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06.03.2017

Stiftungen Deutschland

Stiftungen in Deutschland: Im Dienste der Gesellschaft

Ideale verwirklichen, Werte verkörpern, Gutes tun: Wer eine gemeinnützige Stiftung gründet, hat eine Vision vor Augen und leistet einen freiwilligen Beitrag für das Gemeinwohl. Vom aktuellen Niedrigzinsumfeld bleiben jedoch auch gute Zwecke nicht verschont. Deshalb sollten Kapitalstiftungen prüfen, welche Anlagemöglichkeiten eine Alternative zum klassischen Portfolio bieten können. Welche Investments sich für Stiftungen eignen und welche Restriktionen dabei zu beachten sind, darüber informieren Experten auf dem diesjährigen Deutschen StiftungsTag in Osnabrück.

In Deutschland blüht eine lebendige Stifterkultur. Einer aktuellen Studie des Bundesverbands Deutscher Stiftungen zufolge gibt es derzeit deutschlandweit rund 21.300 Stiftungen – Tendenz steigend! Allein für das vergangene Jahr zählte die Studie 583 Neugründungen, in den letzten 15 Jahren hat sich ihre Anzahl nahezu verdoppelt. Laut Studie verfügen sie über ein geschätztes Gesamtvermögen von 100 Milliarden Euro, gut 95 Prozent unter ihnen widmen sich gemeinnützigen Zwecken wie Bildung, Kultur oder Umweltschutz. So unterschiedlich wie die Zwecke, so verschieden sind auch die Persönlichkeiten und Motive, die hinter jedem Engagement stehen. „Der eine will der Gesellschaft etwas zurückgeben, weil er selbst in früheren Jahren Unterstützung bekam“, weiß Sandra Bührke, verantwortlich für das Stiftungsmanagement bei der HypoVereinsbank in München. „Der andere hat keine ihm nahestehenden Angehörigen oder ist von einem besonderen Schicksal betroffen.“

Stiftungsgründung: Engagement für den guten Zweck

Was aber alle Stifter verbindet sind Überzeugung und Einsatz für eine Herzensangelegenheit. Eine Stiftung gründen kann grundsätzlich jeder, der über die nötigen Mittel verfügt. Wer also etwa eine größere Summe erbt oder eine Lebensversicherung ausbezahlt bekommt, kann sich im Rahmen seiner Vermögensnachfolge überlegen, ob er sich mit dem Geld an sinnvoller Stelle einbringen will. Jedoch sollten potenzielle Stifter kritisch hinterfragen, ob ihre Mittel für das geplante Vorhaben tatsächlich ausreichend sind. Ist der Zweck gemeinnützig, mildtätig oder kirchlich ausgerichtet, ist die Stiftung sogar von Steuern befreit. „Je nach Bundesland und zuständiger Stiftungsbehörde variiert die Mindestgrenze des Startvermögens zwischen 25.000 und 60.000 Euro“, erklärt Bührke. „Voraussetzung für eine Anerkennung ist jedoch stets, dass die verfügbaren Erträge aus diesem Vermögen in einem gesunden Verhältnis zum voraussichtlichen Aufwand für die Zweckerfüllung stehen.“ Allerdings: Eine eigene Stiftung muss nicht immer der Königsweg sein. Immerhin verlangt ein solches Engagement nach aktiver Arbeit und viel Zeit. „Wenn wenig Zeit der aktiven Unterstützung einer guten Sache entgegensteht, sind Spende oder auch Zustiftung gute Alternativen.“

Stiftungsmanagement: Zwischen Zweckerfüllung und Ertragsoptimierung

Wer sich für eine Stiftung entscheidet, sollte sich von Beginn an kompetente Partner an die Seite holen. Schließlich ist eine solche Gründung für die meisten Menschen kein Alltagsgeschäft. „Schon vor dem Start werden dauerhaft die Weichen für die spätere Arbeit gestellt. Förderdetails sind zu klären, Stiftungsorgane, Rechtsform und Management zu bestimmen, über Finanzen und Satzung zu entscheiden etc.“, betont die Stiftungsexpertin. „Fehler und Versäumnisse lassen sich später oft nicht mehr korrigieren. Auch in der laufenden Administration ist professionelle Unterstützung von entscheidender Bedeutung für den Erfolg.“ Denn: Stiftungen sehen sich mit komplexen Rahmenbedingungen konfrontiert – sie stehen in einem beständigen Spannungsverhältnis aus Verwendungs- und Erhaltungspflicht.  Laut Gesetz müssen sie einerseits ihren Kapitalstock erhalten, andererseits gilt es gemäß Satzung, einen dezidierten Stiftungsweck zu erfüllen.

Finanzplanung: Sicher navigieren!

Hinsichtlich ihrer Vermögensanlage müssen Stiftungen also den Spagat zwischen Ertragsoptimierung und Risikominimierung meistern. Eine besondere Herausforderung gerade in Zeiten dauerhaft niedriger Zinsen. „Eine langfristige Finanzplanung kann Stiftungen wertvolle Orientierung geben“, betont die Expertin. „Ein solider Stiftungsfinanzplan macht deutlich, wie sich Vermögenswerte und Zahlungsströme in den kommenden Jahren voraussichtlich entwickeln werden. So lässt sich nicht nur der Erfolg des Vermögenserhaltungskonzepts besser einschätzen, sondern auch die Mittel, die auf absehbare Zeit für die Zweckverwirklichung zur Verfügung stehen.“ Damit das Stiftungsvermögen jederzeit optimal aufgestellt ist, sollte die Finanzplanung alle ein bis zwei Jahre überprüft werden, ergänzt Bührke. „Ein verbindliches und transparentes Finanzkonzept beinhaltet im Idealfall übrigens auch eine schriftliche Anlagerichtlinie, die konkrete Vorgaben für die Anlagestrategie, etwa Anlageziele, Anlageinstrumente, Restriktionen zur Risikominimierung oder auch Hinweise zur künftigen Vermögensgestaltung enthält.“

Vermögensmanagement: Werte mit Vergangenheit und Zukunft

Stifter haben ein feines Gespür dafür, wo Unterstützung in der Gesellschaft nötig ist. Bei ihrer Anlageaufteilung aber lassen sie sich oftmals von überholten Verhaltensmustern leiten. „Viele Stiftungen verfügen über ein klassisches Portfolio, das sich zu einem großen Teil aus Einlagen und Rentenpapieren zusammensetzt. Eine Kombination, die in Zeiten niedriger Zinsen zunehmend den Kapitalerhalt erschwert.“ Um die Chance auf einen langfristigen Werterhalt zu erhöhen, empfiehlt die Expertin, das Stiftungsvermögen ausgewogenen zu streuen. Zum Beispiel durch eine adäquate Umschichtung in Substanzwerte – neben Aktien vor allem in Immobilien oder auch Immobilienfonds. „Steigende Grundstückspreise können im Idealfall zur Vermögenserhaltung beitragen, die Mieteinnahmen für auskömmliche Erträge sorgen.“ Dennoch gibt sie zu bedenken: „Im Vergleich zu Einlagen und Rentenpapieren stehen den Renditechancen von Sachwerten aber auch deutlich höhere Verlustrisiken, beispielsweise durch örtliche Immobilienmarktschwankungen oder Mietausfälle, gegenüber.“ Vor einem Direktinvestment gilt es außerdem zu bedenken, dass eine Finanzierung bei steuerbegünstigten Stiftungen deutlich komplexer als bei anderen Investoren ist. „In diesem Fall stehen die Mieterträge aufgrund der vorrangigen Zweckerfüllung im Regelfall nur begrenzt für die Tilgung zur Verfügung.“

Immobilien: Alternative zu Staatspapieren

Welches Investment das Richtige ist, hängt nicht nur vom Investitionsvolumen und der Risikoneigung, sondern auch von Kriterien wie Kosten, Verwaltungsaufwand und Rechnungslegung ab. Obwohl oftmals nur die großen Stiftungen unmittelbar in Wohn- oder Bürobauten investieren können, stehen auch kleinen und mittleren Einrichtungen Wege an den Immobilienmarkt offen. „Neben einem klassischen börsengehandelten Immobilienfonds können sich Stiftungen zum Beispiel an sogenannten ‘Private Placements‘ beteiligen. Also sich mit Gleichgesinnten zusammenschließen und gemeinsam in ein Projekt investieren“, erklärt die Expertin. „Transparenz und Einfluss sind hier erheblich größer als bei den Publikumsfonds, oft aber auch Aufwand und Risiko.“ Eine weitere Option sind öffentlich angebotene geschlossene Sachwertefonds, die einem größeren Kreis von Investoren die Möglichkeit bieten, sich an einer oder mehreren Immobilien, häufig an Büro- oder Gewerbeimmobilien, zu beteiligen. „Die Stiftung kann sich hier als Gesellschafterin ein detaillierteres Bild vom Geschäftsmodell machen, übernimmt als Investor aber auch ein unternehmerisches Risiko – bis hin zum Totalverlust.“ Denn: Der Erfolg der Anlage stehe und falle mit der Auswahl und Bewirtschaftung der Fondsobjekte als auch mit den Fähigkeiten des beauftragten Fondsmanagements, ergänzt Bührke. „Vor der Zeichnung sollte der Vorstand nicht nur Chancen und Risiken genau abwägen, sondern auch klären, wie die Kosten der Zeichnung, der Wert der Beteiligung und die Ausschüttungen in der Stiftungsbilanz abzubilden sind.“

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