03.11.2015
Trend

Wachstumsmärkte

Internationalisierung: Wo sind die Wirtschaftstreiber von morgen?

Weite Teile Europas leiden an einer konjunkturellen Flaute, der Boom der Schwellenländer schmilzt dahin. Der Wachstumseinbruch in China und auch die schwelenden Krisenherde in Nahost nehmen der deutschen Wirtschaft allmählich ihren Schwung. Was bedeuten diese Herausforderungen für die deutsche Wirtschaft und die Zukunft unserer vor allem mittelständischen Unternehmen? Welche Wachstumsmärkte und Branchen müssen wir in den Fokus nehmen, welche Rahmenbedingungen schaffen, um unseren Wohlstand nicht zu verspielen? Darüber diskutieren Experten aus Wirtschaft und Politik am 4. November auf dem Welt-UnternehmerForum im Hamburger Curiohaus.

Die schwächelnde Weltwirtschaft schien Unternehmen hierzulande lange Zeit nichts anzuhaben. Mit einer Bilanz von 217 Milliarden Euro brillierte der deutsche Außenhandel laut Statistischem Bundesamt 2014 sogar mit neuen Rekordzahlen. Mit den vielen internationalen Krisen scheint allerdings auch die deutsche Wirtschaft allmählich ins Stocken zu geraten. Kein Wunder: Als Exportweltmeister ist die Bundesrepublik vom wirtschaftlichen Erfolg fremder Märkte abhängig wie kein anderes Land. Laut KfW Mittelstandspanel 2014 ist bereits jeder fünfte deutsche Mittelständler im Auslandsgeschäft aktiv. „Das Umfeld für den Mittelstand ist schwieriger geworden“, kommentiert Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW, die Ergebnisse der Studie. „Noch ist das Wachstum positiv, die Erwartungen trüben sich aber weiter ein.“

Schwächelnde Schwellenländer: Konjunkturlokomotive verliert an Fahrt

BRIC, ASEAN, Next 11 oder Fragile 5: Experten sind nicht sparsam mit Kunstbegriffen, wenn es um die Benennung neuer Wachstumsmärkte geht. Zu Beginn des neuen Jahrtausends feierten Analysten die BRIC-Staaten als Heilsbringer für die Weltwirtschaft. Weitgehende Einigkeit herrschte auch darüber, dass die südostasiatischen ASEAN-Staaten, insbesondere Indonesien, großes Potenzial besitzen. Aktuell bröckelt es an ihrer Fassade – die Volkswirtschaften von Brasilien, Russland, Indien, China und Indonesien entwickeln sich längst nicht mehr so dynamisch wie noch vor einigen Jahren. Die Problematik der „Schwellenländerkrise“ ist komplex: Strukturelle Defizite, Umweltprobleme, Währungsturbulenzen, hohe Inflation und sinkende Rohstoffpreise sind nur einige von vielen Ursachen, die den Wachstumsmotoren im Moment kräftig auf die Bremse treten. Bereits im letzten Jahr hatten sich viele Indikatoren abgezeichnet. Im Laufe dieses Jahres ist es dann zu einer nicht mehr zu leugnenden Realität geworden: Nicht nur China, auch viele andere Schwellenländer schwächeln gewaltig oder befinden sich bereits in der Rezession – mögliche weitere Verschlechterung nicht ausgeschlossen. Die verfahrene Situation, nicht nur in der Asienkrise, bewertet Dr. Heiner Flassbeck, ehemaliger Chef-Volkswirt bei der UNO-Organisation für Welthandel und Entwicklung (UNCTAD), als Ausdruck eines dysfunktionalen Weltwährungssystems. „Marktwirtschaft kann ähnlich wie ein Fußballspiel nicht ohne strikte Regeln und ohne durchgreifende Schiedsrichter funktionieren“, so der Wirtschaftswissenschaftler.

Industrie 4.0: Innovative Technologien eröffnen Zukunftsmärkte

Dennoch: Laut Asien-Pazifik-Ausschuss der deutschen Wirtschaft (APA) werden insbesondere die Trends in Asien – trotz aktueller Krise – für die deutsche Wirtschaft von hoher Bedeutung sein. Bereits heute macht der größte Kontinent der Erde rund 30 Prozent des Welt-Bruttoinlandsproduktes und 60 Prozent der globalen Bevölkerung aus. „Das Wachstumspotenzial und eine junge Bevölkerung in den meisten asiatischen Ländern stehen für eine prosperierende und nachhaltige Zukunft“, betont Hubert Lienhard, Vorsitzender der APA. Allerdings: „Wenn wir am Wachstum in anderen Regionen teilhaben wollen, müssen wir schneller in unseren Entscheidungen und deren Umsetzung werden, beispielsweise hinsichtlich unserer Infrastruktur“, gibt Gunther Bonz, Präsident des Unternehmensverbandes Hafen Hamburg e.V. zu bedenken. „Die Welt wartet nicht auf unsere deutschen Befindlichkeiten.“ Das gilt übrigens nicht nur für Asien, sondern langfristig auch für den oft verloren geglaubten Kontinent Afrika. Trotz großer regionaler Unterschiede verzeichnen zahlreiche afrikanische Länder seit Jahren eine durchaus positive Entwicklung. Wirtschaftsexperten sehen zukunftsorientierte Branchen, etwa erneuerbare Energien und innovative Technologien, als Eintrittskarte auf diese noch jungen Märkte. So hat zum Beispiel das Hamburger New-Tech-Unternehmen Dermalog unlängst biometrische Identifikationssysteme für Banken in Nigeria installiert. „Wir sehen Biometrie als zukunftsweisende Alternative zu lästigen PINs und Passwörtern und machen damit mobiles Bezahlen per Fingerabdruck möglich“, erklärt Günther Mull, Managing Director von Dermalog. „Mittlerweile sind wir in zwanzig afrikanischen Ländern wie Angola, Ghana, Tansania und Sambia aktiv und der führende Biometrie-Anbieter des gesamten Kontinents“, so der Manager. Um wettbewerbsfähig zu sein, kommt es also nicht nur auf regionale Märkte, sondern in besonderem Maße auch auf Schlüsseltechnologien an: „Wir dürfen den Zug zur Digitalisierung nicht aufhalten, wir müssen auf ihn aufspringen“, betont auch der ehemalige BDI-Präsident Prof. Dr. Hans-Olaf Henkel.

Comeback der EU: Rückenwind aus der Nachbarschaft

Auch die Industrienationen der Europäischen Union erholen sich langsam von der Krise, wenn auch mit unterschiedlicher Geschwindigkeit. Bei aller notwendigen Erschließung neuer Zukunftsmärkte dürfen deutsche Unternehmen also ihre Stammmärkte nicht vergessen. Das Eurozone Economic Outlook, eine gemeinsame Konjunkturprognose europäischer Wirtschaftsinstitute, geht von einer sanften Beschleunigung des Wirtschaftswachstums der Eurozone um 0,5 Prozent in den kommenden Monaten aus. Gute Nachrichten für deutsche Unternehmen – immerhin setzen sie rund 60 Prozent ihrer Exporte in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union ab. Allein im vergangenen Jahr waren das laut Statistischem Bundesamt Waren im Wert von 657,3 Milliarden Euro. Die wichtigsten Handelspartner auf dem eigenen Kontinent sind nach wie vor Frankreich, Großbritannien und die Niederlande. „Die Erholung der europäischen Volkswirtschaften ist deutlich robuster geworden“, sagt Valdis Dombrovskis, Vizepräsident der EU-Kommission. „Trotzdem müssen wir sicherstellen, dass das Wirtschaftswachstum auch dauerhaft und nachhaltig ist. Damit dies gelingt, sollten die drei Prioritäten – Strukturreformen, Aufstockung der Investitionen und Stärkung einer verantwortungsvollen Haushaltspolitik – umgesetzt werden.“

USA reloaded: Motor für die deutsche Wirtschaft

Geringe Energiekosten, Bevölkerungswachstum, eine moderne Infrastruktur und umfassendes IT-Know-how: Dank dieser Schlüsselfaktoren erlebt die USA seit einigen Jahren eine Renaissance ihrer Industrie. Viele Prognosen sehen die größte Volkswirtschaft der Welt vor einem langfristigen Boom. Laut der Studie „Go West!“ der Managementberatung Bain & Company profitiere Deutschland von dieser Reindustriealisierung wie kein zweites OECD-Land. Der Grund: US-Firmen benötigten Maschinen und Anlagen, Ingenieurleistungen, Software sowie Zulieferteile für den Aufbau und die Modernisierung ihrer Produktionsstätten. Dank seiner Exportstruktur sorge dies vor allem in Deutschland für einen Nachfrageschub. „Die USA werden zur Lokomotive der deutschen Wirtschaft und können einen wichtigen Beitrag leisten, um die aktuelle wirtschaftliche Schwäche Europas zu überwinden“, betont Dr. Armin Schmiedeberg, Partner bei Bain & Company und Leiter der europäischen Industrie-Praxisgruppe. Bereits 2013 stieg das Kaufinteresse an Automatisierungstechnik „Made in Germany“ um 43 Prozent. Der Aufbau einer konkurrenzfähigen Industrie in den USA bedeute einen Paradigmenwechsel im globalen Standortwettbewerb, ergänzt der Experte. „Die einseitige Verlagerung von Produktionskapazitäten in Schwellen- und Niedriglohnländer weicht einem globalen Wettbewerb mit Vorteilen für die USA.“ Experten zufolge könnte vor allem der Abschluss des Freihandelsabkommens TTIP für zusätzliche Wachstumsimpulse auf beiden Seiten des Atlantiks sorgen. „Deutschland braucht offene Märkte“, betont BDI-Präsident Ulrich Grillo. „Wir sollten aktiv die Regeln für den Welthandel von morgen mitbestimmen. Gerade der Mittelstand wird von bürokratischen Erleichterungen im Handel profitieren.“

Internationalisierung: Mittelstand braucht starke Partner

Die wirtschaftliche Globalisierung ist in vollem Gange – die größten Absatzmärkte für Deutschland sind derzeit Europa, die USA und China. Schenkt man den Prognosen der Experten Glauben, so wird es hinsichtlich der weltweit wichtigsten Exportländer für die deutsche Wirtschaft in den kommenden 15 Jahren zu keinen allzu großen Verschiebungen kommen. Große Veränderungen gibt es allerdings schon heute in der Anspruchshaltung, mit der Unternehmer ihrer Kernbank gegenüber treten. Für ihren Weg auf die internationalen Märkte brauchen sie laut HVB Mittelstandsstudie starke Partner, die nicht nur klassische Finanzdienstleistungen im Außenhandel anbieten. Über alle Größenordnungen hinweg erwarten sie umfassendes internationales Know-how, eine hochwertige Beratung zu den Zielmärkten sowie ein aktives internationales Bankennetzwerk. Als Teil der UniCredit kann die HypoVereinsbank ihren Kunden nicht nur die Vorteile einer Universalbank bieten, sondern auch auf das internationale Gruppenetzwerk mit Büros beispielsweise in New York und Hong Kong zugreifen und damit das Auslandsgeschäft im jeweiligen Markt begleiten. „Wir als Kernbank müssen unseren Firmenkunden als strategischer Sparringspartner zur Verfügung stehen, der kompetent, effizient und vorausschauend alle Aktivitäten im Ausland begleitet“, betont Lutz Diederichs, Vorstand Unternehmer Bank der HypoVereinsbank. „Das reicht von der Einschätzung politischer Krisen über die Absicherung von Währungsschwankungen bis hin zur reibungsfreien Abwicklung des internationalen Zahlungsverkehrs“, so Diederichs. Zusätzlich gewännen aber auch andere Faktoren wie die Bereitstellung der richtigen Beratungsteams immer mehr an Bedeutung, ergänzt Diederichs: „Unsere internationalen Kunden wollen das A-Team. Sowohl hier vor Ort als auch im Ausland.“

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