Booming Berlin: deutsche Hauptstadt für Wagniskapital
17.10.2016

Wagniskapital

Booming Berlin: Deutsche Hauptstadt für Wagniskapital

Internationales Wagniskapital kommt nach Berlin. Durch einen verstärkten Zuzug renommierter Venture Capitals entwickelt sich die Hauptstadt mehr und mehr zu einem pulsierenden Hotspot der Digitalwirtschaft. Innovative Start-ups und erfolgshungrige Investoren bilden dort mittlerweile ein symbiotisches System. Kapital und gute Ideen ziehen sich gegenseitig an und sorgen für ein lebendiges Wachstum der Gründerszene.

Namhafte Risikokapitalgeber zieht es zunehmend an die Spree. Fast im Wochenrhythmus gehen in der Hauptstadt derzeit neue Venture Capital Fonds an den Start. Prominente Beteiligungsgesellschaften, darunter e.ventures, Project A Ventures und Earlybird, haben den prosperierenden Tech-Hotspot auf ihren Radar genommen und unterstützen junge Wachstumsunternehmen mit frischem Kapital. Damit baut Berlin seine Position als international beachtete Gründermetropole kontinuierlich weiter aus. Laut einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young sammelten Start-ups aus der Hauptstadt alleine in der ersten Jahreshälfte 2016 rund 520 Millionen Euro an Investitionen ein. Mit Blick auf das innerdeutsche Ranking damit mehr, als alle anderen Bundesländer zusammen.

Deutsche Start-ups für Investoren so attraktiv wie nie zuvor

Auch im europaweiten Risikokapital-Vergleich kann sich die deutsche Gründermetropole durchaus sehen lassen, obgleich sie im Ringen um den Titel als europäische Start-up-Hauptstadt gegenüber dem Rekordjahr 2015 wieder etwas zurück gefallen ist. Laut Ernst & Young Studie hat aktuell London (1,3 Milliarden Euro) ­– trotz Brexit – in Europa wieder die Nase vorn. Berlin belegt derzeit Platz vier, noch hinter Stockholm (1,0 Milliarden Euro) und Paris (673 Millionen Euro). „Auf den ersten Blick wirken die Zahlen bedenklich: Berlin verliert gegenüber anderen europäischen Hauptstädten wie London oder Paris“, sagt Peter Lennartz, Partner bei EY. Allerdings sei ein großer Teil der Rekordzahlen aus 2015 auf Einmaleffekte um die Start-up-Schmiede Rocket Internet zurückzuführen, die den Blick auf den Risikokapitalmarkt leicht verfälschten, so Lennartz. Unterm Strich zeichneten die Zahlen ein positives Bild, so der Experte: „Immer mehr deutsche Start-ups erhalten frisches Kapital, es gibt immer mehr mittelgroße Finanzierungsrunden. Das zeigt, dass deutsche Jungunternehmen für Investoren so attraktiv sind wie nie zuvor.“

Prosperierende Gründerszene zieht Kapitalgeber an

Dass die Speerspitze der deutschen Tech-Szene vornehmlich von Berlin aus an den Start geht, liegt nicht zuletzt an seinem einzigartigen Ökosystem. „Der Digitalsektor, getrieben mitunter von Platzhirschen wie Rocket Internet und Delivery Hero, hat hier ein ausgesprochen vielseitiges Cluster, das eine Art selbst befruchtendes System aus Young Professionals und Investoren bildet“, sagt Frank Nicolaisen aus dem Tech Team der HypoVereinsbank, dessen Berliner Unit auf die Finanzbetreuung von Tech Companies spezialisiert ist. „Ein  großer Teil der ansässigen Beteiligungsgesellschaften sind „Early Stage“ Venture Capitals, also Investoren, die aussichtsreichen Geschäftsmodellen schon sehr früh, oft bereits in der Seedrunde, eine initiale Kapitalspritze geben. Davon profitieren die Start-ups natürlich ganz erheblich. Denn: Die Umsetzung und Skalierung guter Geschäftsmodelle braucht Geld“, so Nicolaisen.

Venture Capitals: Weit mehr als nur Geldgeber

Das meiste Risikokapital fließt aktuell übrigens in den FinTech-Sektor (229 Millionen Euro), gefolgt vom E-Commerce-Bereich (144 Millionen). Im Durchschnitt beträgt das Fondvolumen der Berliner Venture Capitals zwischen 20 und 150 Millionen Euro. Das investieren sie je nach individuellen Branchenschwerpunkten in unterschiedliche Start-ups  und leisten ihnen anschließend einen umfassenden Support. „Nahezu alle Venture Capitals unterstützen ihre Zielunternehmen nicht nur finanziell, sondern auch mit unternehmerischem Know-how und umfangreichen Netzwerken“, weiß Nicolaisen. „Viele  Investment Manager kommen selber aus der Gründerszene und bringen mit ihren Teams neben IT-, Marketing- oder Vertriebs-Know-how umfangreiche Fach- und Branchenkenntnisse mit.“

Meet & Greet: So kommen Gründer und VCs zusammen

Die Art und Weise, wie  Start-ups und Venture Capitals zusammenfinden, kann dabei ganz unterschiedlich sein. Eine Möglichkeit ist der klassische Weg über das Einreichen eines Businessplans, auch die Teilnahme an einem Accelerator-Programm bietet Gründern die Chance, sich und das Potenzial ihrer Idee zu beweisen. „Oftmals werden Investoren auch auf Pitch-Events oder ähnlichen Veranstaltungen – von denen es in Berlin wirklich viele gibt – auf innovative Start-ups aufmerksam“, weiß der Tech-Spezialist. „Im Prinzip kann man sich das  Aufeinandertreffen so vorstellen, wie man es aus der Fernsehsendung ‘Die Höhle der Löwen‘ kennt. Mit dem Unterschied, dass es dabei natürlich nicht um Entertainment geht. Es geht darum, in kurzer Zeit das Geschäftsmodell und das darin steckende Potenzial zu pitchen und die andere Seite davon zu überzeugen.“

#TechNightBerlin: Berliner Szenetreff geht in die dritte Runde

Die Bedeutung von Venture Capital für die Internationalisierungsdynamik junger Start-up-Unternehmen wird am 20. Oktober ab 19 Uhr auch Thema auf der dritten #TechNightBerlin in der Berliner Fabrik 23 sein. Experten aus Tech-Szene, Finanzwesen und Wirtschaft, darunter Emmanuel Thomassin (CFO Delivery Hero), Shawn Atkinson (Partner Orrick Herrington Sutcliffe) und Eric F. Nielsen (Chief Economist UniCredit), diskutieren über die Möglichkeiten und Fallstricke der unternehmerischen Kapitalbeschaffung. Sehen Sie hier, wie unsere Experten das Thema diskutierten. https://business.facebook.com/hypovereinsbank/videos/1544806925533300/

Venture Capital Kapitalgeber der Start-up-Szene

Venture Capital – auch Wagnis- oder Risikokapital genannt – bezeichnet eine außerbörsliche Kapitalbeteiligung (Private Equity) privater Investoren an jungen Internetfirmen. Im Vergleich zu klassischen Private Equity Fonds, die häufig in etablierte Mittelständler investieren, fokussieren Venture-Capital-Beteiligungsgesellschaften junge Wachstumsunternehmen. Das Risiko-Rendite-Profil ihrer Investments liegt dabei noch einmal deutlich höher als bei klassischen Private-Equity-Engagements. Das Geschäftsmodell von Venture-Capital-Beteiligungsgesellschaften besteht im Prinzip darin, Teile eines Unternehmens zu kaufen, es erfolgreich aufzubauen, um es anschließend teuer wieder zu verkaufen.

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