01.08.2014

Meteorologie

Wie wetterbeständig ist unsere Wirtschaft?

Endlich Sommerferien! Und ganz Deutschland fragt sich: Wie wird bloß das Wetter? Baggersee oder Badewanne, Hitzepickel oder Hagelschaden, Hundswetter oder Affenhitze? Aber nicht nur für Eitelsonnenschein in den Familienferien ist die Wetterlage entscheidend. Auch die Wirtschaft ist stark abhängig von Sonne, Wind, Regen, Kälte und Hitze. Welchen Einfluss hat das Wetter auf Unternehmen, Konzerne und den Handel? Wir haben die Antworten!

Bei Eisverkäufern, Freibadbesitzern und Streusalzproduzenten erschließt sich der Zusammenhang von Wetter und wirtschaftlichem Erfolg sofort. Doch auch vielen anderen Branchen wird der Wind aus den Segeln genommen, wenn das Wetter nicht mitspielt. „Je dichter besiedelt, vernetzt und industrialisiert ein Land wie Deutschland ist, umso größer ist seine Abhängigkeit von wechselhaftem Wetter”, erklärt Uwe Kirsch vom Deutschen Wetterdienst. “So können gefährliche Unwetter mit Sturm oder extremen Niederschlägen für  Schäden und Ausfälle von für die Wirtschaft wichtigen Infrastrukturen wie Bahn, Straßennetz oder Energieversorgung führen.”

Katrina, Kyrill & Co.

Sind die Schienen vereist, rollt kein Güterzug. Sind Straßen vom Hochwasser blockiert, kann kein LKW passieren. Ist ein Orkan im Anmarsch, bleibt das Frachtflugzeug am Boden. Im Getriebe der deutschen Wirtschaft kommt der Logistikbranche eine Schlüsselfunktion zu. Kann sie Wind und Wetter nicht trotzen, werden viele andere Wirtschaftszweige im Regen stehen gelassen. Dem Möbelproduzenten kann kein Holz geliefert werden, der KfZ-Werkstatt fehlen Ersatzteile und im Supermarkt wird die Frischmilch knapp.

Desaströse Wetterereignisse wie schwere Stürme, Fluten oder Dürren kosten nicht nur Menschenleben, sondern schwächen auch lokale Ökonomien immens. Nach Berechnungen der “World Meterological Organization” der Vereinten Nationen sind zwischen 1970 und 2012 aufgrund wetterbedingter Katastrophen weltweit wirtschaftliche Schäden in Höhe von 2,4 Billionen US-Dollar entstanden. Allein die finanzielle Zerstörungswut des Hurrikanes Katrina beläuft sich auf knapp 147 Milliarden US-Dollar. In Deutschland verschlang 2002 das Elbe-Hochwasser 11 Milliarden Euro. Und Orkan Kyrill wehte 2007 stattliche 4,5 Milliarden Euro davon.

Kräht der Hahn auf dem Mist …

Krakelende Hähne und quakende Frösche als Wetterpropheten sind Schnee von gestern. Mittlerweile bestimmen Hochleistungscomputer und ausgeklügelte Rechenmodelle das Geschäft mit der Wettervorhersage. Mit Erfolg! Seit Ende der 1960er Jahre hat sich die Genauigkeit von Wetterprognosen verzehnfacht. “Mit hochwertigen und auf die Nutzer zugeschnittenen Wettervorhersagen und Unwetterwarnungen können Schäden minimiert werden”, erläutert Kirsch. Immer mehr Branchen ziehen zur ökonomischen Steuerung Wetterdaten heran.

Airlines berechnen anhand der Windverhältnisse die für einen Flug benötigte Kerosinmenge. Hersteller von Verbrauchsgütern erstellen auf Basis von Temperaturdaten Bedarfsprognosen. So kann beispielsweise ein Bierbrauer dank moderner Wettervorhersagen planen, wie viel Bier voraussichtlich über den Sommer getrunken wird und ab wann seine Kundschaft der große Bierdurst überfällt.

Kein Kaiserwetter für die deutsche Wirtschaft

Doch welches ist das perfekte Wetter für die deutsche Wirtschaft? Wahrscheinlich das sprichwörtliche Aprilwetter, denn was dem einen seine Eule, ist dem anderen seine Nachtigall: Bei einem schlechten Sommer mit viel Regen verhagelt es nicht nur Gastromen, Zoos und Freizeitparks die Umsätze, sondern auch die Ernte der Landwirte fällt geringer aus. Gewinner eines verregneten Sommers sind dagegen Museen, Kinos und Sonnenstudios. Ein milder Winter hingegen sorgt beim Straßen- und Tiefbau für sonnige Gemüter, da in diesen Branchen bei Frost nicht gearbeitet werden kann. Finster sieht es bei warmen Wintern für Energieversorger und wiederum für die Landwirte aus, denn nach milden Wintern gibt es besonders viele Schädlinge.

Die Aussichten für´s Wochenende

Am Samstag profitieren Biergärten, Eisdielen und klimatisierte Einkaufszentren in ganz Deutschland von den schwül-warmen Temperaturen zwischen 25 und 30 Grad. Örtlich wird gegen Nachmittag die lokale Regenschirm-Industrie durch Unwetter und ergiebige Regengüsse gestärkt. Am Sonntag erleidet insbesondere die Sonnenmilch-Branche durch wechselnde bis starke Bewölkung im Osten und Nordosten einen Rückschlag. Durch die weiterhin heißen Temperaturen zwischen 22 und 32 Grad kann die Ventilatoren-Wirtschaft auch am Sonntag die guten Ergebnisse dieses Sommers halten.

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