Stiftungsgründung
09.03.2017
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Stiftungsgründung

Stifterin Petra Matusche baut Bildungsbrücken für junge Flüchtlinge

Sie engagieren sich für das Gemeinwohl, stiften Geld und viel Herzblut für den guten Zweck. Rund 21.000 Stiftungen in Deutschland übernehmen derzeit wichtige Aufgaben, für die der Staat einfach nicht die nötigen Ressourcen hat. Bildung, Kultur, Umweltschutz – die Visionen der Gründer sind ebenso unterschiedlich wie die Stifter selbst. Eine unter ihnen ist die Wahlmünchenerin Petra Matusche. Ihre Mission: Hilfe für Verfolgte und Flüchtlinge, die durch Studien-Stipendien eine Zukunftsperspektive bekommen sollen.   

Ihre Biografie beschreibt Petra Matusche mit einem Schmunzeln als „Nomadenleben“ – aber das im durchaus positiven Sinn. In ihrer buchstäblich bewegten Vita ist die Kosmopolitin weit herumgekommen, hat viele Städte, Länder und Kulturen kennengelernt. Beständigkeit in der Veränderung – diese Formel bringt das Leben der 73-Jährigen wohl am besten auf den Punkt. Unzählige Ortswechsel und damit verbundene „Neuanfänge“ gehörten für die gebürtige Schlesierin von klein auf zur Tagesordnung, seit ihre Familie 1945 vor den Wirren des Zweiten Weltkriegs nach Deutschland und Frankreich floh. „Seit ich denken kann, war mein Zuhause dort, wo ich mich eben gerade befand“, erzählt Matusche. „Auch wenn es nicht immer einfach war: Die vielen Eindrücke und Erfahrungen empfinde ich als eine große Bereicherung.“

Aktiv im Ruhestand: Deutschlehrerin als Ehrenamt

Als langjährige Mitarbeiterin am Goethe-Institut verbrachte die studierte Philosophin später über 30 Jahre beruflich in Asien, engagierte sich in Japan, Indien und Korea als deutsche Referentin für den Kulturaustausch. Nach ihrer Pensionierung kehrte Matusche schließlich nach Deutschland zurück. „Mit großer Sorge beobachtete ich dort, dass sich Parallelgesellschaften entwickelt hatten. Angetrieben vom Bedürfnis, einen Beitrag zur Integration zu leisten, beschloss ich kurzerhand, mich ehrenamtlich zu engagieren.“ Die Freiwilligen-Agentur Tatendrang vermittelt sie kurze Zeit später als Deutschlehrerin an junge Flüchtlinge. Durch diese Tätigkeit hat die umtriebige Seniorin übrigens auch einige ihrer heutigen Stipendiaten kennengelernt.

Von der Erbin zur Stifterin

Das Schicksal dieser Menschen liegt Petra Matusche seither ganz besonders am Herzen. Schließlich hat das Thema Flucht auch in ihrem eigenen Leben eine prägende Rolle gespielt. Als sie dann vor einigen Jahren eine beträchtliche Summe erbte, stand für die Ehrenamtliche fest, sich als Stifterin zu engagieren. „Eine Erbschaft ist in meinen Augen unverdientes Geld. Das Geld einfach zu verprassen, passt nicht zu meiner Lebensphilosophie“, erklärt Matusche ihre Beweggründe. „Ich hatte sehr viel Glück in meinem Leben – ich durfte studieren, hatte einen erfüllenden Beruf und konnte dadurch ein selbstständiges und freies Leben führen. Diese Werte sind mir viel wichtiger als Besitz. Deshalb wollte ich die Erbschaft an jene Menschen weitergeben, die das Geld viel dringender brauchen als ich.“

Stiftungsberatung: Hilfe für Helfer

Von der ersten Idee bis zur tatsächlichen Gründung war es allerdings ein weiter Weg. „Mein erster Gedanke war eine Zustiftung. Auf einem Stiftungstag habe ich mich dann ausführlich über alle Möglichkeiten informiert.“ Ein Tipp ihres Beraters bei der HypoVereinsbank brachte Matusche letztlich mit der Institution „Stifter für Stifter“ zusammen. „Dort bekam ich dann die nötige Unterstützung. Im Prinzip wusste ich gar nicht genau, welche Stiftungsform für mich überhaupt in Frage kommt. Auch hinsichtlich des Zwecks hatte ich nur die vage Vorstellung, dass ich mich irgendwie im Bereich Flüchtlinge und Bildung engagieren wollte.“ „Eine Stiftungsgründung ist ein komplexes Vorhaben, das trotz bester Absichten auch sehr viel Fehlerpotenzial birgt“, betont Sandra Bührke, verantwortlich für das Stiftungsmanagement bei der HypoVereinsbank. „Schließlich sind nicht nur finanzielle, sondern auch rechtliche und steuerliche Aspekte zu berücksichtigen. Deshalb sollten Interessenten möglichst frühzeitig professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.“

Zusatzstipendien schließen Versorgungslücke

Im Jahr 2012 machte die damals 69-Jährige Nägel mit Köpfen und gründete die Matusche-Studienhilfe-Stiftung. Mittlerweile betreut ihre Stiftung insgesamt vier Stipendiaten: Drei befinden sich im Studium, einer absolviert gerade eine Ausbildung im Rahmen eines dualen Programms. Den Fokus ihres Stiftungszwecks hat die Münchnerin übrigens ganz bewusst im Bereich der Sonderhilfe zu Bildungszwecken gelegt. Im Austausch mit dem bayerischen Kultusministerium hatte sie nämlich erfahren, dass gerade bei jungen Flüchtlingen eine Versorgungslücke zwischen Schule und Ausbildung klafft. „Mit Erlangen der Volljährigkeit ist das Jugendamt nicht mehr für sie zuständig. In dieser Phase fehlt es ihnen oft an der nötigen Unterstützung. Genau an dieser Stelle sollen die Stipendien eine Brücke schaffen, die den jungen Menschen hilft, den Übergang erfolgreich zu meistern.“

MünchnerStiftungsFrühlung Veranstaltungswoche für Stiftungsinteressierte

Unter dem Motto „Informieren – Vernetzen – Mitmachen“ können sich Stiftungsinteressierte vom 24. bis 30. März 2017 über die vielfältige Münchner Stiftungslandschaft informieren und sich von ihrem umfangreichen Engagement für das Gemeinwesen inspirieren lassen. In rund 250 Einzelveranstaltungen (Workshops, Vorträge, Lesungen etc.) präsentieren etwa 130 Stiftungen ihre thematischen Schwerpunkte und liefern Besuchern wertvolle Anregungen zum Sichinformieren, Mitmachen, Nachdenken und Nachahmen – vor allem aber zum Kennenlernen. Der Auftakt der Veranstaltungswoche findet am 24. und 25. März in der BMW-Welt statt. Umfassende Informationen zum MünchnerStiftungsFrühling finden Sie HIER.

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