Gründerinnen im Fokus

18.02.2014

Startup für ein neues Pflegesystem

Nicola Rodewald will nicht weniger als dem drohenden Kollaps des Pflegesystems hierzulande entgegenwirken. Der Einsatz: Ihr Startup, das für Unternehmen, Kommunen und Institutionen die Vereinbarkeit von Pflegeaufgaben und Berufstätigkeit realisiert.

Fast drei Millionen pflegebedürftige Menschen werden nach Angaben des statistischen Bundesamts im Jahr 2020 in Deutschland leben. Schon heute werden mehr als zwei Drittel der Pflegebedürftigen in häuslicher Pflege versorgt – in neun von zehn Fällen durch Familienmitglieder. Das Problem dabei: Fast die Hälfte der circa 4,6 Millionen Menschen, die sich derzeit um betroffene Angehörige kümmert, ist beruftstätig. Deshalb gilt es Arbeitsbedingungen zu schaffen, die Berufstätige mit Pflegeaufgaben bestmöglich unterstützen. Jedoch wissen viele Unternehmen bislang weder, wie viele ihrer Beschäftigten betroffen sind, noch, wie sie unterstützen können und welches Außmaß die Doppelbelastung von Beruf und Pflege

Pflege und Berufstätigkeit ermöglichen

Eine, die das Außmaß kennt, ist Nicola Rodewald. Die promovierte Krebsforscherin hat mehrere Jahre als Unternehmensberaterin im Gesundheitssektor gearbeitet. In dieser Zeit hat sie Kranken- und Pflegekassen, aber auch Krankenhäuser und Pflegeheime auf dem Gebiet der Vereinbarkeit von Pflege und Berufstätigkeit beraten. “Mit der Zeit entstand der Wunsch, den Betroffenen im Bereich Pflege eine Unterstützung zu bieten, die wirklich effektiv ist”, erklärt Rodewald und ergänzt: “Da die Arbeitgeber ebenfalls stark unter dem demografischen Wandel leiden, kam die Idee, die Vereinbarkeit von Pflege und Berufstätigkeit durch innovative Dienstleistungsangebote zu ermöglichen.” Mit der Gründung von Amiravita im Jahr 2011 ist aus der Geschäftsidee schließlich Realität geworden.

Pflegeberatung für Mitarbeiter

Nicola Rodewald sieht sich als Dienstleister für Unternehmen, Kommunen und Institutionen mit Mitarbeitern, die pflegebedürftige Angehörige haben. “Wir beraten betroffene Mitarbeiter in allen Fragen rund um die Pflege, und das in einem Umfang, den es so in Deutschland noch nicht gibt.” Darüberhinaus bietet Amiravita auch die Übernahme von Pflegetätigkeiten an. So können Arbeitgeber mit Hilfe von Nicola Rodewald eine betriebseigene Tagespflegeeinrichtung für pflegebedürftige Angehörige von Mitarbeitern aufbauen und betreiben. Dafür schließen Unternehmen mit Amiravita einen Kooperationsvertrag. Dieser ermöglicht es den betroffenen Mitarbietern, auch die Pflegeberatung des Startups in Anspruch zu nehmen.

Wachsender Druck auf Arbeitgeber

Amiravita ist kein Pflegeunternehmen im klassischen Sinn. “Wir spannen die Unternehmen mit ein, Pflegebedürftige und ihre Angehörigen zu unterstützen”, erklärt Rodewald: “Die Politik ist meines Erachtens in Zukunft auf eine solche Subventionierung des Pflegesystems durch die Arbeitgeber angewiesen. Deswegen passt unser Geschäftsmodell in diese Zeit und noch mehr in die Zukunft.” Das spürt die Kölnerin auch bei den Arbeitgebern. “Dort wächst der Druck, im Bereich Pflege aktiv zu werden, weil immer mehr Mitarbeiter betroffen sind und sich das auf die Leistungsfähigkeit des Unternehmens auswirkt.”

Ziel: Beste Pflegeberatung am Markt

Dass das Geschäftsmodell hinter Amiravita zukunftsweisend ist, hat auch die Jury des HVB Frauenbeirats erkannt. Sie wählte das Startup im Juni 2013 in das HVB Mentoring-Programm für Unternehmens-Gründerinnen, das nun zu Ende geht. Welches Fazit zieht Rodewald? “Zum einen wollte ich von den Erfahrungen der erfolgreichen Mentorinnen in der Selbständigkeit profitieren. Zum anderen sah ich es als große Chance, beruflich hilfreiche Kontakte zu knüpfen. Diese Erwartungen haben sich voll erfüllt.”

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wird es im Jahr 2030 in Deutschland mehr als 3,4 Millionen Pflegebdürftige mit einer Pflegestufe geben. Eine Zahl, die Herausforderung ist für Nicola Rodewald: “Unser erstes Ziel ist, unsere Pflegeberatung stetig weiter zu vermarkten und weiter zu entwickeln, um die qualitativ beste Unterstützung am Markt anzubieten. Unser zweites Ziel ist, in naher Zukunft die erste betriebseigene Tagespflege in Deutschland mit einem Unternehmen zu eröffnen.”

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