15.10.2014

Vererben

Vermögensnachfolge: Vorsorge schafft Sicherheit

Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 254 Milliarden Euro vererbt. Und obwohl es um viel Geld geht, haben sich die meisten Bundesbürger bisher nur unzureichend oder gar nicht um ihren Nachlass gekümmert. Tritt der Erbfall dann ein, ist Streit oft programmiert. Wer rechtzeitig handelt und für geregelte Verhältnisse sorgt, geht nicht nur selbst erleichtert durchs Leben, sondern erspart auch seinen Lieben viel Kosten und Streit.

Was wohl mal wird, wenn man selber nicht mehr ist – daran hat wohl jeder schon einmal kurz gedacht. Begleitet von einem großen Unbehagen werden solche Gedanken allerdings meist ganz schnell wieder verdrängt. Verständlich: Wer denkt schon gerne an den eigenen Tod? Lebensplanung ist sicherlich angenehmer als Vorsorge für die Zeit danach. Auch die Angehörigen wollen nicht den Eindruck erwecken, sie hätten es nur auf das Erbe abgesehen und sprechen das Tabu-Thema nicht an. Und so gerät eine vernünftige Vermögensnachfolge nur allzu gerne auf die lange Bank.

Frühzeitig mit der Vermögensnachfolge beginnen

“Keiner weiß, was morgen ist”, sagt Claudia Schöll, Expertin für Vermögensnachfolge bei der HypoVereinsbank in München. “Deshalb kann man gar nicht früh genug anfangen, sich Gedanken zu machen, wer eigentlich mal in die eigenen Fußstapfen treten soll.” Bei einer Vermögensnachfolge ginge es schließlich nicht nur um Geld, sondern auch um die Frage: Wer kümmert sich? Also zum Beispiel um abgeschlossene Verträge beim Telefonanbieter, Zeitschriftenabos, Bankkonten oder Versicherungen. “Wer für den Ernstfall vorsorgt, stirbt deswegen ja nicht gleich. Eine vernünftige Regelung der eigenen Verhältnisse verwandelt aber diffuse Ängste in Sicherheit. Das ist nicht nur für die Angehörigen, sondern auch für einen selbst eine große Erleichterung. “Den meisten meiner Kunden fällt ein Stein vom Herzen, wenn sie am Ende alles geregelt wissen”, betont Claudia Schöll.

Die eigene Entscheidungsfreiheit bewahren

Viele Deutsche wissen, dass auch bei ihnen Handlungsbedarf besteht. Trotzdem haben laut einer EmnidUmfrage 71 Prozent aller Bundesbürger keinen letzten Willen hinterlegt. Das Fatale daran: “Wer sich nicht kümmert, gibt letztlich seine Entscheidungsmöglichkeiten aus der Hand”, erklärt die HVB-Expertin. Ist kein Testament vorhanden, sorgt die gesetzliche Erbfolge dann oft für Interessenkonflikte und selbst in harmonischen Familien für böses Blut. “Nicht selten treten dann auch Personen das Erbe an, die der Verstorbene vielleicht gar nicht bedenken wollte.” Und obwohl die meisten Menschen darum wüssten, zögerten sie aus Angst, etwas falsch zu machen. Dabei ist die Sorge um unwiderrufliche Fehler völlig unbegründet. “Schlimm ist nur, wenn man gar nichts tut. Ein Testament wird nicht in Stein gemeißelt und bietet in der Regel jederzeit die Möglichkeit, nachzubessern.” Von ‘Wald- und Wiesen-Literatur’ und einer Willenserklärung in Eigenregie rät Claudia Schöll allerdings dringend ab. “Die sicherste Variante ist, zu einem Notar zu gehen. Der klassische Brief im Nachtkästchen zum Beispiel lässt viel Interpretationsspielraum zu und ist damit anfechtbar.” Ein notariell beurkundetes Testament sei zwar nicht billig, kann dafür aber später den ebenfalls kostenpflichtigen Erbschein ersetzen. “Der Vorteil besteht in einer rechtlichen Verankerung des letzten Willens. Denn: Zahlen muss man immer, ob nun vorher oder hinterher.”

Hilfe und Orientierung bei Experten suchen

Es ist in jedem Fall sinnvoll, Fachleute mit ins Boot zu holen. “Wir von der Bank schauen uns zunächst einmal die Familienverhältnisse und Vermögenswerte an. Danach entwickeln wir einen ‘Fahrplan’ für die Vermögensnachfolge und ziehen bei speziellen Fragen Experten mit hinzu”, erläutert die Expertin. Offene Gespräche innerhalb der Familie könnten außerdem helfen, im Anfangsstadium die Lage zu sondieren. Dabei ginge es nicht darum, jeden Euro zu diskutieren, sondern vielmehr darum, eine grobe Marschrichtung zu definieren: “Wenn also Eheleute zum Beispiel im eigenen Haus leben, sollten sie im Vorfeld klären, ob eines der Kinder überhaupt darin wohnen und die Immobilie später einmal übernehmen will.” Auch bei einer Vermögensübertragung zu Lebzeiten sollte sich der Erblasser genau überlegen, welche Anteile er im Hinblick auf Rente oder einen möglichen Pflegefall entbehren kann.

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