Aktienmarkt

02.07.2014

Charles H. Dow: “Vater der technischen Analyse”

Am 3. Juli 1884 erstellt Charles Henry Dow den Railroad Average Index. Der Journalist und Gründer des “The Wallstreet Journal” legt damit den Grundstein für das bekannteste Marktbarometer der Welt – und avanciert zum “Vater der technischen Analyse”. Unsere Kollegen von onemarkets haben für Sie die Kernaussagen der Dow-Theorie zusammengefasst.

Bereits 1879, als in New York die Kurse noch per Hand auf Tafeln geschrieben werden, beschäftigen sich Börsianer mit dem Verhalten der Märkte. Einige studieren sie besonders intensiv, wie Charles Henry Dow. Um Richtwerte über Kursverläufe zu erhalten, veröffentlicht Dow am 3.Juli 1884 mit dem Statistiker Edward Jones den Dow Jones Railroad Average. Dieser Index besteht aus elf Aktiengesellschaften, neun Eisenbahn- und zwei Industriegesellschaften.

Später entwirft er weitere Indizes und veröffentlicht eine Serie von Leitartikeln über das Verhalten des Aktienmarktes im von ihm gegründeten The Wall Street Journal. Ein Jahr nach Dows Tod 1902 wählt Samuel A. Nelson, ein Angesteller des The Wallstreet Journal fünfzehn von Dows Leitartikeln für sein Buch The ABC of Stock Speculation aus. In diesem Zusammenhang spricht Nelson erstmals von der Dow-Theorie.

Die Dow-Theorie im Überblick

1. Der Index bildet alles ab
Nach Ansicht von Charles Dow spiegeln sich Nachrichten unmittelbar im Aktienkurs wider. Um zu wissen, in welcher Verfassung sich der Gesamtmarkt befindet, kreiert Dow einen Index, der den kompletten Börsenhandel sowie die aktuelle Nachrichtenlage widerspiegelt. Damit eignet sich der Index seiner Ansicht nach, um Prognosen über die zukünftige Marktsituation zu treffen. Diese Annahme von Dow entspricht der Grundlage der technischen Analyse, wonach der Markt jeden bekannten Faktor im Kurs reflektiert.

2. Definition des Trends
Der Kurs einer Aktie oder eines Index bewegt sich nicht linear in eine Richtung, sondern durch verschiedene Phasen wie Übertreibungen und Korrekturen. Das führt dazu, dass der Kursverlauf eine Art Zickzackbewegung um den übergeordneten Markttrend vollführt. Dow überträgt die physikalischen Gesetze von Aktion und Reaktion auf das Marktgeschehen und verwendet die Hoch- und Tiefpunkte dieser Bewegung, um die vorherrschende Trendrichtung zu bestimmen.

3. Die drei Arten des Trends
Beim langfristigen Primärtrend handelt es sich um eine längerfristige Kursbewegung, die in der Regel mindestens ein Jahr andauert. Der mittelfristige Sekundärtrend stellt eine Korrekturphase inerhalb des Primärtrends dar. Als eher unwichtig bezeichnet Charles Dow den kurzfristigen Tertiärtrend, da er relativ einfach manipuliert werden kann. Jedoch hat der Tertiärtrend in der heutigen Zeit wieder an Bedeutung gewonnen.

4. Die drei Phasen des Primärtrends
Die Akkumulationsphase bezeichnet die erste Phase des Primätrends. Darin sind die schlechten Nachrichten verarbeitet, der Markt dreht nach oben, gut informierte Anleger steigen ein. Es folgt die Trendfolgephase, in der die guten Nachrichten die breite Masse erreichen. Die Medien berichten zunehmend über steigende Kurse, was wiederum mehr Anleger anlockt. Die Distributionsphase ist die letzte der drei Phasen. Sie veranschaulicht den Optimismus, der nun seinen Höhepunkt erreicht – der Markt befindet sich auf einem Hoch. In der Distributionsphase trennen sich gut infomierte Anleger von ihren Aktien.

5. Umsatz als wichtiger Signalgeber
Charles Dow betrachtet die Umsätze, also die Entwicklung der Handelsaktivität an einer Börse, als eine wichtige Zusatzinformation bei der Bestätigung von Kauf- und Verkaufssignalen an. Dabei sollen in einem Aufwärttrend die Umsätze in Phasen mit steigenden Kursen ebenfalls ansteigen und in Korrekturphasen mit fallenden Kursen abnehmen. Heutzutage lässt sich das Handelsvolumen in vielen Chartprogrammen einfach zur Kurbewegung mit darstellen.

6. Indizien müssen sich bestätigen
Ob es sich um den Beginn eines Bullen- oder Bärenmarktes handelt, macht Charles Dow von zwei Indizes abhängig. Er ging davon aus, dass Signale, die sich im Industrial Average ergeben, auch vom Transportation Average bestätigt werden müssen. Die Regel basiert auf einem ganz einfachen Grundsatz: Wird in der Industrie mehr produziert, steigt auch der Transportbedarf und umgekehrt.

7. Die Umkehr
Ein Trend gilt solange als Intakt, bis ein Umkehrsignal einen Richtungswechsel anzeigt. Diese These beruht auf dem physikalischen Gesetz der Bewegung. Ein Objekt ist so lange in Bewegung (hier der Trend), bis externe Kräfte einen Richtungswechsel bewirken. In der Charttechnik gibt es heutzutage viele Instrumente, die eine Trendumkehr sichtbar machen. Dazu zählen beispielsweise Widerstands- und Unterstützungslinien, Trendkanäle, Chartformationen und auch Gleitende Durchschnitte.

Übrigens stammt von Charles Dow die Empfehlung an Anleger, für jede Aktie einen Mindestkurs festzulegen, zu dem sie automatisch verkauft wird (“Stop-Loss“).

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