Kunst als Anlage
14.11.2012

Kunst als Anlage

Wenn die Leinwand zum Wertpapier wird

Mit einem Hammerschlag besiegelt der Auktionator das erfolgreiche letzte Gebot und ein begehrtes Kunstobjekt wechselt für viel Geld den Besitzer – jeder kennt diese Szene, sei es auch nur aus dem Film. Die Auktionshäuser freuen sich derzeit über reges Kaufinteresse privater Anleger: Gerade in Zeiten der Finanzkrise besinnen sich viele Investoren auf greifbare Werte.

“Kunst kann in Krisenzeiten aufbauen und dabei helfen, aktuelle Probleme auch mal zurückzustellen”, sagt Carolin Jost, Art Managerin der HypoVereinsbank, zum positiven Trend auf dem Markt. Zumindest im oberen Segment hat die Finanzkrise auch die Preise für Kunstobjekte verändert. So gab es 2012 einige spektakuläre Auktionen mit ungeahnten Höchstpreisen. Jüngst knackte das Werk „Abstraktes Bild“ von Gerhard Richter eine Rekordmarke: Bei einer Auktion im Traditionshaus Sotheby’s erzielte es einen Preis von 21,3 Millionen Pfund, umgerechnet etwa 26,4 Millionen Euro. Laut Sotheby’s einer der höchsten Preise, der je für ein Bild eines noch lebenden Künstlers bei einer Auktion gezahlt wurde. Richters Ölgemälde von 1994 stammt aus der Sammlung von Gitarrist Eric Clapton. Eine lohnende Investition: Clapton hatte es zusammen mit zwei weiteren Bildern 2001 für rund 2,6 Millionen Euro erstanden.

Über die Kunst, mit Kunstwerken Geld zu verdienen

Die Flucht in Sachwerte ist keine neue Entwicklung: Auch während der Depression 1929 wurden Rekordpreise für Kunstwerke erzielt, ebenso in der Ölkrise Anfang der 1970er Jahre. Hinzu kommt, dass Spitzenobjekte selten gehandelt werden. “Kaum einer trennt sich von solchen Werken”, erklärt Expertin Carolin Jost, “und wenn dann mal ein Spitzenobjekt auf den Markt kommt, erzielt es unglaubliche Preise.” Wer ein Gespür für den Markt entwickeln möchte, sollte Messen, Ausstellungen und Ateliers besuchen und Auktionskataloge wälzen. Als Art Managerin berät Carolin Jost Kunden beim An- und Verkauf, spürt Trends auf und spricht Empfehlungen aus. “Natürlich ist Art Investment nicht etwas für jedermann”, gibt sie zu bedenken. “Das liegt zum einen an den Einstiegsgrößen. Zudem gilt Kunst immer noch als hochspekulativ.”

© www.hamburg-fotos-bilder.de – pixelio.de

Nur wahre Kunst wird zur Kunstware

Ähnlich wie bei Wein, Briefmarken und weiteren Sammelgegenständen ist die Verzinsung für Kunstobjekte ungewiss. Dennoch: Abgesehen von möglichen Fälschungen oder einem nicht versicherten Verlust sind sie eher wertbeständig. Die Nachfrage nach dem Investitionsgut “Kunst” liegt dabei oftmals über dem Angebot – erfolgreiche Kunst lässt sich schließlich nicht auf Knopfdruck produzieren. Und gerade das macht sie so interessant für Investoren. Benötigt ein Sammler kurzfristig Liquidität, kann er seine Werke auch beleihen – das funktioniert ähnlich wie bei einem Immobiliendarlehen.

Emotionale Rendite: Investment mit ästhetischem Mehrwert

Bilder, Skulpturen und Co. können sowohl monetäres als auch emotionales Kapital bilden. Wertsteigerung hin oder her: Der persönliche Geschmack spielt immer eine wichtige Rolle. Muss das Werk dem Anleger also gefallen? Carolin Jost meint: “Kunst birgt gegenüber anderen Investments vor allem einen ästhetischen Vorteil. Gefällt das erworbene Objekt, ist der Zugewinn sicher und ein möglicher Wertverlust besser zu verkraften.” Auch dem Normalverdiener rät Jost nicht grundsätzlich ab: “Wer ein Möbelstück für 4.000 Euro kauft, der kann für das gleiche Geld auch ein schönes Bild erwerben. Der Wertverlust ist im Zweifel geringer.” Warum nicht mal eine Auktion besuchen, und dem Auktionator beim Hammerschwingen zusehen? Gerade Werke von Nachwuchskünstlern sind für kleines Geld zu haben. Das Risiko in puncto Wertsteigerung ist dafür natürlich höher als bei etablierten Künstlern – aber auch ein Gerhard Richter hat mal klein angefangen.

Für Schöngeister: Zur Online-Galerie der HVB Kunstsammlung gelangen Sie hier.

 

 

Coverbild: © Katharina Bregulla – pixelio.de

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