German Accelerator
04.05.2015
Gastbeitrag

Startup Accelerator

HVB-Mentee im Silicon Valley: „Goldgräberstimmung“

Mit ihrem Start-up Landpack konnte Patricia Eschenlohr die Jury des HVB Frauenbeirats überzeugen. Als Gewinnerin des HVB Gründerinnen-Mentoring durfte sie im April für sieben Tage den Gründerspirit im Silicon Valley erleben. Hier ihr Bericht aus dem kalifornischen Mekka der Start-up Szene.

Unglaublich, dass ich als diesjährige HVB-Mentee am Bootcamp des German Accelerators in Palo Alto teilnehmen durfte. Stehen wir doch gerade in den Startlöchern für die Markteinführung unserer Verpackung in Deutschland – und schon wird der amerikanische Markt beleuchtet.

Was nehme ich mit aus einer Woche intensiver Workshops mit inspirierenden Mentoren, erfolgreichen Unternehmern und Experten, eigenen Pitches und Kundengesprächen? Vor allem, dass ein derartiges Programm für deutsche Start-ups eigentlich ein MUSS ist, bevor man sich auf den amerikanischen Markt wagt. Zu groß sind die Unterschiede – eine derartige Vorbereitung, wie sie das Programm des German Accelerators bietet, ist eine hervorragende Grundlage. Und: Jeder möchte hier das nächste Facebook werden. Mittelstand genügt nicht. Es herrscht Goldgräberstimmung.

Meine Eindrücke vom Silicon Valley insgesamt? Zum Teil so, wie ich es mir vorgestellt hatte, zum Teil extremer.

Immer und überall online sein, ist essentiell

Wer offline ist, hat es im Alltag schwer. Beispiel Transport: Die Distanzen sind riesig, die öffentlichen Transportmittel beschränkt und langsam, Taxis teuer und nur noch selten anzutreffen. Der öffentliche Transport verläuft zum Großteil über Uber oder Lyft. Kein Problem, auch für mich mit deutscher SIM Karte – Starbucks & Co, die das Stadtbild ohnehin beherrschen, bieten alle kostenloses WLAN – auch ohne Konsum. Das Tolle daran: Viele der Fahrer sind Gründer oder angehende Gründer und damit ist für reichlich spannenden Gesprächsstoff gesorgt. Aus schierer Freundlichkeit kann eine Uber-Fahrt zur Golden Gate Bridge auch zu einer dreistündigen (unbezahlten) Sightseeing-Tour durch San Francisco werden.

Wer zur Rushhour im Caltrain sitzt, der die Bay Area mit San Francisco verbindet, merkt, dass Zeitungen und Bücher hier Geschichte sind. Praktisch ausnahmslos wird während der teils mehrstündigen Pendelei übers Smartphone, Tablett oder Laptop gearbeitet.

Büro auf Zeit

Wer denkt noch an Büros mit fixer Miete? Palo Alto Downtown ist geprägt durch zahlreiche Cafés, die bevölkert werden von vorwiegend jungen Männern mit Laptop, die den Ort zum persönlichen Arbeitsplatz machen. Wer möchte, kann dort abgeschlossene Räumlichkeiten für Besprechungen mieten, natürlich aus Glas. Transparenz als Motto und Geschäftsmodell des Silicon Valley.

Gründer überall

Ob Uber-Fahrer oder Passanten auf der Straße: Viele, mit denen man spontan ins Gespräch kommt, sind Gründer und einige haben schon bei deutschen Start-ups in Deutschland gearbeitet. Ihre Geschäftsmodelle sind allesamt digital geprägt, Gründer aus einem produzierenden Gewerbe habe ich nicht getroffen.

Auch auf dem sonntäglichen Farmers Market finden sich zwischen Kraut- und Muffin-Ständen Studenten, die ihre Geschäftsideen direkt am Kunden testen, Interviews führen und fleißig Preisvorstellungen notieren. Zum Beispiel sehr fragile, rudimentäre, aus Heißkleber gefertigte Schuhe, die in Farbe und Form individuell erstellt und am 3D-Drucker gedruckt werden sollen. Prototypen, die sich in Deutschland niemand trauen würde in so einem frühen Stadium der Öffentlichkeit vorzustellen. Im Grunde genommen geht es darum, eine Idee, eine Vorstellung direkt mit potenziellen Kunden zu diskutieren.

Mein Fazit: Ein Unternehmen zu gründen, scheint im Tal der Bits und Bytes das Allernormalste auf der Welt zu sein. Ein bisschen mehr Silicon-Valley-Mentalität würde uns in Deutschland auch gut tun!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

back to top