16.01.2013

Taschengeld

Papa, haste mal 'nen Euro?

Gestern noch hat sie den Folgebrei löffelweise auf ihrem Babylätzchen verteilt, heute steht sie cool vor Ihnen und fragt: “Papa, was ist eigentlich mit Taschengeld?” Auf diesen Moment sollten Sie sich vorbereiten – mit unserem Leitfaden zum Thema.

Neulich in der Kantine. Bei Erbseneintopf mit Würstchen sondieren die Kollegen am Nebentisch die Höhe des Taschengeldes für den Nachwuchs: “Max ist 13, aber Taschengeld hat er von uns noch nie bekommen. Dafür zahlen wir seine Handyrechnung, das reicht!” Ein Tischnachbar verschluckt sich fast am Erbsen-Wurst-Konglomerat: “Bitte? Maja ist auch 13, bekommt aber 100 Euro von uns im Monat, Handy extra!” Eine Kollegin nickt kauend.

Keine Zahlungsverpflichtung

Sinnierend stochere ich herum in meiner Reispfanne “Suzy Wong”. Hätte Max’ Vater einen Blick ins Internet geworfen, wüsste er, dass er reichlich spät dran ist. So empfehlen Ämter wie das Sozialreferat München, bereits ab dem Kindergartenalter Taschengeld zu zahlen. Ich muss an Max denken: Hoffentlich stellt er Nachforderungen an seinen Vater. Ich drücke ihm die Daumen.

Liebe nichtzahlende Erziehungsberechtigte, jetzt bloß nicht panisch werden: Hierzulande gibt es keine gesetzliche Vorgabe, nach der Sie verpflichtet wären, Ihren Kindern Taschengeld zu geben. Das Sozialreferat München rät jedoch dazu, es auszuzahlen, “denn den Umgang mit Geld kann nur lernen, wer auch über Geld verfügen darf” – so eine Broschüre des Amtes. Dabei sollte sich die Summe an Ihrer finanziellen Situation orientieren.

Taschengeld kein Erziehungsmittel

Bevor Sie sich nun unüberlegt in die überfälligen Budgetverhandlungen mit den lieben Kleinen begeben, noch ein Rat des Sozialreferats: “Knüpfen Sie das künftige Gehalt nicht an Erziehungsziele” (aufgeräumtes Zimmer, gute Noten, keine Poster von Miley Cyrus, Justin Bieber & Co.). Auch von einer Taschengeldkürzung als Bestrafung sollten Sie absehen. Denn grundsätzlich ist das Geld zur freien Verfügung Ihres Kindes gedacht. Das heißt für Sie, Ihren Nachwuchs ernst zu nehmen, eigenen Erfahrungen machen zu lassen und ihn dabei zu begleiten – inklusive tränenreicher Fehlkäufe. Sicher, das ist nicht einfach. Aber wer hat behauptet, dass Erziehung ein Kinderspiel ist?

Girokonto ab 14 Jahre

Haben Sie größere Kinder, ist es sinnvoll, über die Einrichtung eines kostenlosen Girokontos nachzudenken, auf das Sie das Taschengeld monatlich einzahlen. Übrigens: Bei Jugendlichen, die schon gut mit Geld umgehen können, empfiehlt das Sozialreferat München “die Einführung eines Betrages zum Kauf von Bekleidung (‘Kleidergeld’) sowie von Schulbedarf und Artikeln zur Körperpflege.”

Und falls Sie sich in Puncto Taschengeld insgesamt unsicher sind: Die Jugend- und Sozialämter der Städte und Gemeinden haben in der Regel Ansprechpartner, die Ihnen weiterhelfen und Sie beraten.

Gestern war es wieder soweit: Wie gehabt saßen die Kollegen am Nebentisch und erörterten diesmal bei Spaghetti Bolognese den finanziellen Status Quo im Kinderzimmer. Lediglich Max’ Vater schwieg. Anscheinend hatten die Nachforderungen seines Sohnes nicht lange auf sich warten lassen.

  1. 23. Januar 2013, 21:32

    Der Artikel ist sicherlich eine gute Orientierung, aber die Kritikpunkte von „Blogkommentator“ sind meiner Meinung nach gerechtfertigt.

    Sicherlich sollten Kinder relativ schnell einen guten Umgang mit Geld lernen. Dies ist aber nur möglich, wenn auch Geld in der Familie ist. Solche Tabellen sind einfach viel zu pauschal. Man kann von einem „normalen“ Arbeiter meiner Meinung nach nicht verlangen, dass alle Kinder 100 € / Monat bekommen. Dass sich Ärzte, Bankenmitarbeiter oder andere Mehrverdiener diese Sätze leisten können, steht auf einem anderen Blatt.

    Viele Grüße
    Bettina

  2. BlogKommentator
    20. Januar 2013, 13:47

    Ich empfinde es als eine Frechheit, dass ein Sozialreferat solche Tip`s veröffentlicht. Damit beginnt in vielen Familien eine Diskussion, die den Familienfrieden erheblich stört. Neid unter den Kindern wird gefährlich geschürt. Eine Familie mit vielen Kindern kann es sich event. nicht leisten die angegebenen Sätze zu zahlen. Sind es deshalb schlechte Eltern ?? Staatliche Stellen mischen sich viel zu viel in unser Privatleben ein. Von einem Sozialamt erwarte ich, dass es sich um soziale Notfälle kümmert und nicht den Familienfrieden stört. Was sagt eigentlich das Familienministerium dazu ?

    Auch das die HVB auf diesen Karren aufspringt, zeigt wenig von Sensibilität.

  3. 17. Januar 2013, 18:37

    richtig, dass Taschengeld, die Wünsche der Kinder, je nach Alter, sind schon ein Teil der wirtschaftlichen Planung in der Familie.
    Leider ist es in unserem System nicht erwünscht, dass in der Schule eine Lehrstunde in den Schulungsplan aufgenommen wird, was ist Geld, wie werden Werte geschaffen, wie geh ich damit um. Schon von klein an könnten die kinder einheitlich darauf vorbereitet werden, dass Geld sie ein Leben lang begleiten wird.
    Somit handelt jedes Elternhaus nach eigenen Ermessen. leid tun mir die 1,6 Millionen Kinder, welche in einem so reichen land wie Deutschland in Armut leben müssen. Diese
    Kinder werden kaum Taschengeld bekommen, wenn dieses Wort ihnen überhaupt geläufig ist.
    Wir haben je nach Alter und Ermessen der Ausganben das Taschengeld erhöht und wollten aber wissen, für was es ausgegeben wurde.

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