Weihnachtszeit
18.12.2015
Tipp

Weihnachtszeit

Wunderbare Weihnachtszeit

Der Einkauf stresst, der Terminkalender quillt über und Last Christmas kann doch wirklich niemand mehr hören? Bevor das eigentliche Weihnachtsfest beginnt, ist es mit der Weihnachtsstimmung bei vielen schon wieder vorbei. Zum vierten Advent betrachten unsere Social-Media-Redakteure die Weihnachtszeit mal wieder von einer besinnlicheren Warte. Weihnachten ist, wenn…

…sich das erste Türchen öffnet.

Weihnachten ist für mich, was dem Kölner der Karneval: Die fünfte Jahreszeit und gleichzeitig die schönste Zeit des Jahres. Und als Weihnachtsengel ohne Furcht und Tadel beginnt sie für mich weit vor dem 24. Dezember. Dann nämlich, wenn in der Post ein Paket mit meinem alten Adventskalender aus Kindertagen liegt und 24 kleine Überraschungen auf mich warten. Von meiner Tante vor nunmehr 27 Jahren eigenhändig mit meinem Namen und weihnachtlichen Symbolen bestickt und von meiner Mutter alle Jahre wieder liebevoll bestückt, ziehe ich ihn jedem anderen Adventskalender vor. Statt Pralinen oder Rubbellosen stecken in meinem Adventskalender die selbstgebackenen Kekse meiner Oma, ein schönes Zitat, die Lakritzschokolade aus einem Laden in meiner Heimatstadt oder eine CD mit Weihnachtsliedern. Wenn sich dieser Kalender in meine Weihnachtsdekoration schmiegt, dann kann die Weihnachtszeit anfangen. Die Tradition, einen Adventskalender zu verschenken führe ich übrigens fleißig fort – denn seien wir ehrlich: Ist man je zu alt dafür, sich Tag für Tag die Dezembermorgen verschönern zu lassen?

Lisa Severin

…man Freunde und Familie sieht.

Nur noch vier Türchen am Adventskalender sind zu öffnen, dann steht Heilig Abend vor der Tür. Obwohl ich die „stade Zeit“ gerne mag, hat das Fest der Feste für mich nur am Rande mit traditioneller Romantik zu tun. Jenseits von Festtagsbräuchen und Schmalzgebäck empfinde ich Weihnachten vor allem als ein herzliches Wiedersehen. Alle Jahre wieder fahre ich von Hamburg in meine bayerische Heimat und ich genieße es, im Kreise meiner Liebsten zu sein. Immerhin: Gut 800 Kilometer trennen uns unter dem Jahr, Hamburg und München liegen nicht gerade direkt ums Eck. Zu selten sieht man Familie und Freunde – umso schöner ist es, sie an Weihnachten alle zusammen zu haben. Am 24. Dezember bildet traditionell ein Brunch mit Freunden meinen Weihnachtsauftakt – ein alter Brauch aus unserer Studienzeit. Wir quatschen, flachsen, lachen viel und am späten Nachmittag pilgere ich dann beschwingt nach Hause zurück. Dort helfe ich tatkräftig dabei, Lichterkette und Kugeln am Tannenbaum zu drapieren, bevor wir zu Essen und Bescherung übergehen. Danach sitze ich mit meiner Familie bis spät in die Nacht gemütlich bei Kerzenschein zusammen – das ist für mich der schönste Moment der Weihnachtszeit.

Andrea Kantioler

Rund 71% verbinden Weihnachten mit Zeit mit der Familie, 7% allerdings auch Familienstreit.
BAT, Stiftung für Zukunftsfragen via Statista

…die Kindheit zurück ist.

Weihnachten beginnt für mich mit einer Reise in die Kindheit – und zwar ganz im Wortsinne. Trotz reifer 48 Jahre verbringe ich die Weihnachtstage im Kinderzimmer meines Elternhauses. Dort erwarten mich alljährlich viele Erinnerungen: Lieblingsbücher aus Jugendtagen, ein Teller mit selbstgebackenen Vanillekipferl, die liebevolle Weihnachtsdeko meiner Mama und der Familienkater Schoki, der „sein“ Bett in diesen Tagen eisern gegen mich zu verteidigen sucht. Meine Mama hat mich dann als Tochter wieder, die sich auch heute noch gegen das Tragen von Hausschuhen wehrt, beim Überschreiten der Kinderzimmerschwelle jeglichen Gedanken an Ordnung fallen lässt und abends zum Kühlschrank schleicht, um schon einmal vorab die Köstlichkeiten zu testen, die für die Feiertage vorbereitet wurden. Ich erinnere mich an meine geliebte Autorennbahn, die den perfekten Platz mitten in der Diele hatte, um ja nicht zu verpassen, wie große, geheimnisvolle Tüten am frühen Heiligabend aus dem Keller in das Wohnzimmer gebracht wurden. Wenn am Weihnachtsabend die Weihnachtspyramide mit ihren vielen Kerzen leuchtet, macht sich augenblicklich Nostalgie in mir breit. Viele Bilder aus Kindertagen, ein Hauch Wehmut und Entspannung gepaart mit dem längst vergessenen Gefühl von Unbedarftheit – das war, ist und wird Weihnachten noch ganz lange für mich sein.

 Sandra Brehm

…der Weihnachtsbaum in Form gebracht wird.

Weihnachten verbringe ich klassischerweise mit meiner Familie bei meinen Schwiegereltern. Zentrales Thema am 24. Dezember ist der Weihnachtsbaum, den mein Schwiegervater zuvor besorgt hat und morgens enthüllt. In den letzten Jahren durften wir feststellen, dass er ein Herz für Charaktertannen hat. Diese Art Bäume zeichnet sich durch ein tieferes Grün oder einen dichteren Nadelwuchs aus, jedoch weniger durch die Einhaltung der klassischen Weihnachtsbaumform. Die besondere Herausforderung an Heiligabend besteht deshalb nicht nur, in der mir übertragenen Aufgabe, den Baum zu schmücken, sondern darin, die Vor- oder besser Formarbeit zu leisten. Mit Sägebank und dazugehörigem Werkzeug gerüstet, beginnt der Mann des Hauses, den Baum zu stutzen. Liebgewonnener Nebeneffekt ist der sich im Wohnzimmer verbreitende Harz-Duft. Etliche abgesägte und gekürzte Tannenzweige später blickt mein Schwiegervater zufrieden in meine Richtung. Das bedeutet, dass ich damit loslegen darf, die Lichterketten zu entknoten, die Kugeln und den restlichen Schmuck auszuwählen und den Baum letztlich zur Erleuchtung zu bringen. Wenn dann abends das Glöckchen den Eintritt ins Wohnzimmer freigibt und der Blick über die funkelnden Wunderkerzen am Weihnachtsbaum gleitet, herrscht in der Familie wieder Einklang, dass es der schönste Baum ist, den wir je hatten. O Tannenbaum, o Tannenbaum, Du kannst mir sehr gefallen!

Julia Fabiny-Schindel

Rund 24 Millionen Weihnachtsbäume stehen zu Weihnachten in Deutschen Wohnzimmern. Am beliebtesten sind die Nordmanntannen, die rund 20 – 22 € pro laufendem Meter kosten
Bundesverband der Weihnachtsbaumerzeuger via T-online.de

...das Glöckchen klingelt.

In den letzten Jahren ist die Kinderquote bei unserer Familien-Weihnacht drastisch gesunken. Zumindest, wenn man an Kinder im gesetzlichen Sinn denkt. Doch am Heiligen Abend, im Schoße der Familie, bin ich auch jenseits der 30 noch Kind. Diese Tatsache manifestiert sich im Ritual, mit dem bei uns Weihnachten, im wahrsten Sinne des Wortes, eingeläutet wird: Nach dem Besuch des Gottesdienstes versammeln sich alle im Flur. Nur das Familienoberhaupt darf zu diesem delikaten Zeitpunkt noch das Wohnzimmer betreten. Nach dem Tod meines Großvaters ist dieses Amt auf meine Mutter übergegangen. Während sie sich also in der guten Stube zu schaffen macht, erreicht die vorweihnachtliche Anspannung im Flur ihren fulminanten Jahreshöhepunkt – bis sich endlich das gespannte Warten durch das zarte Läuten des Glöckchens in andächtiges Staunen auflöst. Wenn wir dann alle im dunklen Wohnzimmer um den nur vom Kerzenschein erleuchteten Weihnachtsbaum stehen und vor der turbulenten Geschenkeschlacht noch gesittet ein Lied singen, dann ist wirklich Weihnachten. Alle Jahre wieder!

Sarah Nitschke

...die Welt ein bisschen friedlicher wird.

Meine schönsten Weihnachtsmomente haben mit Geschenken und Kirchgängen wenig zu tun. Sie spielen eher in den Stunden meiner Kindheit, in denen sich ein Gefühl von Frieden über das Dorf im Thüringer Wald legte, in dem wir damals auf einem Bauernhof lebten. Wenn am Nachmittag des 24. Dezember die Dämmerung einsetzte und ich vor dem Abendessen noch einmal hinaus durch den verschneiten Hof stapfte, um Birkenholz für den Kamin zu holen, schien mit der Welt eine wundersame Verwandlung vorgegangen zu sein. Kein Vogel war zu hören, nur ein Hund bellte in der Ferne. Die Menschen auf der Straße grüßten einander leise. Und die wenigen Autos, die noch unterwegs waren, schienen langsamer zu fahren. Es war, als hätte die Heiligabenddämmerung in den Menschen eine Sehnsucht freigelegt, einander freundlich zu begegnen. Das ist viele Jahre her. Mittlerweile lebe ich in Hamburg und klirrend kalte Winter gibt es nicht mehr. In meiner Erinnerung allerdings schon, ebenso dieses ursprüngliche Gefühl von Weihnachten. Ich wünsche Ihnen ein frohes Fest. Und ein paar Stunden, in denen auch bei Ihnen das Weihnachtsgefühl aus dem Winterschlaf erwacht.

Carsten Schmidt

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