24.10.2014
Tipp

Studienfinanzierung

Gut geplant ist halb studiert: So finanzieren Sie Ihr Studium

Wer finanziell fest im Sattel sitzt, denkt oft verklärt an die Studententage zurück: „Das waren noch Zeiten, als gegen Monatsende nur noch der Erlös der Pfandflaschensammlung eine warme Mahlzeit ermöglichte. Tja, das Geld war knapp, aber wir waren jung und glücklich!“ Nun, wer gerade mitten im Studium steckt, wird beim Balanceakt am Rande des Existenzminimums weniger romantische Gefühle entwickeln. Aber was kostet ein Studium eigentlich und wie kann man es finanzieren?

Die gute Nachricht zuerst: Studieren lohnt sich! Laut dem Bildungsbericht 2014 der OECD verdienen Akademiker in Deutschland 74 Prozent mehr als Erwerbstätige ohne Hochschulabschluss. Zudem betrug der Anteil an Arbeitslosen mit Hochschulabschluss nur 2 Prozent. Dennoch erlangen in Deutschland fünf Prozent weniger Menschen einen akademischen Grad als im OECD-Durchschnitt. Woran liegt das? Nach wie vor spielt die soziale Herkunft eine große Rolle für den eigenen Bildungsstand. Nur 35 Prozent der Studierenden stammen aus einem Elternhaus mit einem niedrigeren Bildungsniveau. Und auch die vermeintliche finanzielle Unsicherheit hemmt viele, ein Studium aufzunehmen.

Knapp 800 Euro pro Monat müssen Studenten aufbringen

„Die wirtschaftliche und finanzielle Lage der rund 2,5 Millionen Studierenden in Deutschland ist recht unterschiedlich“, sagt Stefan Grob, Sprecher des Deutschen Studentenwerks. „15 Prozent der Studierenden haben im Durchschnitt weniger als 600 Euro im Monat zur Verfügung. Für sie ist es sicher insgesamt schwierig, ihr Studium überhaupt zu finanzieren. Grundsätzlich halten 68 Prozent der Studierenden ihre Studienfinanzierung für gesichert – das heißt im Umkehrschluss, dass sie für ein Drittel eben nicht gesichert ist.“ Laut der 20. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks geben Studierende durchschnittlich knapp 800 Euro für ihren Lebensunterhalt im Monat aus. Hinzu kommen noch die Semestergebühren, die je nach Bundesland und Hochschule unterschiedlich hoch ins Kontor schlagen. „Im bundesweiten Durchschnitt liegen die Einnahmen der Studierenden bei 864 Euro im Monat. 30 Prozent haben wiederum mehr als 1.000 Euro Einnahmen“, so Grob weiter. „Große Probleme bereitet den Studierenden allgemein, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Die Lage auf den städtischen Wohnungsmärkten verschärft sich zusehends. Dieses finanzielle Problem kennen alle Studierenden.“

Mit einer vorausschauenden Planung und ein wenig Disziplin lässt sich der finanzielle Balanceakt am Rande der Armutsgrenze, die in Deutschland 2014 bei 781 Euro netto für einen Single-Haushalt lag, dennoch gut bewältigen. Immerhin ermöglicht eine Reihe von Finanzierungsmöglichkeiten den sicheren Weg durchs Studium.

Gesetzlich verpflichtet: Die Unterstützung der Eltern

87 Prozent aller Studierenden erhalten regelmäßige Finanzspritzen von den Eltern. Wie hoch die Unterstützung ausfällt ist unterschiedlich und richtet sich nach den finanziellen Möglichkeiten der Eltern und den Einkünften des studierenden Kindes. Der Regelhöchstsatz liegt bei 670 Euro plus Studiengebühren und Krankenversicherung. Im Schnitt finanzieren Eltern in den neuen Bundesländern 46 Prozent des Studiums ihres Nachwuchses, in den alten Bundesländern sind es 48 Prozent. Wichtig zu wissen: Bis zum Abschluss der ersten Berufsausbildung sind Eltern gesetzlich verpflichtet, ihren Kindern finanziell unter die Arme zu greifen. Eine zeitliche Begrenzung der Unterstützungspflicht gibt es nicht. Nur „Bummelstudenten“ werden es schwer haben, können doch die Eltern regelmäßige Nachweise über das Studium verlangen.

Ackern für die Zukunft: Der Studentenjob

63 Prozent der Studierenden haben einen Nebenjob. Neben dem Mini-Job auf 450 Euro-Basis, bieten ebenfalls Beschäftigungen in einem Midi-Job, als Werkstudent oder während der Semesterferien steuerliche und sozialversicherungsrechtliche Entlastungen. Für Studenten gilt das Arbeitsrecht wie für alle anderen Arbeitnehmer auch. Sie haben Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Urlaubstage, einen schriftlichen Arbeitsvertrag usw. Bei allen Jobs muss darauf geachtet werden, dass Wochenstundenzahl und Einkommen bestimmte Höchstgrenzen nicht überschreiten. So erhält zum Beispiel nur weiter Kindergeld, wer nicht mehr als 20 Stunden pro Woche arbeitet. Sonderregelungen gibt es für das Duale Studium und Pflichtpraktika. Doch ob als studentische Hilfskraft beim Prof oder als Aushilfe beim künftigen Traum-Arbeitgeber: Wer schon als Student Freud und Leid der Arbeitswelt kennenlernt, macht wertvolle Erfahrungen für die spätere Karriere!

Willys Weg: Das BAföG

BAföG oder kein BAföG – das ist für viele Studierende die Frage! Auch wenn viele nicht wissen, dass sie eigentlich einen Anspruch auf die staatliche Förderung hätten, erhalten immerhin 24 Prozent der Studenten an deutschen Hochschulen BAföG. Der staatliche Zuschuss kann maximal 670 Euro betragen und wurde 1971 unter Bundeskanzler Willy Brandt ins Leben gerufen. Das Bundesausbildungsförderungsgesetz – kurz BAföG – garantiert einen Rechtsanspruch auf Förderung unter bestimmten Bedingungen und ist damit auch einklagbar. Klarer Vorteil des BAföGs: Nur die Hälfte des zinslosen Darlehens und maximal 10.000 Euro müssen zurückgezahlt werden. Einen ersten Überblick, ob ein Anspruch auf BAföG besteht, bieten BAföG-Rechner. Doch da Anspruch und Höhe einem komplizierten Regelwerk unterliegen, empfiehlt sich eine Beratung beim zuständigen BAföG-Amt oder dem örtlichen Studentenwerk.

Nicht nur für Superhirne: Das Stipendium

Nur vier Prozent aller Studierenden erhalten ein Stipendium. Das Geldgeschenk wird nicht nur zur Förderung von Hochbegabten vergeben. So vielfältig die Stipendiengeber wie Kirchen, Verbände, Unternehmen, Gewerkschaften oder Parteien sind, so unterschiedlich sind auch die Vergabekriterien. Einige Stipendien fördern gezielt studierende Mütter, andere politisch oder sozial engagierte junge Menschen. Den Weg durch den Stipendien-Dschungel weist der Stipendienlotse des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Übrigens: Laut einer Umfrage des Allensbacher Instituts von 2010 sind 32 Prozent aller Anträge auf ein Stipendium erfolgreich!

Auch für Spätberufene: Der Studienkredit

Für rund sechs Prozent ist der Studienkredit das Mittel der Wahl, um finanzielle Engpässe während der universitären Ausbildung zu überbrücken. Neben den privaten Anbietern gewährt auch die KfW Bankengruppe – eine Anstalt öffentlichen Rechts unter der Rechtsaufsicht des Finanz- und Wirtschaftsministerium – Darlehen für Studierende. Vorteil eines KfW-Studienkredits sind die, verglichen mit privaten Anbietern, niedrigen Zulassungshürden für diese Art der Ausbildungsförderung. Wer bei BAföG, Stipendien & Co. durch das Netz fällt, kann mit einem Darlehen doch noch seinen Lebensunterhalt sichern. Einen KfW-Studienkredit beantragen kann, wer zwischen 18 und 44 Jahren alt ist. Möglich ist seit neuestem auch die Förderung von postgradualen Studiengängen und der Promotion. Es können maximal 650 Euro monatlich über sieben Jahre ausgezahlt werden. Nach Möglichkeit sollte der Studienkredit dennoch nur kurzfristige Finanzierungslöcher stopfen, denn über eines sollte man sich bei der Aufnahme eines Kredits bewusst sein: Der Start ins Berufsleben beginnt mit Schulden!

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