das Finanzierungscoaching an. Wir nehmen nur Gründer auf, bei denen wir grundlegendes Potential für eine externe Finanzierung sehen, also vor allem mit ausreichend großen Wachstumschancen und guten Perspektiven entweder für langfristiges Wachstum oder einen guten Exit. Die ausgewählten Start-ups bereiten wir dann intensiv vor. Dabei geht es um das Geschäftsmodell – vor allem die Frage, wo man das Wachstumspotential eventuell noch vergrößern könnte – und um die typischen Unterlagen, die Investoren sehen wollen: Von Kurzinfos und 2-Pagern über ein Read-Deck bis zum ausführlichen Businessplan. Wir üben zudem mit den Start-ups im Finanzierungscoaching Pitch-Formate, damit sie ihr Potential auch gut rüberbringen können.

Seit 20 Jahren profitieren Gründer von Ihrem Münchner Businessplan-Wettbewerb. Wie hat sich die Start-up-Landschaft in Bayern seitdem verändert?

Ich würde sagen, die Szene ist schneller, dynamischer und dabei auch professioneller geworden. Insgesamt kommen die Gründer heute besser vorbereitet und mit fundierten Strategien zu uns. Thematisch sind digitale Geschäftsmodelle seit einigen Jahren auf dem Vormarsch. Beziehungsweise, auch im Gründerbereich ist die Digitalisierung immer mehr eine Querschnittstechnologie. Ich kenne heute kaum noch ein Start-up, das nicht im Kern weitgehend software-getrieben ist.

Wie beurteilen Sie die aktuelle Lage im Freistaat?

Bayerns Start-up-Szene entwickelt sich kontinuierlich weiter auf einem hohen Niveau, und das schon seit über 20 Jahren. Es gibt grundlegende Erfolgsfaktoren, die in Bayern – ganz unabhängig von kurzlebigen Trends – eine sehr gute Grundlage für Start-ups schaffen. Dazu gehören die ausgezeichnete Hochschul- und Forschungslandschaft, aus der viele High-Tech-Gründer, aber auch hochqualifizierte Mitarbeiter stammen. In der ansässigen Industrie mit zahlreichen DAX-Unternehmen und den vielen, gut aufgestellten kleinen und mittleren Unternehmen finden gerade die technologie- und B2B-orientierten Gründer Kunden. Die räumliche Nähe ist hier ein Riesenvorteil bei der Akquise und Kundenbetreuung. Auch bei der Finanzierung stehen die Chancen gut für Start-ups mit hohem Potential. Es gibt eine Vielzahl interessierter Privatinvestoren. Das Business-Angel-Netzwerk von BayStartup ist eines der größten in Europa. Neben privaten VC-Investoren sind es in Bayern besonders die öffentlichen Wagniskapitalgeber, die investieren und ganz massiv den Kapitalmarkt für die Seed-, aber auch die frühe Wachstumsphase stärken.

Wo sehen Sie hier Nachholbedarf?

Ich denke, es gibt noch ungenutztes Potenzial bei der Kooperation zwischen Start-ups und Industrie beziehungsweise etablierten Unternehmen. Da gibt es auf Seiten der größeren Unternehmen noch Berührungsängste. Außerdem ist nicht allen Vorständen und Geschäftsführern schon bewusst, wie vielfältig diese Kooperationen aussehen können und auf wie viele Arten beide Partner profitieren können. Die Möglichkeiten reichen von reinen Geschäftsbeziehungen über Entwicklungskooperationen bis zu strategischen Investments. Auch hier unterstützen wir aktiv und stellen beiden Seiten – den Start-ups und den etablierten Unternehmen – unsere Expertise zur Verfügung.

Wie kam es zur Zusammenarbeit zwischen HypoVereinsbank und BayStartup?

Wir pflegen die Kontakte bereits seit vielen Jahren, entstanden sind diese mit der Zielsetzung, Start-up-Unternehmen besser zu betreuen – hier haben wir ein gemeinsames Interesse. Aus unserer Perspektive ist es spannend, eine Bank an unserer Seite zu haben, die das Thema Start-ups hoch priorisiert und ein Interesse hat, sehr früh viel Zeit in eine solche Kundenbeziehung zu investieren. Denn bei ambitionierten Gründern ist es allein mit dem Online-Girokonto nicht getan.

Auf welche Schwerpunkte konzentriert sich die Kooperation?

Wir haben mit den Bayerischen Businessplan Wettbewerben begonnen, für die HVB-Ansprechpartner als Juroren tätig sind. Darüber hinaus richten wir gemeinsam die großen Prämierungsveranstaltungen aus. Weiterhin unterstützen wir von Beginn an intensiv den Auswahlprozess beim HVB Gründerinnen-Mentoring.

Wie können Gründer und Start-ups davon profitieren?

Start-ups benötigen auf Bankseite frühzeitig Ansprechpartner, die bereit sind, die Ambition zu verstehen und das hohe Tempo mitzugehen. Auch sind Wünsche, bereits sehr früh in der Unternehmensphase komplexe Bankgeschäfte wie Auslandsbanking, Cash Management und so weiter abzuwickeln, nicht unüblich. Hier sehen wir die Spezialisten der HVB im Tech-Team bestens gerüstet.

Im zweiten Teil des Interviews verrät Carsten Rudolph, wie Start-ups in Deutschland an die VC-Töpfe kommen, welche Investoren erreichbar sind und was diese von Gründern erwarten.

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